Bühne von

Caroline Peters:
"Echt jetzt, die Buhlschaft?"

Bühne - Caroline Peters:
"Echt jetzt, die Buhlschaft?" © Bild: APA/HANS PUNZ

Seit 15 Jahren ist Caroline Peters eine der zentralen Schauspielerpersönlichkeiten des Burgtheaters. Diesen Sommer wird sie in Salzburg die neue Buhlschaft an der Seite von "Jedermann" Tobias Moretti sein. News erreichte sie telefonisch, als die Festspiele ihren Namen noch geheim hielten

Dass sich die aufregende Valery Tscheplanowa im kommenden Sommer vom Domplatz zurückziehen würde, hatten die Festspiele schon bekannt gegeben. Wer aber würde Tobias Moretti in die Jubiläumssaison zum Hundertjahrjubiläum begleiten? News konnte die Personalie ermitteln und erreichte auch gleich das Telefonat: Caroline Peters ist die neue Buhlin.

Zwischen den Königinnenaufgaben, die sie seit 15 Jahren im Ensemble des Burgtheaters erfüllt, und der vielfach als bedeutungslos qualifizierten Buhlschaft liegen Theaterwelten. Caroline Peters, die mit Kapazundern wie Andrea Breth oder Simon Stone arbeitet, ist die Buhlschaft mehr. Weshalb, erklärt Sie im folgenden Gespräch.

Vor fast genau einem Jahr sagten Sie mir im Interview: "Nach oben hin ist alles offen." Haben Sie damals womöglich an die Buhlschaft gedacht?
Jede Schauspielerin denkt doch: Wäre es nicht toll, in Salzburg Prinzessin zu sein? Man fragt sich, was das für ein Phänomen ist. Man spielt als Frau doch auch anspruchsvollere Rollen, die nicht halb so viel Aufmerksamkeit erregen. Das ist schon seltsam. Aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen: Nach oben hin bleibt weiterhin alles offen. Es verändert sich doch auch ständig so viel. Dieses Gefühl, es geschafft zu haben, ist schwer zu erreichen. Es sei denn, man hat die Veranlagung dazu.

Wer ist die Buhlschaft für Sie?
Ich habe eher das Gefühl, dass das ein Amt ist, das jedes Jahr ausgefüllt werden muss -und das seit 100 Jahren. Von mir aus auch noch die nächsten 100 Jahre. Ich finde so eine Flaschenpost aus der Vergangenheit einfach toll. Da stellt man so eine Staffel her, die so durch die Zeiten wandelt und Jahrhunderte miteinander verbindet.

»Die Buhlschaft ist ein Amt, das jedes Jahr ausgefüllt werden muss«

Haben Sie sofort zugesagt, als Sie die Anfrage bekommen haben?
Ich war tatsächlich sehr überrascht, als mich Bettina Hering angerufen hat. Ich musste ein paar Tage darüber nachdenken, ob ich auch finde, dass ich dafür die Richtige bin. Dann dachte ich mir, wenn die Salzburger Festspiele das denken, warum soll ich das dann nicht so sehen. Ich war gerade am Weg zum Supermarkt. Dann stand ich vor jedem Regal und dachte: "Echt jetzt, die Buhlschaft?" Das war eigentlich ganz komisch. Denn das Ambiente passte so gar nicht dazu. Ein Supermarkt ist ja wahrlich kein glamouröser Ort. Wie das Leben halt so ist: zwischen Alltag und Glamour.

Der Glamour, der dieser Rolle anhaftet, ist nicht gering. Sie rücken damit auch ins Zentrum einer nicht nur künstlerischen Berichterstattung. Werden Sie sich dem Rummel stellen?
Ein bisschen. Das muss auch so sein. Und das sehe ich auch als Teil dieses Amtes an. Und dann muss man sich zwischendurch ein bisschen erholen. Das kann man ja so wunderbar in Salzburg, man fährt zwischendurch ein paar Tage an einen See oder in die Berge und steigt dann wieder frisch in den Zirkus ein.

