Spitzentöne von

Kulturpolitik auf dem Holzweg

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Um den burgenländischen Landesrat Hans Peter Doskozil haben sich Debatten entwickelt, die hier nicht zu kommentieren sind. Als Kulturlandesrat jedenfalls hatte ich ihm bis vor Kurzem nur Gutes nachzusagen: Kaum im Amt, beendete er die Streitigkeiten seines Vorgängers mit dem Chef der Esterházy-Stiftung, Stefan Ottrubay. Das Land beteiligt sich 2019 an den heuer im Konflikt stillgelegten Festspielen von St. Margarethen; und man arbeitet auch für das Klassik-Festival Herbstgold im Eisenstädter Schloss zusammen. Von dort hatte Ottrubay 2017 die landeseigenen Haydn-Festspiele delogiert, um das Konkurrenzprodukt Herbstgold zu etablieren. Worauf die international renommierten, von Walter Reicher furios geleiteten Haydn-Festspiele an Originalschauplätze im Burgenland, in Niederösterreich und Wien auswichen und 96 Prozent Auslastung lukrierten: Die Landeskulturpolitik hatte dem Widersacher gezeigt, wo Gott seinen Ferienzweitwohnsitz hält.

Und jetzt? Die Haydn-Festspiele gibt es nicht mehr, wie mit Reichers bis 2020 geschlossenem Vertrag verfahren wird, ist ungewiss. Die Synergien mit Esterházy seien genug, heißt es aus dem Büro des Landesrats. Als vertrüge das einschlägig nicht überausgestattete Burgenland nicht zwei erstklassige Festivals! Wenn Kultur nur als Geisel gegen einen privaten Widersacher Lebensrecht genießt, ist die Kulturpolitik auf bedenklichem Weg.

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