Kritik von

Kammeroper: Nikolaus
Habjan inszeniert "Faust"

Tolle Puppen und sonst wenig

Kritik - Kammeroper: Nikolaus
Habjan inszeniert "Faust" © Bild: Herwig Prammer

Nikolaus Habjan inszeniert Charles Gounods "Faust". Die schlechte Nachricht: Der unbedeutende Rest des Unternehmens kann sich mit Habjans Resultat nicht messen.

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Die gute Nachricht: Der bedeutende Regisseur Nikolaus Habjan hat an der Wiener Kammeroper Gounods „Faust" inszeniert. Die schlechte folgt gleich: Der unbedeutende Rest des Unternehmens kann sich mit Habjans Resultat nicht messen.

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Gut, die winzige Kammeroper ist jetzt Kolonialbereich des Theaters an der Wien, und das hat ihr bisher fraglos genützt. Der nunmehr erkennbare Hang zur großen Oper krankt allerdings an der Umsetzung. Zwar ist die reduzierte Orchesterfassung von Leonhard Eröd nicht frei von Raffinesse, und die winzige Belegschaft hält sich unter der Leitung von Giancarlo Rizzi gut. Aber der Gesang! Ein Mephisto, der zwecks Erzielung von Farbe und Volumen vergeblich im Blechkübel genächtigt zu haben scheint. Ein Faust, dem ein gesangstechnischer Grundkursus zu empfehle wäre, ehe sein schönes Material in ebendiesem Gefäß ein trauriges Ende findet. Besser behaupten sich Kristjan Johannesson als Valentin und Ghazal Kasemi als Siebel, die Beste des Abends ist Jenna Siladies Gretchen.

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Sie alle, auch die Gescheiterten, profitieren davon, dass sie unter Habjans Hand nicht nur Sänger, sondern auch Puppenspieler sind. Jedem ist sein zweites Ich zugeordnet, und jeder führt seine Puppe selbst, was magische Diskurse zwischen Traum und Wirklichkeit, Enthemmung und Moral ermöglicht. Habjans Alter Ego, die Puppenmagierin Manuela Linshalm, hilft, wo es nötig ist. Vor allem bei der Animierung der faszinierenden, lebensgroßen Gründgens-Puppe, die Habjan für seinen Mephisto komponiert hat. Keine Puppen stehen dem kleinen, ausgezeichneten Chor zur Verfügung, doch gerade hier erzielt Habjans Personenführung bemerkenswerte Resultate. Der Abend ist überlang. Und doch möchte man das magische Ballett der greisen Säuglinge, die Habjan für die Walpurgisnacht gebaut hat, nicht missen.

Nächstens nimmt er sich im Theater an der Wien die nicht einfach zu bezwingende „Salome" vor, dann nachweislich mit brauchbarem Personal.

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