Schwechat von

Kampf um Branchen-KV
bei Laudamotion

Laudamotion © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Die Betriebsversammlungen bei der Ryanair-Tochter Lauda haben eine Einigung gebracht: Nach dem Konflikt zwischen Management und Betriebsrat sind nun die drohenden Kündigungen vom Tisch.

Auch allfällige Kampfmaßnahmen sind derzeit kein Thema mehr: Belegschaftsvertretung und Unternehmen haben zu den strittigen Arbeitszeit- und Urlaubsfragen eine Einigung erzielt. Die Ryanair-Tochter hat nachgebessert, die 125 Piloten haben dem am Montag in Betriebsversammlungen mehrheitlich zugestimmt.

Gewerkschaft stimmt Vorschlägen zu

Lauda-Betriebsratsvorsitzender Sandro Mayer sprach am Montagabend von einem "akzeptablen Ergebnis", mit dem es gelinge, die Arbeitsplätze zu sichern. Das Unternehmen habe in zwei wesentlichen Punkten "nachgebessert" - der Frage einer einseitigen Vergabe des Urlaubs und zur sogenannten 850-Stunden-Regelung. Einerseits hatte die Ryanair-Tochter eine Regelung angepeilt, dass nach Erreichen des gesetzlichen Höchstlimits von 900 Flugstunden im Jahr Betroffene automatisch in den Urlaub geschickt werden können. Dazu habe man sich nun "auf ein anderes wording" verständigt, sagte Mayer. Zweitens wollte das Unternehmen mindestens 850 Flugstunden im Jahr verlangen, sonst hätte eine Reduzierung der monatlichen freien Tage von zehn auf sieben gedroht. Hier sei im Sinne eines internen operations manual nachgebessert worden, mit dem Resultat einer tragbaren Lösung.

30 Piloten drohten Kündigungen

Diese Nachbesserungen seien am Montag in den drei hintereinander abgehaltenen Betriebsversammlungen der Belegschaft vorgestellt worden - die Mehrheit der Piloten habe die sie betreffenden Punkte angenommen. Nun gehe man davon aus, dass das Unternehmen Wort halte und die im Raum stehenden 30 Kündigungen von Piloten vom Tisch seien, sagte Mayer. Der Betriebsrat habe nun das Placet, den entsprechenden Zusatz zum Lauda-Kollektivvertrag zu unterfertigen; der KV-Zusatz habe den Charakter einer Betriebsvereinbarung.

Zu Störungen des Flugbetriebs in Wien-Schwechat ist es am Montag durch die Betriebsversammlungen nicht gekommen, da diese gestaffelt organisiert waren, sagte eine Laudamotion-Sprecherin. Zu den offenen Fragen zwischen Unternehmen und Belegschaftsvertretung gebe es kein offizielles Statement.

Einheitlicher Branchen-KV gefordert

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hatte zuvor Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer einen Brief geschrieben, in dem er einen Branchen-KV fordert. Die in Wien ansässigen Airlines lieferten sich einen "erbitterten Preiskampf auf Kosten der Bordbelegschaften", sagte Hebenstreit laut einer Aussendung vom Montag. Ryanair verlangt von den Beschäftigten der Österreich-Tochter Laudamotion bis 14. August Zugeständnisse, um den Flugbetrieb profitabler zu machen. Andernfalls wurde damit gedroht, Piloten zu kündigen, billigere polnische Leihpiloten einzusetzen sowie ab Herbst eigene Ryanair-Flugzeuge in Wien zu stationieren. "Das Unternehmen droht unverhohlen damit, MitarbeiterInnen zu kündigen, wenn nicht seitens des Betriebsrates eindeutig gesetzeswidrige Forderungen des Managements akzeptiert werden", kritisierte der vida-Vorsitzende.

Die Wirtschaftskammer befürchtet, dass ein einheitlichen Kollektivvertrag ausländische Airlines zur Abwanderung aus Österreich veranlasst. Hebenstreit sieht das nicht so: "Es gibt auch andere Branchen im Verkehrsbereich, wie den Speditionsbereich oder Eisenbahnsektor, der grenzüberschreitend tätig ist, und trotzdem gibt es Kollektivverträge", sagte der Gewerkschafter im Ö1-Morgenjournal.

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