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Emanzipation ist eine
Frage des Geldes

Finanzen - Emanzipation ist eine
Frage des Geldes © Bild: lukas beck

Frauen verlassen sich immer noch zu sehr auf ihre Männer, wenn es ums Geld geht, meinen Angelika Slavik und Meike Schreiber. In ihrem Finanzratgeber für Frauen wollen sie Frauen zum Sparen und Investieren ermutigen

Wie kam Ihnen die Idee, einen Finanzratgeber für Frauen zu schreiben?
Wir haben im privaten Umfeld immer wieder festgestellt, dass es bei vielen Frauen eine große Berührungsangst mit dem Thema Finanzen gibt. Das hat Folgen, die man auch an Zahlen ablesen kann: Frauen werden nicht nur durch den berühmten Gender Pay Gap, also die ungerechte Bezahlung im Job benachteiligt -sondern Frauen haben auch weniger Aktien, weniger Barvermögen und erben sogar weniger. Dieser strukturellen Ungerechtigkeit wollten wir etwas entgegensetzen.

Sie sagen "Emanzipation ist auch eine Frage des Geldes". Was halten Sie von getrennten oder gemeinsamen Bankkonten innerhalb einer Ehe/Familie? Welche Vorbzw. Nachteile sind zu bedenken, wenn man vor dieser Entscheidung steht?
Wir empfehlen ein Drei-Konten-Modell: Eines für die gemeinsamen Ausgaben, zum Beispiel die Wohnung, aber auch für alle Ausgaben, die gemeinsame Kinder betreffen, falls es welche gibt. Zusätzlich sollten aber auch beide je ein eigenes Konto haben, über das sie selbst verfügen können - und für das sie sich auch nicht rechtfertigen müssen. Das hat gleich zwei Vorteile: Erstens stärkt es die finanzielle Unabhängigkeit und zweitens vermeidet es Streit. Partner haben ja oft sehr unterschiedliche Prioritäten, zum Beispiel beim Einkaufen. Da hilft es, wenn das geklärt ist.

Warum ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, dass Frauen einen eigenen finanziellen Polster haben?
Lebensumstände ändern sich. Es ist deshalb keine gute Idee, seine Altersvorsorge auf der Vorstellung aufzubauen, dass einen der Ehepartner schon durchfüttern wird. Darüber hinaus stärkt es das Selbstbewusstsein, zu wissen, dass man wirtschaftlich unabhängig ist - und es ermöglicht, freie Entscheidungen zu treffen. Niemand sollte sein Leben an der Seite eines Menschen verbringen müssen, mit dem man nicht mehr glücklich ist, nur aus Sorge vor den wirtschaftlichen Konsequenzen einer Trennung.

Woran liegt es, dass sich viele Frauen ungern mit ihren eigenen Finanzen auseinandersetzen?
Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist sicher, dass Frauenleben oft sehr ausgefüllt sind: Viele Frauen sind im Job, als Mütter und als Partnerinnen sehr engagiert, zusätzlich kümmern sie sich auch noch um anstrengende Schwiegermütter, Geschenke für die Kinderpartys, die Versammlung vom Elternverein, den Hund, den Hamster und das Kuchenbuffet in der Pfarre. Das sind sehr viele verschiedene Rollen und die Aufgabe, sich um seine privaten Finanzen zu kümmern, wird da oft hintangestellt. Das ist sehr sympathisch, aber kann finanziell eben fatale Konsequenzen haben. Dazu kommt auch noch, dass Finanzsprache sehr abschreckend wirkt, wenn man sich das erste Mal damit beschäftigt. Da fürchten viele, etwas falsch zu machen und lassen es lieber ganz bleiben.

