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Kriegsrat bei der AUA

Betriebsversammlung des Bordpersonals: Piloten geben sich verhandlungsbereit

Austrian Airlines - Kriegsrat bei der AUA
© Bild: APA/Hochmuth

Keine neuen Streikdrohungen, stattdessen ein Plädoyer für neue Verhandlungen: So ließ sich eine mit Spannung erwartete Betriebsversammlung der AUA-Piloten und Flugbegleiterinnen am Montag zusammenfassen. Die AUA-Bord-Leute wollen den mit schlechteren Konditionen verbundenen Betriebsübergang von "Austrian" auf "Tyrolean" nicht, jedenfalls nicht so wie ihn das AUA-Management betreibt. Man sei aber bereit zu verhandeln, unter welchen Voraussetzung man sich eine Zusammenführung der Betriebe vorstellen kann. Das verlautete in der Versammlung, die am Vormittag zu etlichen verspäteten Abflügen am Flughafen Wien-Schwechat führte. Kurz nach 13 Uhr wurde der Normalbetrieb wieder aufgenommen

Vorstellbar wäre für die Arbeitnehmervertretung ein Konzern-KV für alle. Für Piloten und Stewardessen werden zudem umfassende Sozialpläne gefordert, in denen ein "Übervorteilungsschutz" festgeschrieben werden müsse, hieß es. Die AUA-Spitze hat Ende voriger Woche den Betriebsübergang freilich überlebenswichtig genannt. Der eine oder andere Pilot fürchtet, dass die AUA überhaupt für "Sandkistenspiele" im Lufthansa-Konzern missbraucht wird - um auszuloten, "was so alles reingeht". "Das ist dann nicht mehr unser Unternehmen", meinte ein Pilot. Einer anderer sprach von "monatelangem Psychoterror" und "menschlichen Kollateralschäden".

Betriebsübergang kostet 160 Mio. Euro
AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard und der Anwalt der Piloten, Roland Gerlach, bezifferten die Kosten der Auslagerung des Flugbetriebs, so wie ihn der AUA-Vorstand will, mit 160 Mio. Euro. Die Summe sei im Aufsichtsrat zur Sprache gekommen. Sie umfasse Abfertigungen für ausscheidende AUA-Piloten, weitere Folgekosten und Erlöseinbußen.

Der Betriebsrats-Anwalt riet den Piloten und Flugbegleiterinnen, in den nächsten Wochen und Monaten auf keine Unterschriftsangebote des Managements einzugehen. Bei allen drei Möglichkeiten der Reaktion auf die umstrittene Auslagerung - Betriebsübergang mit anschließender juristischer Auseinandersetzung, Austritt über Sonderkündigungsrecht oder Widerspruch mit Verbleib im Dienstverhältnis der AUA AG - sind in den Augen des Juristen keine individuellen Unterschriften von AUA-Bord-Beschäftigten nötig. Überall ergäben sich die Rechtsfolgen durch Gesetz.

Klagen stehen bevor
Die Gewerkschaft und der Betriebsrat wollen in jedem Fall rechtliche Schritte einleiten. Erste Feststellungsklagen drohen, sobald der Übergang vom Vorstand eingeleitet ist. Das kann in ein bis zwei Tagen sein. Einen Anlass für individuelle Klagen sieht die Pilotenvertretung bisher nicht.

Nach Meinung der Betriebsräte gilt für die AUA-Bordcrews trotz der KV-Kündigung durch den Vorstand der AUA-Kollektivvertrag auch über Ende Juni hinaus nach. Dagegen sieht der Vorstand die AUA-Piloten ab Sommer im "KV-freien" Raum. Vorsichtshalber wurde heute in der Betriebsversammlung vor den rund tausend Teilnehmern gewarnt, dass eine rechtliche Eskalation in dem Streit auch gegen die Betroffenen ausgehen kann: Selbst wenn Mitarbeiter tausendmal recht hätten, könnten Höchstrichter eher der Auffassung des Unternehmens zuneigen, wenn dort mit der Insolvenz-Karte gewunken würde.

