Alfred Mensdorff-Pouilly von

Prozess-Start für "Graf Ali"

Verdacht der Geldwäsche, falschen Zeugenaussage und Fälschung von Beweismaterial

Alfred MEnsdorff Pouilly im Zeugenstand © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Wenn sich Graf Mensdorff-Pouilly ab heute am Wiener Straflandesgericht verteidigen muss, so ist das für ihn keine ungewohnte Situation. Bereits 1993 geriet „Graf Ali“ wie ihn Freunde angeblich nennen, zum ersten Mal in Schwierigkeiten. Damals wurde er freigesprochen und auch 2009 wurde er aus britischer U-Haft wieder entlassen. Bisher konnte sich kein Verdacht ausreichend erhärten, um ihn zu verurteilen. Doch nun droht ihm eine ganze Reihe von Verfahren.

1993 sprach der damalige ÖVP-Wehrsprecher Hermann Kraft den SPÖ-Sekretär Peter Marizzi wegen des Kaufs von Rüstungsgütern von British Aerospace an,. Im Fall eines Kaufs würde für ÖVP und SPÖ einiges an „Provision“ abfallen. Marizzi ließ ein Tonband mitlaufen, Kraft wurde verurteilt. Derjenige der laut Tonband den Deal eingefädelt hat, Graf Mensdorff-Pouilly, ging jedoch straffrei aus.

Damals war der Graf erst 40 Jahre alt und bereits mit Maria Rauch-Kallat liiert. Die damalige Bundesministerin für Umwelt, Jugend und Familie hatte er 1994 geehelicht. Ansonsten ist es lange ruhig gewesen um den Grafen, der offiziell als Großgrundbesitzer und Forstwirt tätig ist und die Beschäftigung als Landwirt auch schon vor Gericht als Berufsbezeichnung angab. Daneben ist er aber jedenfalls auch als Lobbyist tätig. Ob dabei immer alles mit rechten Dingen zugeht oder zugegangen ist, wird von den Gerichten zu prüfen sein.

Verhaftung in London

Nun stehen dem Grafen möglicherweise gleich mehrere Verfahren ins Haus. 2010 ging ja noch alles gut für ihn aus. Er wurde vor bald drei Jahren am 29. Jänner in London verhaftet und vernommen. Es standen Bestechungsvorwürfe in Zusammenhang mit zahlreichen Waffengeschäften für British Aerospace (BAE), den größten Waffenhersteller Großbritanniens und dasselbe Unternehmen für das Mensdorff auch schon 1993 tätig gewesen sein soll, im Raum. Doch dann war alles sehr schnell wieder vorbei. BAE gab einige der Vorwürfe zu und bezahlte unglaubliche 280 Millionen Pfund an Strafe. Gemutmaßt wurde damals, dass in Großbritannien kein besonderes Interesse bestand, den größten Rüstungskonzern des Landes in gröbere Schwierigkeiten zu bringen.

Für Mensdorff war dieses Erlebnis jedenfalls nicht unbedingt von Nachteil. Für ihn bedeutete der Deal eine Haftentlassung und später sogar unglaubliche 430.000 Euro an Haftentschädigung. Viel Geld für einen „kleinen“ Landwirt aus dem Burgenland.

Verfahren in Wien geht weiter

In Wien allerdings ermittelte die Staatsanwaltschaft trotzdem weiter. Dort war er schon 2009 einige Zeit in derselben Causa in U-Haft genommen und erst gegen Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Nun muss er sich in der Causa in Wien vor Gericht verantworten. Mensdorff und ein Mitarbeiter sollen Millionen verwendet haben, um in Zentral- und Osteuropa diverse Waffengeschäfte in Gang zu setzen, so der Vorwurf. Mensdorff soll im Zuge dessen etwa 12 Millionen Euro eingesetzt haben, um in Tschechien, Ungarn und für einen Großteil des Geldes in Österreich tätig zu werden. In Österreich ging es um den Kauf der Eurofighter. Am EADS-Konsortium, das die Jets herstellt, ist BAE beteiligt, weshalb sich die Staatsanwaltschaft nun weitere Informationen über den Ablauf des Rüstungsdeals aus dem Verfahren erhofft.

Keine Anklage wegen Bestechung

Allerdings lässt sich heute laut „profil“ kaum mehr herausfinden, wo das Geld letztlich landete. Der Vorwurf der Bestechung ist deshalb nicht Teil der Anklageschrift. Es geht „nur“ um den leichter nachzuweisenden Verdacht der Geldwäsche und falschen Zeugenaussagen vor zwei parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, sowie Fälschung von Beweismaterial. Verhandelt wird an insgesamt zehn Tagen. Sollte nichts Unerwartetes dazwischenkommen, wird es am 17. Jänner 2013 ein Urteil geben.

Doch wie der „Kurier“ berichtet, könnte der Graf, der mit vollständigem Namen Alfons Eduard Alexander Antonius Maria Andreas Hubertus Christoph (Graf von) Mensdorff-Pouilly heißt, vom Verschwinden und Versterben von Zeugen profitieren.

Weiteres Verfahren

Der angebliche Mensdorff-Intimus, der ehemalige Geheimagent und Waffenlobbyist James Landon, der Mensdorff einst an BAE vermittelte, verstarb 2007 an Lungenkrebs. Auch der ehemalige Brigadier Josef Bernecker ist nicht mehr befragbar. Dieser hat für Mensdorff Artikel zusammengestellt, die BAE verrechnet wurden - der Verdacht von Scheinrechnungen steht im Raum. Auch Landons Vermögensverwalter ist nicht befragbar. Laut „Kurier“ im Oman verschwunden und kann nicht geladen werden. Bleiben noch die anderen beschuldigten BAE-Manager, bei denen ebenfalls eher nicht mit einer erfolgreichen Ladung zu rechnen ist.

Sollte dem Grafen aber auch diesmal nichts nachzuweisen sein, so ist die Sache dennoch noch nicht für ihn gelaufen. Auch in der Affäre um die Vergabe des Blaulichtfunks an Motorolla während der Amtszeit von Innenminister Strasser wird noch gegen Mensdorff ermittelt. Er soll damals als Lobbyist für das Unternehmen tätig gewesen sein. Die Vorwürfe dabei sind ähnliche wie in der jetzigen Causa.

Kommentare

Es ist echt ein Wahnsinn!!!!!!!!
Wann wird denn entlich dieser kriminelle samt seinen Gefolge eingesperrt?
der verarscht ja die halbe Welt!!!

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