»Geld, das gleich wieder weggebucht wird, vermisst man in der Regel nicht«

Der Großteil der Frauen verdient weniger als ihre männlichen Kollegen. Haben Sie Tipps für Frauen, die gleiches Gehalt beim Arbeitgeber einfordern wollen? Wie sollte man da vorgehen?
Gehaltsverhandlungen sollte man akribisch planen - wie eine Geheimagentin. Alle Informationen darüber, was andere in vergleichbarer Position verdienen, helfen natürlich. In den meisten Firmen wird unter Kollegen aber nicht offen über Gehälter gesprochen, da kann folgender Trick helfen: Bitten Sie Kollegen vertraulich um Rat und fragen Sie nach deren Einschätzung, was jemand in Ihrer Position verdienen sollte. Das gibt schon einen guten Anhaltspunkt. Im direkten Gespräch mit Vorgesetzten kann es oft helfen, die eigene Gefühlslage auszudrücken - weil man damit selbst sehr erfahrene Personaler noch überraschen kann und weil es darauf kein Gegenargument gibt. Was will man schon erwidern, wenn Sie sagen: "Es ist ein seltsames Gefühl für mich, wenn andere für die gleiche Leistung besser bezahlt werden als ich."?

Was ist Ihr persönlicher Spar-Tipp?
Am einfachsten ist es, einen bestimmten Prozentsatz von allen Einnahmen aufs Sparkonto zu überweisen - und zwar sofort, wenn das Geld kommt, nicht erst am Monatsende. Beim Gehalt geht das ganz leicht per Dauerauftrag. Geld, das gleich wieder weggebucht wird, vermisst man in der Regel nicht. Aber Geld, das da ist, wird immer ausgegeben.

Ausgaben einzusparen ist ein großes Thema in Ihrem Buch. Wie gelingt das im Alltag?
Einer der effektivsten Tricks lautet: zögern. Das gilt sowohl beim Online-Shopping -da kann man die Artikel einfach über Nacht im Warenkorb liegen lassen und am nächsten Tag nochmal kritisch auf die eigene Auswahl schauen. Das funktioniert aber auch im Geschäft: Schauen Sie nochmal in Ihren Einkaufskorb, bevor Sie zur Kassa gehen und fragen Sie sich, ob Sie das auch wirklich alles wollen. Fast immer schmeißt man irgendwas Unnötiges wieder raus. Zögern hilft, unüberlegte Impulskäufe zu vermeiden, oder in der Zeit wenigstens im Internet die Preise zu vergleichen.

Welche praktischen Spar-Tipps haben Sie für alle Frauen, die gerade keine Aussicht auf eine Gehaltserhöhung oder eine Gehaltsanpassung haben?
Man kann in fast jedem Bereich seine Ausgaben optimieren, oft ist es aber hilfreich, sich zunächst anzusehen, was man eigentlich schon besitzt. Kleidung oder Möbel können zum Beispiel mit ganz wenig Geld aufgewertet werden, wenn man die Knöpfe am Blazer oder Griffe und Möbelfüße an der alten Kommode austauscht. Auch beim Essen lässt sich einiges sparen, ohne auf Qualität verzichten zu müssen. Wer Spaß hat am Selbstkochen, einkochen oder einwecken, kann für wenig Geld tolle Dinge zaubern. Und im Internet gibt es viele Seiten wie mundraub.org, die verraten, wo man wildwachsendes Obst oder Gemüse kostenlos selbst ernten kann.

Welche Fehler machen Frauen im Bezug auf ihre eigenen Finanzen häufig?
Sich nicht mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, ist sicher der häufigste Fehler. Sehr verbreitet ist aber auch, zu arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden: Gerade nach der Geburt eines Kindes arbeiten viele Frauen formal nur noch Teilzeit -aber angetrieben von dem Wunsch, nicht den Anschluss zu verlieren, hängen Sie sich so rein, dass sie in Wahrheit die Leistung einer Vollzeitstelle erbringen. Hundert Prozent Arbeit bei nur 60 Prozent Gehalt, das sollte man unbedingt vermeiden. In so einem Fall lieber Vollzeit arbeiten und flexible Arbeitszeiten aushandeln, dann bleibt der Stress der gleiche, wird aber wenigstens angemessen bezahlt.

Was halten Sie von Finanz- Apps: Sinnvoll? Oder datenschutzrechtlich bedenklich?
Menschen, die viel Wert auf Datenschutz legen, sollten davon auf jeden Fall die Finger lassen, zumal viele regulatorische Fragen bei diesen Apps noch nicht geklärt sind. Für sehr chaotisch veranlagte Menschen können sie aber nützliche Helfer sein, um den Überblick über die eigenen Finanzen nicht zu verlieren.

