Erich Schumann ist tot: Miteigentümer der WAZ-Mediengruppe im Spital gestorben

Ältester Widersacher von "Krone"-Chef Hans Dichand

Erich Schumann ist tot: Miteigentümer der WAZ-Mediengruppe im Spital gestorben

Der Miteigentümer und Geschäftsführer der deutschen WAZ-Mediengruppe, Erich Schumann, ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren in einem Krankenhaus, wie ein Sprecher der Essener Mediengruppe der Nachrichtenagentur AP bestätigte. In Österreich ist die WAZ an "Kronen Zeitung" und "Kurier" beteiligt.

Der Jurist Schumann war seit 1978 Geschäftsführer und geschäftsführender Gesellschafter der WAZ-Mediengruppe. Er vertrat in der Unternehmensleitung zusammen mit Geschäftsführer Bodo Hombach die Familie Brost, die 50 Prozent der Anteile hält. Im Jahr 2002 erhielt Schumann die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster.

Dichands ältester Widersacher
Mit dem Erich Schumanns, des dienstältesten Geschäftsführers der WAZ-Mediengruppe, hat "Kronen Zeitungs"-Herausgeber Hans Dichand seinen ältesten Widersacher verloren. Schumann lieferte sich mit seinem um zehn Jahre älteren Kontrahenten seit Beginn des Konflikts um die "Kronen Zeitung" im Jahr 2001 ein intensives Duell um die Vormachtstellung in Österreichs auflagenstärkster Zeitung, samt gegenseitiger Beschuldigungen, Klagen und Schiedsgerichtsverfahren.

Unerbittliche Gefechte
Jahrelang versuchte die WAZ-Gruppe, die zu 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" beteiligt ist, sich von Dichand als Zeitungschef zu verabschieden. Legendär ist dabei etwa jener Auftritt in der "Zeit im Bild 2" im Jahr 2003, bei dem sich Schumann und Dichand ein unerbittliches Wortgefecht lieferten: "Wir sind der Meinung, dass in den Führungspositionen seine Zeit abgelaufen ist", wetterte Schumann gegen den "Kronen Zeitungs"-Senior und ergänzte: "Nicht nur weil er 82 Jahre alt ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass er die Zeitung nicht gut geführt hat."

Dichand, der schon damals "keine Lust" verspürte, aufzuhören, konterte: "Ich bin endlich - ist er nicht endlich, muss ich da fragen". Es sei nicht die WAZ-Gruppe mit der der Konflikt tobe, sondern es sei ein Duell zwischen Schumann und Dichand, beschied der "Krone"-Chef. "Schumann will die Leitung der Redaktion an sich bringen", glaubte Dichand. Konkret soll Schumann damals angeboten haben, dass Dichands Sohn Christoph Chefredakteur werden könne, wenn der Senior als Hauptgeschäftsführer zurücktrete. Der dachte aber nicht daran und setzte seinen Junior dennoch als Chefredakteur ein. "Ich nehme diesen Kampf auf. Der Fehdehandschuh ist mir von diesem Dr. Schumann vor die Füße geworfen worden. Ich habe ihn aufgenommen und halte ihn fest", sagte Dichand damals.

Keine Lösung vor Gericht
Es folgten etliche Termine vor österreichischen und internationalen Richtern, die den Zank aber nicht schlichten konnten, sondern ihn im Gegenteil immer fester zementierten. Erst im Vorjahr gab es eine erneute Eskalation im Dauerstreit zwischen den Hälfteeigentümern der "Kronen Zeitung", als Dichand im Jänner den geschäftsführenden Chefredakteur und WAZ-Vertreter Michael Kuhn entließ. Obwohl die Kündigung im August vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht für ungültig erklärt worden war, wurde Kuhn der Zutritt zu seinem Arbeitsplatz weiter verwehrt.

Ruhigeres Geschäft in Deutschland
Ruhiger lief es für Schumann in Deutschland. Der gebürtige Franke hatte die WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) zusammen mit dem ebenfalls geschäftsführenden Gesellschafter Günther Grotkamp in den 80er und 90er Jahren eher still ausgebaut. Doch seit dem Jahrtausendwechsel ist es in der Öffentlichkeit lauter geworden. In den 90er Jahren machte Schumann als Vorsitzender der Deutschen Sporthilfe von sich reden. Später sorgte der Jurist und Sozialdemokrat, der als Anwalt Willy Brandt vertrat, mit seiner Spende an Altkanzler Helmut Kohl (CDU) für seinen Rauswurf aus der Partei. Für die Förderung des Sports und des Journalismus ehrte ihn der damalige Bundespräsident Johannes Rau mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse.

Als Manager wollte Schumann frischen Wind in die Investitions-Strategie bringen. Zusammen mit dem in die WAZ-Führung geholten Ex-Kanzleramtsminister Bodo Hombach (SPD) versuchte sich Schumann an einem Einstieg beim insolventen Kirch-Imperium. Zuerst sollten es die ProSiebenSat.1-Gruppe und der Rechtehandel sein, danach der 40-Prozent-Anteil Kirchs beim WAZ-Konkurrenten Springer. Beides scheiterte an Widerstand aus dem eigenen Haus. Das WAZ-Geschäftsmodell mit zwei Gesellschafter-Stämmen verlangt bei Zukäufen nach Einigkeit. Der Stamm des Mitbegründers Jakob Funke winkte ab, so dass den Geschäftsführern Schumann und Hombach vom Gesellschafter-Stamm Brost die Hände gebunden waren.

Stammgast bei österreichischen Events
Zur WAZ-Gruppe zählen heute über 500 Publikationen, darunter als Herzstück die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und 37 weitere Tageszeitungen in Europa mit einer Gesamt-Tagesauflage von über vier Millionen Exemplaren. In Österreich hält man neben der 50-Prozent-Beteiligung an der "Krone" noch 49,4 Prozent am "Kurier" und ist via Kurier-Gruppe bei der News-Gruppe an Bord. Von ihren TV-Aktivitäten hat sich die WAZ ganz zurückgezogen und ihren 7,4-Prozent-Anteil an der RTL Group 2005 an Bertelsmann verkauft. Trotz Stress mit dem Wiener "Kronen Zeitungs"-Partner Dichand war Schumann Österreich immer herzlich verbunden: Beim Opernball war er ebenso Stammgast wie bei den Salzburger Festspielen. In der Mozartstadt trat er auch als Sponsor eines Konzertzyklus des Mozarteums auf.

(apa/red)