ATTAC Hungary von

Ungarn in Armut

Rate liegt bei unglaublichen 40 Prozent - damit ist fast jede zweite Person betroffen

ATTAC Hungary - Ungarn in Armut © Bild: APA/Troescher

Tragische Enthüllungen über unseren Nachbar: Beinahe jeder zweite Ungar lebe in Armut, hat Matyas Benyik, Ökonom und Vorsitzender von "ATTAC Hungary" bei einer Veranstaltung in Wien erklärt.

Nach seinen Angaben liege die reale Armutsrate in Ungarn bei etwa 40 Prozent, damit seien etwa vier Millionen Ungarn betroffen. Laut EU-Statistiken vom Februar liegt die Armutsgefährdung in Ungarn bei 12,3 Prozent, in Österreich liegt sie im Vergleich dazu laut EU bei 12,1 Prozent. Zur politischen Situation in Ungarn meinte Aron Tanos, Vorsitzender der Jugendliga der neuen gewerkschaftlichen Bewegung "Szolidaritas", die rechtsradikale Partei Jobbik könnte bei Wahlen eines Tages auch die Stimmenmehrheit erlangen.

"Gehirnwäsche"
Jobbik habe einen Weg gefunden, junge Menschen etwa im Alter von 18 bis 20 Jahren anzuziehen. Diese "Kinder" würden einer "Gehirnwäsche" unterzogen und seien die Wähler der Partei mit paramilitärischen Verbindungen bei der kommenden Wahl, so Tanos. Generell sprach der Aktivist von der Gefahr einer "verlorenen Generation". Die Universitätsausbildung sei teurer geworden, weshalb weniger Menschen sie finanzieren könnten und es nun Zehntausende Studierende weniger als früher gebe. Positiv hob Tanos hervor, dass sich die Ungarn nach dem Beschluss des neuen Mediengesetzes erstmals über das soziale Online-Netzwerk Facebook organisiert hätten, was zu großen Demonstrationen und neuen Bewegungen geführt habe.

EU und internationale Kräfte als "Feinde"
Premier Viktor Orban gelinge es, die EU und internationale Kräfte gegenüber der ungarischen Bevölkerung als "Feinde" darzustellen, viele Leute würden ihm das glauben, sagte Gabor Scheiring, Abgeordneter der Grün-Partei LMP. In Ungarn fehle eine linksgerichtete Gruppierung sowie eine demokratische Bewegung "von unten". Die breite Öffentlichkeit kümmere sich kaum um Menschenrechte. Zugleich meinte der Politiker, die Regierungspartei Fidesz sei zwar im Moment am populärsten, doch habe sie sich "verkalkuliert". Als EU-Mitglied müsse sie sich an bestimmte Vorgaben halten und auch die neue Facebook-Bewegung sei zu beachten. Die Bedingungen des IWF könne Orban ebenfalls nicht missachten.

Ader besser als Schmitt
Der für die Präsidentschaft in Ungarn nominierte Janos Ader, Fidesz-Gründungsmitglied, sei von Orban nominiert worden, weil er die "Mission von Fidesz" kenne, so Scheiring weiter. Nach Brüssel sei er zuvor als Abgeordneter wegen Konflikten mit Orban entsandt worden. Ader werde jedoch nach Meinung des Politikwissenschaftlers ein besserer Präsident sein als Pal Schmitt, der wegen einer Plagiatsaffäre rund um seine Doktorarbeit zurückgetreten war. Die ungarische Opposition will die Wahl des neuen Staatspräsidenten, die voraussichtlich am 2. Mai im Parlament stattfinden soll, großteils boykottieren.

Situation um Pensionisten und Kinder schlecht
Vera Zalka, Vorsitzende der "Foundation for the Hungarian Social Forum Movements", sprach zwei soziale Hauptprobleme der ungarischen Gesellschaft an. Demnach sei die Situation der Pensionisten und Kinder im Land sehr schlecht. Zudem stünde in zwei bis drei Jahren die Pensionierung der Baby-Boom-Generation der 1950er Jahre bevor, die Anhebung des Pensionsantrittsalters stehe im Raum. Weiters seien viele Ungarn gezwungen für Mindestlöhne zu arbeiten. Viele Leute hätten keine Hoffnung in die Wirtschaft mehr und sehen das Ende des Tunnels nicht mehr, so Zalka.