»Geld, das man in seine körperliche und mentale Gesundheit steckt, ist immer gut investiert«

Die größten subtilen Geldfresser im Alltag ?
Alles, was konsumiert wird, ohne darüber nachzudenken. Der tägliche Stopp im Coffeeshop ist sicher ein Klassiker: Völlig in Ordnung, wenn man den Kaffee wirklich genießt, aber über den Monat gesehen unnötig teuer, wenn man ihn nur aus Gewohnheit runterstürzt. Was man unbedingt abstellen sollte: Kosten für nicht gekündigte Verträge und Abos: Sei es fürs Handy, für ungenützte Streamingdienste oder bezahlpflichtige Apps, die man gar nicht verwendet.

Die besten Wertanlagen Ihrer Meinung nach sind ?
Alle Investitionen in sich selbst, besonders in die eigene Bildung. Davon profitiert man persönlich wie beruflich und das wirkt sich positiv auf das Einkommen aus. Auch Geld, das man in seine körperliche und mentale Gesundheit steckt, ist immer gut investiert. Das ist mehr wert als die Renditen aus dem besten Aktienfonds der Welt.

Wie groß sollte der Finanzpolster sein, damit man sich um Wertanlagen in Form von Immobilien oder Aktien umschauen darf?
Bevor man sich mit Aktien oder Immobilien beschäftigt, sollte man eine Notreserve von zwei bis drei Nettogehältern monatlich gebildet haben und die wichtigsten Versicherungen wie eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Das ist wichtig, um für unvorhergesehene Ausgaben gerüstet zu sein oder -im Falle eines Schadens, den man anrichtet - nicht eine ruinös hohe Summe zahlen zu müssen.

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Ist das geschafft, kann man auch schon mit kleinen Beträgen wie 25 oder 50 Euro monatlich in einen Aktienfondssparplan investieren, das wäre ein guter Einstieg in den Aktienmarkt. Wertpapiere sind keineswegs nur etwas für Großverdiener.
Möchte man in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen, um selbst darin zu wohnen, sollte man das Geld dafür verfügbar halten. 20 bis 25 Prozent Eigenkapital mindestens sind sehr empfehlenswert, je mehr desto besser.

Stichwort Ordnung: Ihr ultimativer Tipp, um Ordnung in Rechnungen, Kontoauszüge und Co. zu bringen?
Ganz ehrlich: Schnaps. Wenn Sie auf einem riesigen Haufen ungeordneter Papiere sitzen, dann stellen Sie sich darauf ein, dass die nächsten zwei Stunden vielleicht nicht die angenehmsten Ihres Lebens werden. Aber es lohnt sich. Denn wenn man einmal ein System etabliert hat, ist das mit 15 Minuten Aufwand in der Woche problemlos aufrecht zu erhalten. Außerdem ist Übersicht der erste Schritt zur Verbesserung Ihrer finanziellen Situation -und meistens der wichtigste. Und wenn Sie den Papierhaufen einmal besiegt haben, dann trinken Sie den Schnaps. Den haben Sie dann nämlich wirklich verdient, denn Sie sind dann auf dem besten Weg zur finanziellen Unabhängigkeit.

ZUR PERSON

Angelika Slavik wurde 1982 in Wien geboren und war freie Journalistin bei der Tageszeitung "Der Standard". Später wechselte sie zum Wirtschaftsmagazin "Format"(heute "Trend"). Seit 2007 schreibt sie für die "Süddeutsche Zeitung" und ist seit 2015 als Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg tätig. Über sich selbst sagt Slavik, sie liebe das Chaos.

Meike Schreiber geboren 1975 in Karlsruhe. Schreiber war ab 2002 zehn Jahre Redakteurin bei der "Financial Times Deutschland". Heute arbeitet sie als Banken- Korrespondentin für die "Süddeutsche Zeitung" in Frankfurt. Die zweifache Mutter ist verheiratet und liebt Ordnung, Struktur und To-do-Listen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der News Ausgabe Nr. 44/2019

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