Sex am Börsenparkett: Bordell-Betreiber Gerhardinger will nächstes Jahr an die Börse

Geschäft mit der Lust läuft: Zehn Mio. € Jahresumsatz Goldentime-Sauna-Aktie soll ab 2008 erhältlich sein

Sex am Börsenparkett: Bordell-Betreiber Gerhardinger will nächstes Jahr an die Börse

Für den Wiener Bordell-Betreiber Alexander Gerhardinger ist sein Geschäft eines wie jedes andere. Konsequenterweise will er jetzt einen Schritt setzen, der für europäische Puffbetreiber bisher außer Reichweite lag: Er will mit der RB Immo Immobilienverwaltungs AG, Muttergesellschaft der Goldentime-Sauna, an die Börse. 2008 soll der Börsenprospekt fertig sein.

Gerhardinger tut trotz betont geschäftsmäßigen Auftritts und Vorfahrt im biederen schwarzen E-Klasse-Mercedes erst gar nicht so, als wäre nichts. "Was wir machen, ist Prostitution", sagt der Betreiber der Wiener Sex-Sauna "Goldentime". Dass es ein Geschäft wie jedes ist, findet er trotzdem. "Wenn ich Immobilien für neue Standorte oder Bewilligungen brauche, komme ich an der Moraldiskussion zwar nie vorbei", meint er. "Aber ich biete einfach nur Mädchen und ihren Kunden eine Plattform, auf der sie miteinander handelseins werden können."

Das Geschäftsmodell ist innovativ
Während herkömmliche Bordelle den Hostessen mindestens 50 Prozent ihrer Einnahmen pro Kundschaft abnehmen, kassiert Gerhardinger schlicht 60 Euro Eintritt, "egal, ob sie zwei oder zehn Zimmer pro Abend machen". Kunden zahlen 80 Euro, Buffet inklusive. Zusatzgeschäfte wie Sekt-Animation gibt es nicht. "Wir verkaufen Eintrittskarten", sagt Gerhardinger. "Das ist für uns, die Mädchen, ihre Kunden und das Finanzamt so einfach wie bei einem Kino."

Zehn Millionen Euro Jahresumsatz
Durch die Finger schauen die Zuhälter, die Kontrolle über die Prostituierten verlieren. Auch deshalb scheint das Unternehmen, das unter seinem vorigen Betreiber in die sogenannte Sauna-Affäre um den Wiener Ex-Kripo-Chef Ernst Geiger verwickelt war, wohltuend abseits von Branchenabgründen wie Menschenhandel, Drogen und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu stehen. Dabei wirft es Renditen ab, von denen Anleger sonst nur träumen können: Bei zehn Millionen Euro Jahresumsatz werden heuer planmäßig drei Millionen Euro Gewinn herausschauen. "Wir kennen keine Konjunkturschwankungen", sagt Gerhardinger.

Expansion geplant
Nahe liegend, dass es den Linzer, der in seinem Vorleben für Constantin-Film Cineplexx-Zentren entwickelte, nach Expansion dürstet. In Innsbruck, Kärnten und München steht er vor Neueröffnungen. Mit einem Innenstadtstandort in der Wiener Annagasse im Keller unter der dortigen Burger-King-Filiale will er sogar dem Marktführer, Babylon-Chef Peter Bretterklieber, Paroli bieten. Danach soll es weitergehen - entweder mit eigenen Standorten oder per Franchise-Modell. Zur Finanzierung dieser ambitionierten Vorhaben brauchen er und seine Partner das Geld vom Kapitalmarkt.

Eigentümerstruktur untransparent
Die derzeitige Eigentümerstruktur ist eher untransparent. Neben Haupteigentümer Gerhardinger scheinen bei der RB Immo die Vaduzer MPC Holding Establishment (11 Prozent) und die zypriotische Steelfield Consultants (39 Prozent) als Gesellschafter auf. Laut internen Unterlagen der Steelfield wirken dort die Wiener Rechtsanwälte Alexander Thomas und Gregor Trummer (Kanzlei Mondl Trummer Thomas & Partner) als Rechtsvertreter und KPMG-Geschäftsführer Thomas Jungreithmeir als Berater. Die Genannten erklären, nicht gewusst zu haben, dass das Unternehmen einen Saunaclub betreibe. Sie hätten ihre Funktionen zurückgelegt, ursprünglich habe es sich um ein reines Immo-Unternehmen gehandelt.

Australisches Bordell schon an der Börse
Das größte australische Bordell, Daily Planet, ist bereits an der Börse. Beim Going Public 2002 gab es etwa Rabattaktionen für Senioren. Die Aktie schwächelt jetzt trotzdem. Die Firma hat mehr Kapital aufgenommen, als sie am schwierigen Sexmarkt in neue Standorte investieren kann. Ein Schicksal, das auch Gerhardinger widerfahren kann. In Tirol muss er vor einer geplanten Neueröffnung derzeit eine Bedarfsprüfung überstehen.

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