Wenig Trost aus der Schweiz
Wenig Trost spendete auch ein zur Veranstaltung geladener Swiss-Pilot. Die Schweizer Belegschaft hat auch ihre bitteren Erfahrungen mit Betriebsübergängen gemacht, allerdings war die Swissair damals pleite. Er wolle den Juristen in Österreich ja nicht in den Rücken fallen, versicherte der Schweizer Pilot, aber von jenen Piloten, die damals in der Schweiz geklagt hätten, gehe es heute allen schlechter.

Minhard spricht von einem "juristischen Super-Gau", den die ganze Verlagerung bei der AUA nach sich ziehen könnte. Operativ rechnet er weiter mit dem Abgang von 200 bis 300 Austrian-Piloten. Würden alle rund 300 Piloten nach dem für das Unternehmen besonders teuren AUA-KV alt gehen, würde sofort ein dreistelliger Millionenbetrag an Abfertigungen fällig.

Grauer statt weißer Rauch
Vorigen Dienstag um zwei Uhr früh endete eine bisher letzte Verhandlungsrunde mit dem Management, wie heute weiter bekannt wurde. Abgebrochen wurden die Verhandlungen nicht, sagte Minhard heute vor Journalisten. Es sei kein weißer und kein schwarzer Rauch aufgestiegen, er sei grau gewesen. Der Bord-Betriebsrat will heute wieder mit dem Management in Kontakt für weitere Verhandlungen treten: "Recht viel weiter kann man die Hosen nicht runterlassen, ohne das Gesicht zu verlieren."

Man werde sich jedenfalls nicht mit den Tyrolean-Kollegen auseinanderdividieren lassen, versicherte der AUA-Betriebsrat. Das habe schon in der Vergangenheit nicht funktioniert. Bei allen Lösungen muss Minhard zufolge das Karriere- und Kündigungsreglement (Senioritätsprinzip) weiter gelten. Selbst wenn Tyolean-Piloten jetzt ab Mai auf A-320-Flugzeuge der AUA umgeschult werden, müssten sie sich "hinten einreihen". Schon dabei dürften "keine Senioritätslisten aufgeweicht" werden.

Für die AUA-Bordbeschäftigten heißt ein Übergang auf Tyrolean, flexibler zu arbeiten und länger zu fliegen. Die AUA-Pilotengehälter würden eingefroren, automatische Vorrückungen und Pensionsprivilegien fallen weg. Es entfällt auch jene Klausel, wonach Flieger mit bis zu 110 Sitzen von Tyrolean betrieben werden müssen, die größeren Geräte aber von der AUA.

Kommentare

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Wenn die Piloten einschl.des Bordpersonals weiterfliegen wollen, wird nichts anderes übrig bleiben, als Federn zu lassen. Die AUA hatte früher einmal Gewinne - da gab es die marktvernichtenden Kampfpreise (Flugpreise), nur um Fluggäste zu ködern, nicht. Die Flugtaxen müssten mindestens kostendeckend , darunter kann es nur wettbewerbsverzerrend sein.
Weiters denke ich mir, dass es nicht notwendig ist auf Europaflügen ein Bordservice anzubieten....

Oliver-Berg
Oliver-Berg melden

Re: Wenn die Piloten einschl.des Bordpersonals Endlich passiert was. Die AUA wurde mit dem Brautgeschenk von EUR 470 Mio an die Lufthansa verschenkt. Nun geht die Lufthansa daran nach mehr als zwei Jahren, ein Jahr durfte sie ja wegen dem § 5 AVRAG in keine Verträge und Pensionsregelungen eingreifen, den überzogenen Gehaltsauswüchsen und Sonderregelungen (39 Monate Abfertigungsgehälter bei Piloten) den Garaus zu machen. Ich empfehle falls die Gewerkschaft streikt die Flugrechte, die Flugzeuge und sonstigen AKTIVA an die Tyrolean per Abspaltung zu übertragen und dann den Rest still zu liquidieren. Falls das Vermögen leider nicht ausreicht, können sich die Piloten ja aus dem Entgeltfortzahlungssicherungsfonds befriedigen. Das dann die Betriebsräte auch hopps gehen, ist der angenehme Nebeneffekt des Nützlichen.

