Schauspielerin von

Franziska Weisz: "Ich will
von einer Heldin erzählen"

Schauspielerin - Franziska Weisz: "Ich will
von einer Heldin erzählen" © Bild: imago images/Eibner

Im Filmdrama "Der Taucher" verkörpert Franziska Weisz emotionalisierend eine misshandelte Frau. Privat setzt sich die Vegetarierin und studierte Umweltexpertin für den WWF ein

Das Leben als alleinerziehende Mutter einer Tochter im Teenageralter hat sich Irene, so gut es geht, eingerichtet. Auf Ibiza hat sie ein Modegeschäft eröffnet, das reicht für das Auskommen auf der Mittelmeerinsel. Auch das bevorstehende Studium der Tochter in Wien ließe sich damit finanzieren. Da zerkracht die Idylle: Irenes ehemaliger Partner, der Komponist Paul, sucht sie in ihrem Refugium auf. Er fordert, dass sie ihre Klage wegen Misshandlung gegen ihn zurückzieht. Die beträchtliche Summe, die er ihr für eine außergerichtliche Einigung anbietet, nimmt sie nicht an. Da wird Paul zum Verfolger.

Kein Opfer

Was auf einen ersten Blick wie ein gestandener Thriller anmutet, ist das cineastische Psychogramm eines Gewalttäters. "Der Taucher", ein Werk des österreichische Regisseurs Günter Schwaiger, steht am 29. November im Kinoeinsatz.

Schon beim Casting habe sie die Geschichte der geschlagenen Frau berührt, sagt die österreichische Schauspielerin. Was sie mit dieser Figur habe erzählen können, sei ein enormer Antrieb für sie sagt die 39-Jährige. Ein vergleichbar emotionales Erlebnis hatte sie schon bei ihrem ersten maßgeblichen Auftritt anno 2001 zu bestehen: In Ulrich Seidls radikalem Werk "Hundstage" verkörperte sie eine junge Frau namens Klaudia, die vo ihrem Partner misshandelt, gar auf der Autobahn ausgesetzt wird.

Dennoch eignet sie sich nicht für das abstempelnde Opfer-Klischee, und die Gegenmaßnahmen sind generationenübergreifend erfolgreich: Franziska Weisz-amtiert im Hamburger "Tatort"-Team und mit Pferdeverstand auf dem Ponyhof in der Filmreihe "Bibi und Tina".

Und auch was den "Taucher" anlangt, wollte sie die Figur der Irene nicht auf die Rolle des Opfers festlegen."Ich will von einer Heldin erzählen",lässt sie im Interview keine Zweifel an ihren Absichten aufkommen. "Gewalt an Frauen ist immer noch ein Kavaliersdelikt. Sie wird in allen Gesellschaftsschichten ausgeübt, das Thema ist omnipräsent. Trotzdem wird es in Österreich marginalisiert."

Franziska Weisz wuchs mit ihren beiden Geschwistern als Tochter einer alleinerziehenden Mutter in der Nähe von Wien auf. Hat sie da die Ausrüstung für ein wehrhaftes Leben mitbekommen? So will sie das nicht benennen, aber ihre Mutter ist ihr in vielem Vorbild. "Sie hat es geschafft, als Alleinerzieherin von drei Kindern mit dem auszukommen, was sie hatte. Und sie hat mir immer zu verstehen gegeben, dass sie für mich da ist. Egal, was ich mache."Und das ist nicht wenig, denn die Tochter hat sich nicht nur im Filmbusiness etabliert:Bevor sie vor die Kamera trat, absolvierte sie ein Biologiestudium samt Magisterarbeit zum Thema "virtuelles Wasser".

Karotten statt Fleisch

Dabei recherchierte sie so Kurioses wie Wissenswertes: Um einen Bund Karotten zu generieren, brauche man 130 Liter Wasser, für ein Kilo-Rindfleisch 4.500 Liter Wasser. Fazit: "Es gibt theoretisch genug Frischwasser auf der Welt, aber- die Verteilung funktioniert nicht." Ein Grund dafür sei die Produktion von Fleisch in reichen Ländern."Statt Unmengen an Soja für unsere Rinder anzubauen, sollten wir eine Versorgung der Menschen in allen Regionen der Welt anstreben." Folgerichtig, dass die überzeugte Vegetarierin seit Jahren die Umweltschutzorganisation WWF aktiv unterstützt.

Noch etwas: Wie gefällt Ihr "Fridays for Future"? "Hype hin oder her, Greta ist ein Vorbild für ihre Generation. Das hat einen viel größeren Impact als jede Biologiestunde."Das muss man der studierten Umweltexpertin schon glauben.

ZUM FILM

Psychogramm eines Täters

Der Taucher. Die Zahl der Frauen, die durch Gewaltakte im Haushalt zu Tode kommen, hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Günter Schwaiger untersucht das Phänomen häuslicher Gewalt in "Der Taucher" und zeigt ein alarmierendes Psychogramm eines Täters. Mit Franziska Weisz, Alexander Brendemühl, Julia Franz Richter und Dominic Marcus Singer. Ab 29. November im Kino

Kommentare