Im kommenden Sommer steht auch noch das Jubiläum 100 Jahre Salzburger Festspiele, 100 Jahre "Jedermann" an. Erhöht das den Druck?
Diese 100 Jahre sind kein Druck. Es geht darum, diese Geschichte durch die Zeiten weiterzutransportieren. Allein sich das vorzustellen, finde ich sehr schön: das 100. Jahr.

Sie spielten anspruchsvollste, tragende Rollen. Die Buhlschaft ist eher das Gegenteil und wird auch noch zum Objekt reduziert.
Die einzige wirkliche Figur in diesem Stück ist doch der Jedermann. Die anderen sind Allegorien, Begegnungen, Auftritte. So richtige Rollen sind das ja alle nicht. Was gibt es denn im "Jedermann": die Bibel, die Buhlschaft, die Mutter, die Werke. Und die Buhlschaft steht für eine Art von Macht, die eine Frau im Leben eines Mannes haben kann. Man fragt sich, was die Liebe und die Erotik für eine Auswirkung auf ihn haben. Aber im Grunde sind alle Figuren Objekte, die um den Jedermann kreisen.

© APA/HANS PUNZ (v.l.), Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Schauspielerin Caroline Peters, Schauspiel-Leiterin Bettina Hering anl. einer PK der Salzburger Festspiele: "Jedermann und seine Buhlschaft 2020" am Donnerstag 07. November 2019 in Wien

Entspricht die Darstellerin von Jedermanns Buhlin nicht einem gewissen Schönheitsideal, wird ihr das übel genommen. Ihre Kollegin Stefanie Reinsperger wurde von der Presse aufs Ärgste gemobbt.
Ich finde es generell schlimm, wenn Frauen mit diesen Bodyshaming-Themen be-und verurteilt werden. Aber ich versuche, da drüberzustehen und mir eine große Klappe zuzulegen. Diese Haltung, dass eine Frau, die eine Kleidergröße über 32 hat, nicht vorzeigbar ist, ist unmöglich. Das macht einen ja noch mehr zum Objekt. Echte Frauen sehen eben nicht aus wie ein auf Jungengröße heruntergehungerter Teenager. Man will ja auch etwas darstellen, womit echte Frauen sich identifizieren können. In dieser Rolle wird man bestimmt einiges einstecken müssen, und ich hoffe, dass ich das lässig nehmen werde.

Über "die Frau als Objekt" geht es auch in Ihrem Stück "Theblondproject", das Sie für das Kasino des Burgthea- ters konzipiert haben. Sie spielen und erzählen darin von typischen Paradeblondinen wie Hitchcocks Muse Tippi Hedren. Dachten Sie dabei schon an die Buhlschaft?
Davon wusste ich damals noch nichts. Ich dachte mir nur aus, was manche Frauen erlebt haben müssen. Jetzt setze ich mich dem aus. Wahrscheinlich sollte ich noch ein "Blondproject" machen und meine Erfahrungen als Buhlschaft darin verarbeiten.

Sie erzählen in Ihrem Stück auch davon, wie Sie Feministin wurden. Sind Sie das im wirklichen Leben auch?
Man wird auf jeden Fall dazu, wenn es in Verhandlungen geht. Wie viel verdienen Frauen, wie viel Männer? Man wird im Berufsleben als Frau oft nicht so ernst genommen.

