Spitzentöne von

Zwei verloschene Kindheitsfarben

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Das letzte Verlöschen von Kindheitsfarben ist immer ein emotionaler Moment. In dieser Woche haben sich wieder zwei verabschiedet, und außer der gemeinsam bespielten Fernsehreihe „Tohuwabohu“ hatten sie nichts gemeinsam.

Eher waren sie das Gegenteil voneinander: hier der Schauspieler Ossy Kolmann, eine Größe des bürgerlichen Lachtheaters; dort der Liedermacher Sigi Maron, der den acht Jahre verspäteten, dafür nur drei Monate dauernden Aufstand der österreichischen Achtundsechzigerbewegung prägte, als er 1976 den Besetzern der Wiener Arena Gesicht und Stimme gab.

Kolmann behauptete sich an den Kammerspielen gegen Giganten wie Ernst Waldbrunn, Fritz Muliar und Otto Schenk. Seine Spezialität war die unterspielte Pointe, die mit Verzögerung, dann aber mit Urgewalt detonierte. Im Fernsehen war er einer der Ersten, die mit ihrem prominenten Gesicht Werbung trieben. Wie er der Automarke „Pöschoo“ als Mechaniker vom Grund alles Fremde, Misstrauen Weckende nahm, das war die frühe, hohe Schule der Marktmanipulation.

Maron erhob aus dem Rollstuhl die Stimme der Zuversicht auf gerechtere Zeiten. Sein Zorn war gewaltig, aber seine Liebeslieder konnten einen zu Tränen bringen. Solche wie die beiden gibt es bald nicht mehr. Ich werde mein Bestes tun, sie nicht zu vergessen.

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