Startup-Investoren Talk von

"Startups werden unwilliger,
kleine Tickets zu nehmen"

Startup-Investoren Talk - "Startups werden unwilliger,
kleine Tickets zu nehmen" © Bild: Shutterstock

Karin Kreutzer, Inhaberin von AUBMES Invest GmbH und Kommunikationsberaterin, im Gespräch mit Philipp Kinsky und Jörg Kadanik, Gründer und Geschäftsführer von KK Incube.

In einer Stunde haben wir ein Investorenmeeting mit einem Startup, in dem wir mit AUBMES über euch mitbeteiligt sind. Also via Treuhandschaft. Seid Ihr eigentlich bei allen Euren Beteiligungen treuhänderisch tätig? Und wie entscheidet Ihr, wann und welche Treugeber ihr reinnehmt? Kann man sich bei Euch sozusagen als Treugeber bewerben – steht ihr auch für Fremde offen?

Jörg Kadanik (JK): Wir sind bei etwa der Hälfte unserer derzeit sieben Beteiligungen treuhänderisch tätig. Und nein, man kann sich bei uns nicht als Treugeber bewerben.

Philipp Kinsky (PK): Wir nehmen nur Mit-Investoren rein, die wir kennen und gut einschätzen können. Und von denen wir ausgehen, dass sie zu dem jeweiligen Startup, den Gründern und den Investoren passen. Denn eine Vielzahl an Startups scheitert unter anderem aufgrund von Shareholder-Streitigkeiten. Das Zusammenspiel der Shareholder ist also durchaus relevant für den Erfolg eines Startups.

JK: Treuhandschaften werden aber sicher weiter an Bedeutung gewinnen. Denn die Finanzierungsrunden werden schon in der Pre- und Seedphase und erst recht in den weiteren Folgen größer und die Startups immer unwilliger, viele unterschiedliche Investoren mit kleinen Tickets zu nehmen. Der Aufwand für Investor Relations ist dann vielfach einfach zu groß. Durch Treuhandschaften kann man kleinere Tickets gut bündeln.

Eure Berufserfahrungen liegen in der Juristerei, der Industrie und dem Steuerwesen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich Freiberufler leichter tun in der Startup-Welt. Wie ist da Eure Erfahrung?

PK: Ich nehme keine großen Unterschiede wahr zwischen Unternehmern, die eine Kanzlei oder einen Industriebetrieb aufgebaut haben. Wichtig ist nur, dass man die Auf und Abs einer Gründung und der Frühphase kennt. Da tun sich Manager schwerer als Unternehmer, die schon einmal eine Firma von Null weg hochgezogen haben. Für sensibel halte ich allerdings, wenn man als Freiberufler ein Startup einerseits berät und andererseits daran auch beteiligt ist.

Vom Unternehmer zum Business Angel – was ist zu bedenken?

• Step-by-Step in die Startup-Szene eintauchen, sich mit anderen Investoren vernetzten, lernbereit sein. Es läuft manches anders als in der "old economy"

• Geld investieren allein macht nicht erfolgreich, besser sich als aktiver Business Angel einbringen.

• Beim Investment-Budget zukünftige Nachfinanzierungen einplanen. Mit dem Einstiegsticket ist es selten getan.

War das der Grund, dass du mit Jörg KK incube gegründet hast? Also um die Anwaltschaft und das Business Angel-Dasein voneinander zu trennen?

PK: Ja, schon auch, um in keinen conflict of interests zu kommen. Aber das war nicht der einzige Grund. Wir haben beide eine weitere berufliche Herausforderung gesucht.

JK: Wir wollten immer schon arbeitstechnisch etwas gemeinsam machen. Angel-Investoren zu werden hat sich gut ergeben, da Philipp in der Startup-Szene bereits gut etabliert war. Immerhin ist er seit rund 10 Jahren „Gründer-Anwalt“. Er bekommt häufig mit, dass selbst bei gut aufgestellten Startups eine Finanzierungslücke bleibt, und hier können wir als KK incube einspringen.

Ist work for equity für Euch oft ein Thema?

JK: Ja, das machen wir schon auch. Allerdings ausschließlich für die Arbeit von KK incube und nicht für rechtsanwaltliche Tätigkeiten von Philipp.

PK: Wir machen auch kein work for equity in Unternehmen, die ich mit meiner Kanzlei berate. Wir sind in Startups, die ich berate, stets auch nur als Co-Investoren drin. Ich würde nie für ein Unternehmen, in dem wir Lead-Investoren sind, als Rechtsanwalt agieren.

Seid Ihr in einem Startup im Lead?

PK: Ja, in einem. Aber unser Fokus liegt nicht auf Lead-Investorenschaft. Als Lead-Investor musst du nicht nur bereit sein, wirklich mit einem sechsstelligen Betrag von Anfang an voll ins Risiko zu gehen, sondern hast auch eine viel größere Verantwortung, für die Nachfinanzierung zu sorgen. Wir legen bei Startups schon auch mal nach, wenn es uns als sinnvoll erscheint, die Bewertung für uns auch noch passt und wir nicht verwässert werden wollen. Aber an sich sind wir ein klassischer Frühphasenfinanzierer.

JK: Nachfinanzierung ja oder nein, ist aber schon eine laufende Diskussion. Wann hört man auf nachzulegen? Einerseits wollen wir eine gute Risikostreuung vornehmen, andererseits dann auch mal lieber bei einem Unternehmen bleiben und stärker werden, von dem wir das Team schon gut kennen und der Geschäftsidee vertrauen.

» Haben sie ausreichend Biss und unternehmerisches Potenzial?«

Diskutiert ihr viel?

JK: Schon. Intensive Diskussionen vor Beteiligungen oder vor Nachfinanzierungen sind hilfreich. Der Austausch generell ist sehr wichtig. Philipp ist meist euphorischer als ich. Das kommt wohl auch daher, dass er die Teams häufig früher oder länger kennt als ich. Ich analysiere meist zuerst das Pitchdeck und bin daher kritischer. Jedenfalls haben wir eine gut funktionierende Vier-Augen-Kontrolle. Und wenn wir uns gar nicht einigen können, dann investieren wir auch mal getrennt. Das ist uns trotz KK incube nicht verboten.

Vorauf achtet Ihr, bevor Ihr in ein Startup investiert?

PK: Auf das Team. Wir bedenken natürlich, dass die Persönlichkeit von jungen Gründern nicht immer schon voll ausgeprägt ist. Aber wir evaluieren: Haben sie ausreichend Biss und unternehmerisches Potenzial? Und verstehen wir den Markt, in dem das Startup agieren möchte? Natürlich ist das Produkt auch nicht unerheblich, aber einen Branchenfokus haben wir nicht. Artificial Intelligence, digitiale Transformation, Bitcoins , etc. - alles spannend.

© Karin Kreutzer/beigestellt Karin Kreutzer mit Philipp Kinsky und Jörg Kadanik

Über die KK Incube Management GmbH

Die KK Incube Management GmbH ist ein privat finanziertes Beteiligungsunternehmen, mit Investmentfokus auf Start-ups. Gegründet wurde das Unternehmen im September 2014 von Jörg Kadanik und Rechtsanwalt Philipp Kinsky. Aktuell hält KK Incube sieben Beteiligungen. www.kkincube.com

Über AUMBES Invest GmbH

AUBMES stellt als Co-Investor Kapital bereit für neue Geschäftsideen und für Startups in der Pre-Seed- und Seed-Phase. AUBMES hält zurzeit 7 Startup-Beteiligungen. www.aubmes.at

Kommentare