Gilt das auch für das Burgtheater? Sie erleben jetzt die vierte Direktion. Nach Nikolaus Bachler, Matthias Hartmann, Karin Bergmann ist nun Martin Kušej im Amt.
Ich meine jetzt nicht speziell das Burgtheater. Das ist mehr so ein generelles Phänomen. Am meisten fällt es mir auf bei der Arbeit fürs Fernsehen. Es wird mehr über die Rechte von Frauen gesprochen, aber ich habe mit viel weniger Frauen zu tun als früher. Als ich 2007 begonnen habe, die Serie "Mord mit Aussicht" zu drehen, gab es eine Intendantin, eine Programmchefin und eine Redakteurin für uns beim WDR sowie eine Producerin in der Produktionsfirma und eine Autorin. Alle meine Ansprechpartner waren Frauen. Es gab nur einen einzigen Mann in der Abteilung. Die aber sind fast alle über die Jahre verschwunden. Ich habe das Gefühl, dass man heute mehr über Chancengleichheit spricht, aber die Frauen verschwinden aus den Positionen. Es kommt mir so vor, als müsste man jetzt die Männer schützen. Es ist auch eigenartig, dass ich heute oft auf eine Szene angesprochen werde, wo ich als Kommissarin einen Mann in den Schwitzkasten nehme. Das haben wir 2007 gedreht. Heute finden das viele total ungewöhnlich.

Ist es eine Folge von Metoo, dass man Frauen heute meist als Opfer sieht?
Wahrscheinlich. Aber man müsste einmal prüfen, ob Frauen die gleichen Arbeitsbedingungen haben wie Männer. Aber gerade weil so viel darüber geredet wird, will das fast niemand mehr hören. Trotzdem muss mehr passieren. Denn es gibt doch auch Männer, die gern zu Hause bleiben wollen und dann dem Druck ausgesetzt sind, das sei unmännlich.

Kommen wir zum "Jedermann" zurück. Bei der Buhlschaft wird die Frage des Kleides meistens noch wichtiger genommen als diese Themen. Es ist fast ein Staatsereignis, was diese Figur trägt. Ist das nicht übertrieben?
Ich stelle mir vor, dass das so ähnlich ist wie bei den Royals in England. Da blicken auch alle auf das Kleid, das Kate oder Meghan tragen. Auch ich schaue mir Designerkleider an und frage mich, was man damit aussagen kann. Aber man kann es sowieso nicht jedem recht machen. Man kann nur das wählen, von dem man findet, dass es eine Buhlschaft im Jahr 2020 tragen sollte.

Was könnte das sein?
Ich schau mir sehr gerne die Roter-Teppich-Fotos von Cate Blanchett an. Die hat eine fantastische Art, sich glamourös zu kleiden. Das ist sehr weiblich, sie setzt aber damit auch immer ein Statement und zeigt nicht nur Ausschnitt und Haut. Auf so etwas Ähnliches hoffe ich. Wenn es vor allem sexy ist, wird das schnell langweilig. Valery Tscheplanowas Hosenanzug war eine Aussage. Sie war eine Art Rockstar. Aber am 7. November kann man noch nicht sagen, was man tragen wird.

Was ist Ihre nächste Rolle am Burgtheater?
Ich werde bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks "Schwarzwasser" dabei sein. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich ein großer Jelinek-Fan bin.

Und was ist mit Peter Handke? Freut es Sie, dass er den Nobelpreis bekommen hat?
Ich möchte mich eigentlich nicht einreihen in den Chor der Leute, die meinen, etwas über Handkes Nobelpreis sagen zu müssen. Ich freue mich auf Jelineks Text, deren Nobelpreis damals war auch sehr umstritten, das reicht mir.

Wie werden Sie damit umgehen, wenn man Sie künftig immer öfter als Buhlschaft sieht, auch wenn Sie starke Frauenfiguren wie Medea spielen?
Ich hoffe, cool.

ZUR PERSON

Caroline Peters wurde 1971 in Mainz als Tochter eines Psychiaters und einer Literaturwissenschaftlerin geboren. Sie spielte an der Schaubühne und der Volksbühne in Berlin und an den Schauspielhäusern von Hamburg und Zürich. Seit 2004 ist sie im Ensemble des Burgtheaters. Als Kommissarin in der Fernsehserie "Mord mit Aussicht" wurde sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Caroline Peters lebt in Wien.

Dieses Interview erschien ursprünglich in der Printausgabe von News (45/2019)

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Emma24

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