Nahrungsmittelindustrie von

NÖM versenkt Millionen

Raiffeisen-Tochter verkaufte britische Verlusttochter an deutsche Müller Milch

NÖM-Molkerei in Großbritannien. © Bild: APA/NOEM AG

Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien ist ihr Molkerei-Sorgenkind in Großbritannien los: Gestern haben Raiffeisen und die NÖM AG die NOM Dairy UK Ltd. mit Sitz in Telford verkauft. Neuer Eigentümer ist die Müller Dairy, die zum bayrischen Molkereikonzern Theo Müller gehört. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit. Das britische Joghurtwerk der niederösterreichischen NÖM erwies sich für Raiffeisen als glückloses Auslandsabenteuer. Zu hohen Investitionen kamen Verluste in Millionenhöhe.

Raiffeisen hatte ihren britischen Molkerei-Ableger 2009 fertiggestellt. Damals wurden zumindest 62 Mio. Euro in die - nach Konzernangaben - modernste Molkerei Europas investiert. Es war sogar die größte Privatinvestition der vergangenen zehn Jahre in der Region in Mittelengland nahe Birmingham. Über die Jahre stellte sich dies für die Österreicher jedoch als glückloser Schritt heraus - die Tochter bilanzierte tiefrot. Zum Kaufpreis gab es zunächst keine Angaben. In dem britischen NÖM-Unternehmen (Jahresumsatz 50 Mio. Euro) waren zuletzt 155 Mitarbeiter beschäftigt.

Zuletzt musste die NÖM International, in die neben der Großbritannien-Tochter auch das Ukraine-Geschäft ausgegliedert ist, ihre Beteiligungen um fast 39 Mio. Euro abschreiben. Davon entfielen fast 30 Mio. Euro auf die britische NOM Dairy mit Sitz in Telford.

Hohe Verluste in Großbritannien

Der Verlust der NÖM-Auslandsholding weitete sich 2012 auf 39,2 Mio. nach 29,3 Mio. Euro aus, wie aus dem FirmenCompass hervorgeht. Mit der Folge, dass die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, die 85 Prozent an der NÖM International AG hält, und die NÖM AG (15-Prozent-Eignerin), erneut Geld nach England pumpen mussten. Für 2012 waren 5 Mio. Euro nötig, ein Jahr davor 25 Mio. Euro.


2011 hatte die Joghurtproduktionsstätte in Telford sogar den gesamten NÖM-Konzern ins Minus gerissen - obwohl die Niederösterreicher die Verluste in Großbritannien nicht direkt voll in der Bilanz verdauen mussten, da die NÖM International ja mehrheitlich an der Raiffeisen-Holding hängt.

Verkauf nun doch notwendig

2012 schrieb die NÖM AG, nach der Berglandmilch (ebenfalls Raiffeisen) Österreichs zweitgrößter Molkereikonzern, aber wieder schwarze Zahlen, auch dank Auflösung von Rückstellungen. Nach einem Verlust von 7,4 Mio. Euro 2011 wurde für 2012 ein Gewinn von 748.448 Euro ausgewiesen. Der Umsatz schrumpfte jedoch auf 315,7 Mio. nach 329,5 Mio. Euro.

Den Markteintritt in Großbritannien hatten sich die Österreicher insgesamt 100 Mio. Pfund (118 Mio. Euro) kosten lassen. Damals galt Großbritannien aber noch als Hoffnungsmarkt. Daraus wurde nichts, sodass das englische Joghurtwerk sogar bei Raiffeisen zur Chefsache erklärt worden sein soll. Einen Verkauf hat Raiffeisen-Holding-NÖ-Wien-General Klaus Buchleitner aber noch im Juli ausgeschlossen, stattdessen im "WirtschaftsBlatt" von einer "Sanierung aus eigener Kraft" gesprochen.

Milchimperium Müller

Nun kam alles anders: Der bayerische Molkereiriese Theo Müller, der momentan in Großbritannien auf Einkaufstour ist, hat sich die NOM Dairy UK Ltd. unter den Nagel gerissen. Den Kaufpreis wollten am Mittwoch weder Raiffeisen noch Müller nennen. "Wir sind seit 18 Monaten in Großbritannien auf Expansionskurs", erklärte ein Sprecher der Müller UK & Ireland Group der APA. Für Müller ist die NÖM-Akquisition vergleichsweise eine kleine. Allein in Großbritannien setzen die Deutschen etwa 1,5 Mrd. Pfund im Jahr um, die gesamte Gruppe macht einen Umsatz von 4,7 Mrd. Euro. Der britische NÖM-Ableger setzte zuletzt mit 155 Mitarbeitern rund 50 Mio. Euro um.

Ob die Mitarbeiter übernommen werden, ist noch nicht klar. "Wir wollen die Arbeitsplätze sichern. Unsere Intention ist, die Produktpalette auszuweiten. Wie bei jeder Akquisition kann es sein, dass wir betriebsbedingte Änderungen durchführen", so der UK-Sprecher von Müller. Noch sei es aber zu früh, Details zu nennen.

Der deutsche Milchmagnat Theo Müller hatte 1971 die bereits 1896 gegründete kleine Dorfmolkerei mit Sitz im bayerischen Aretsried übernommen. Mittlerweile beschäftigt der Konzern 21.000 Mitarbeiter und macht längst nicht mehr nur Milch. Seit 2005 gehört zum Beispiel auch die Fischrestaurantkette Nordsee zum Müller-Reich, das seit 2011 von einer Holding aus Luxemburg gesteuert wird.

Kommentare

Wen wundert es ? Der Raiffeisenkonzern wird immer mehr zum Alterssitz für abgehalfterte Politiker die keine Ahnung von Wirtschaftsmanagement haben .

Zufall nichts als Zufall!

Überall wo ÖVP drinnen ist gibt es hohe Verluste: Finanzminister der ÖVP haben den Staat seit 13 Jahren auf unglaubliche 260 Mrd. verschuldet.
Im tiefschwarzen NÖ gibt es 7,5 Mrd. Schulden, nun auch die NÖM usw...

Wir verdienen nichts anderes. WIR wählen sie zum Dank immer wieder.
(Das Volk der DDR hat sich schon vor über 20 Jahren von solchen Politikern getrennt)

Alles Müller, oder was?! :D

regnide melden

Sehr witzig!!!!!! Die Zeche zahlen weder die Kunden, noch der Steuerzahler sondern die MILCHBAUERN die an die NÖM liefern, den dadurch bekommen sie wieder einen niedrigeren Milchpreis!!

Elcordes melden

Verluste der Banken bezahlen noch immer die Bankkunden. Wo lebst Du eigentlich.

Da fragt man sich welche Handwerker sind da am Werk. Manager die man am besten in die Wüste schicken sollte. Die Zehe werden wohl wieder die Kunden oder Steuerzahler zahlen. Ein Manager trägt da wohl keine Haftung.

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