Wann Checken die es......... was will ein Pilot machen, der nicht bei einer anderen Airline unterkommt??? Durch seine Ausbildung zum Schwerverdiener hat er in der Privatwirtschaft so oder so ganz schlechte Karten oder glauben die ernsthaft, dass sie nachher genau so viel verdienen wie bei der AUA????? Wenn die Airline baden geht sitzen alle auf der Strasse, und wenn man nun einen Teil der Gage hergibt und vielleicht etwas weniger verdient aber einen Job hat, sollte man von seinem Hohen Ross runtersteigen und nicht mit der Nase an der Decke durch die Gegend rennen..... Und die Fliegenden Kellnerinnen sollten sich auch nicht so aufspielen.......

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AU weh! Herr Minhardt ist der typische ÖGB Vertreter! Er malt den teufel an die Wand und ist selbst der Belzebub.Man kann nicht immer nur verlangen, denn der Markt für Piloten ist nicht so gross. Doch das Angebot an fliegrischem personal ist enorm.Die Cabincrew sollte sich besser in acht nehmen, denn die Qualifikationen sind nicht mehr so hoch wie noch vor 20 Jahren. Auf den europäischen Flügen braucht man heute keine 3 Fremdsprachen und auch keine Ausbildung in der Hotelfachschule. Für was wollen denn dann diese Leute hohe Gehälter? Es gibt sicher Linien und auch Klassen wo Qualifikation gefragt und auch bezahlt wird, aber doch nicht wnn man 5x am Tag nach Frankfurt fliegt.Die zeiten der Träumerereien einer Stewardess sind leider schon lange vorbei.Dank der Gerkschaft!!!

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Re: AU weh! Wieso dank der Gewerkschaft???? Als ein Ticket nach NewYork noch fast unbezahlbar war und der Beruf der Stewardess (heute Flugbegleiterin) und der Piloten noch wirklich arbeit war verstehe ich die Bessere Bezahlung. Nur wenn man Tickets für Jedermann hergibt und den Piloten und Flugbegleiterinnen horende Endgelte zahlt für das das sie Dir ein Brot und einen Becher Wasser einschenken und die Piloten nach dem TakeOff den Autopiloten einschalten und nur noch Überwachen ob der Flieger alles so macht wie er soll, wundert es mich nicht das diese Firma irgend wann implodiert..... Und den Technikern nimmt man selbst die Freude an der Arbeit noch weg...

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Re: AU weh! RE Bimi181: Wieso dank der Gewerkschaft? Das ist doch leicht erklärbar: Der ÖGB hat von Haus immer wieder auf die Ausbildung hingewiesen,sie ist zu teuer, man kann das alles mit einfacheren Methoden machen. Bei den Stewardessen wurden die verpflichteten Fremdsprachenkenntnisse aus dem KV gestrichen usw. Doch anstelle mit den niedereren Ansprüchen auch die Gehälter geringer zu halten, wurde immer mehr verlangt. Das ging bis zum Streik. Wer sollte nun diesen Schaden abdecken? Die Tickets wurden billiger, das Service schlechter . Für Piloten Abfertigung bis zu 38 Monatsgehälter!!! Im Schnitt verdient jeder Pilot €10.000.- brutto bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden monatlich!! Das kann nicht zusammen passen.Die Gewerkschaft hat keine Jobs zu vergeben, auch nicht für Herr Minhardt.

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