Spitzentöne von

Franz Liszt war nie bei der Wehrmacht

Heinz Sichrovsky über die Nazimusik bei der Angelobung eines Tiroler Bürgermeisters

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Auch Unbildung kann ihre Schönheiten haben. Am größten wird die Freude, wenn sich, wie zuletzt, konkurrierende Unbildungen zum Formationswatschen tanz ordnen. Da wurden in der Hofburg die eben gewählten Tiroler Bürgermeister angelobt. Das Innsbrucker Amt für Öffentlichkeitsarbeit komponierte dazu ein Video, das mit der Fanfare aus Franz Liszts Tondichtung „Les Préludes“ unterfüttert war. Die aber wurde einst als Kennmelodie für Hitlers Frontnachrichten zweckentfremdet, weshalb nun der Hohn nicht enden will: Die Tiroler hätten Nazimusik gespielt.

Nun ist Liszt diesbezüglich schon aufgrund seines Todesdatums 1886 unverdächtig. Er war zudem in seiner Eigenschaft als Geistlicher und Freimaurer von zwanghaft zu nennender Großzügigkeit. Als teuerster Klaviervirtuose seiner Zeit spielte er am Ende seines Lebens nur noch Benefizkonzerte, die nach heutigem Geldeswert zweistellige Millionenbeträge für Bedürftige erbrachten. „Les Préludes“ wiederum ist ein tendenziell freimaurerisch konnotiertes Werk, das den Tod und das veredelte Auferstehen thematisiert. Zu denken gibt allerdings ein Nebensatz in den Berichten: Die Tiroler hätten „eine leicht geänderte Fassung aus dem Jahr 2006“ gewählt. Die aber dürfte, in Kenntnis vergleichbarer Produkte, tatsächlich geklungen haben wie ein Auftragswerk des nordkoreanischen Hofremixers.

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