Paukenschlag in Meinl-Affäre: Nach Meinl-
Razzia starten jetzt Promi-Vernehmungen

FORMAT: Großrazzia in Büros und Privatdomizilen Meinl Bank: "Alle Unterlagen zur Verfügung gestellt"

Paukenschlag in Meinl-Affäre: Nach Meinl-
Razzia starten jetzt Promi-Vernehmungen © Bild: Lukas Beck

Bei der Meinl-Razzia wurden rund 230 Bene-Ordner, Laptops und über 100 USB-Sticks sichergestellt. Nach der spektakulären Polizeiaktion will der Staatsanwalt jetzt Dutzende Wirtschaftspromis einvernehmen.

Exakt 558 Tage sind vergangen, seit die Staatsanwaltschaft den Startschuss für Ermittlungen in der Börsenaffäre Meinl European Land (MEL) gab. Wäh­rend Tausende Kleinanleger mit Schrecken beobachten mussten, wie ihre Investments in MEL-Papiere pulverisiert wurden, schien die Affäre lediglich Juristen zu beschäftigen. Anzeigen von Kleinanlegervertretern und Finanzmarktaufsehern wurden von hochbezahlten Meinl-Bank-Advokaten regelmäßig abgeschmettert. Und die Wiener Anklagebehörde glänzte durch Untätigkeit. Lange Zeit geschah nichts: keine Einvernahmen, kein Gerichtsgutachten und keine Hausdurchsuchungen.

Großangelegte Hausdurchsuchung
Seit Mittwoch ist alles ganz anders: In einer streng geheimen Kommandoaktion schwärmten landesweit mehr als 50 Kriminalpolizisten im Auftrag von Staatsanwalt Markus Fussenegger aus, um Büroräume, Lagerhallen und Privatwohnungen von Meinl und seinen Managern zu stürmen. Über die "Operation Bauernmarkt" – dort ist der Sitz der Meinl Bank – berichtete FORMAT online als erstes Medium (siehe Artikel ) und löste damit eine Flut an Schlagzeilen aus. Um Punkt neun Uhr fanden sich Staatsanwalt Fussenegger und sein Boss Karl Schober in der Meinl Bank ein. Mit dabei war auch der Gerichtssachverständige Thomas Havranek. Gemeinsam mit zwölf Kripo-Beamten stellten sie die Büros der Meinl-Bank-Vorstände Peter Weinzierl und Günther Weiß auf den Kopf.

Gleichzeitig rückten mehrere Einsatzteams in die Nobelbezirke Hietzing und Döbling aus, um die Luxusdomizile der Privatbankiers zu durchstöbern. Auch Mastermind Julius Meinl V. blieb nicht unverschont: 13 Monate nachdem eine Gangsterbande den Tresor der Meinl-Villa in der Grinzinger Straße 58 räumte, fiel nun die Polizei bei ihm ein. "Wir wurden komplett überrascht", sagt Meinl-Anwalt Herbert Eichenseder. Meinl-Vorstand Robert Kofler steht die behördliche Demütigung noch bevor: Weil er mit Familie auf Skiurlaub ist, erfolgt die Hausdurchsuchung zu einem späteren Zeitpunkt.

Meinls fühlen sich verfolgt  
Tatsächlich herrscht im Meinl-Clan der Ausnahmezustand. Noch nie zuvor sei ein Julius Meinl derart vorgeführt worden. In der Gerüchteküche brodelt es. Meinl vermutet Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hinter den Hausdurchsuchungen: Die Staatsanwaltschaft sei von ihr angewiesen worden, „mehr Tempo“ (ein Meinl-Banker) zu machen. Immerhin werde die Neo-Ministerin von parlamentarischen Anfragen wegen Untätigkeit in der Causa Meinl bombardiert. Diese Vorwürfe wäre sie nun los.

"Darüber kann ich nur lachen", sagt Staatsanwalt Jarosch. Allein das Rechtshilfeersuchen mit der Slowakei habe Wochen in Anspruch genommen. Außerdem waren mehr als 60 Kriminalbeamte plus ein externes Sachverständigenteam zu koordinieren, das an 14 Standorten gleichzeitig zuschlagen musste. Jarosch: „Das geht nicht auf Zuruf.“ Selbst wenn die rufende Person Ministerin sei. Auch die Kritik, dass die Staatsanwaltschaft zu lange gewartet hat, kontert Jarosch trocken: „Wir können nicht einfach ohne begründeten Tatverdacht Hausdurchsuchungen anordnen, weil es dann in Österreich keine funktionierende Wirtschaft mehr geben würde.“ Und das wolle wirklich keiner.
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