Economy Class von

Luftwirbel

Stefan Melichar © Bild: News/Ian Ehm

Ganz oben war Norbert Hofer, ganz unten ging es rund. Diese Woche startete am Straflandesgericht Wien ein interessantes Verfahren. Es geht um die Pleite eines Bedarfsflugunternehmens - wahrlich kein Einzelfall in der Branche der Charter-Jets, in der Aufstiege steil und wirtschaftliche Abstürze tief sein können. Das Interesse an dem Prozess hielt sich vorerst in Grenzen. Gerade einmal zwei Zuhörer waren da. Die beiden angeklagten Ex-Manager hatten nicht einmal Anwälte mitgebracht. Trostlosigkeit machte sich breit, als die Staatsanwältin ihren Strafantrag in die Leere hinein vortragen musste. Dabei hat dieser Prozess Potenzial zu deutlich mehr. Und das liegt am erwähnten dritten Nationalratspräsidenten und Ex-Bundespräsidentschaftskandidaten der FPÖ.

Wie News im Vorjahr ausführlich berichtete, war Hofer von September 2010 bis September 2014 Vorstandsvorsitzender der Privatstiftung von Peter F., eines Schulfreundes. Diese Stiftung befand sich an der Spitze einer Beteiligungsstruktur, an deren unterem Ende - unter anderem -eine Miteigentümerschaft an der Firma Vienna Jet Bedarfsluftfahrt GmbH stand. Um diese Firma geht es im Gerichtsverfahren. Bei der Vienna Jet muss es sich jedenfalls ziemlich abgespielt haben: Zerstrittene Gesellschafter booteten einander aus. In der Folge soll Hofer-Freund F. Geschäftsführer geworden sein. Ein paar Monate später wurde er dann aber selbst abberufen. Letztlich war von dem Unternehmen nicht mehr viel übrig. Angeklagt sind nun die beiden Gründungsmanager. Einer von ihnen soll der Firma laut Anklage sehr viel Geld verrechnet haben, was der aber mit diversen Leistungen und Durchläuferposten begründet. Die Angeklagten wiederum erheben Vorwürfe gegen F., alle bestreiten jedes Fehlverhalten.

Um Hofer selbst geht es in dem Prozess nicht. Allerdings könnte die Frage auftauchen, wie unterhalb der Stiftung, deren Vorsitzender der Nationalratsabgeordnete war, gearbeitet wurde. Zwei Beteiligungen aus der Firmenstruktur, beide mit Luftfahrt-Konnex, gingen damals schon pleite, eine dritte später. Anfang 2010 wollte sein Schulfreund bekanntlich mit einem aggressiven Konzept - und mit Hofer im Aufsichtsrat - der AUA die begehrten Russland-Streckenrechte abknöpfen. FPÖ-Luftfahrtsprecher Hofer bezog zufällig zu diesem Zeitpunkt via Presseaussendung gegen die AUA Stellung.

Eine gewisse Grundbereitschaft, für Turbulenzen zu sorgen, scheint jedenfalls dagewesen zu sein. Vielleicht erfährt man noch mehr davon - wenn der Prozess nächste Woche weitergeht.