20 Jahre EU-Beitritt von

Beitritt hat sich für
Österreich gelohnt

Versprochener "Ederer-Tausender" laut Ökonomen bei weitem übertroffen

EU-Flagge © Bild: Thinkstock

Für Österreich hat sich der EU-Beitritt und damit die Erschließung eines riesigen Binnenmarktes gelohnt. Zu diesem Schluss kommt der Ökonom Fritz Breuss aufgrund seiner Berechnungen. Der "Ederer-Tausender" - eigentlich ein Schilling-Betrag - ist seiner Meinung nach "locker" ein Euro-Tausender.

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Kumuliert über die 20 Jahre seit dem Beitritt 1995 steigerte sich das BIP in Österreich um 12,7 Prozent oder jährlich knapp 0,6 Prozent. Auch die Beschäftigungseffekte waren positiv: Pro Jahr wurden um 0,3 Prozent oder 12.000 Personen mehr beschäftigt. Die Arbeitslosenrate sank dazu leicht um knapp 1 Prozentpunkt. Bei der Außenhandelsbilanz gebe es ein leichtes Minus (-0,5 Prozent des BIP), beim Budgetsaldo jedoch ein leichtes Plus, "weil wir mehr Wachstum und Steuereinnahmen hatten", das Budget wurde dadurch etwas entlastet, erklärte Breuss mit Verweis auf sein WIFO-Working Paper "A Prototype Model of European Integration: The Case of Austria".

Der EU-Beitritt brachte mehr Wettbewerb und dadurch ein stärkeres Produktivitätswachstum. Den freien Zugang zum großen Binnenmarkt vor allem auf dem Agrarsektor wertet der Ökonom ebenfalls positiv: "Früher musste man für jedes einzelne Produkt eine Quote aushandeln."

EU-Skepsis "ein Rätsel"

Warum in der Bevölkerung trotz dieser positiven Daten gegenüber der EU große Skepsis herrscht, ist Breuss "ein Rätsel", schließlich seien auch die Preise gesunken. Das Versprechen der damaligen EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer (SPÖ) - jede Familie würde sich im Jahr tausend Schilling sparen - sei jedenfalls erfüllt worden, so der Ökonom: "Wir haben locker einen Ederer-Tausender in Euro gewonnen."

Die Veränderung Österreichs seit dem EU-Beitritt lässt sich anhand mehrere Wohlstandsindikatoren beobachten. Laut Daten der Statistik Austria hat sich etwa das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in Österreich in den vergangenen 20 Jahren rasant entwickelt. 1995 standen jedem Einwohner statistisch 13.900 Euro an Einkommen zur Verfügung, 2011 waren es 20.900 Euro. Das Burgenland konnte sich vom letzten Platz weiterentwickeln: 1995 belief sich das verfügbare Einkommen je Einwohner auf 12.600, 2011 waren es 20.500 Euro.

Armes Kärnten, reiches Niederösterreich

Das Schlusslicht ist Kärnten mit 20.100 Euro. Das höchste verfügbare Einkommen haben die Niederösterreicher (21.700 Euro) und die Salzburger (21.300 Euro), sie überholten Wien (21.000 Euro). 1995 lag die Bundeshauptstadt noch auf dem ersten Platz mit damals 16.000 Euro an verfügbarem Einkommen je Einwohner.

Im gleichen Zeitraum ist auch die Erwerbstätigenquote gestiegen. 1994, im Jahr vor dem EU-Beitritt belief sich diese bei den 15- bis 64-Jährigen auf 68,4 Prozent. Bei den Männern betrug die Quote in dieser Gruppe 78,0 Prozent, bei den Frauen 58,9 Prozent. Über die Jahre stieg sie in etwa kontinuierlich an, um 2006 die 70 Prozent zu überschreiten. 2013 belief sich die Erwerbstätigenquote auf 72,3 Prozent. Unter den 15- bis 64-jährigen Männern gingen zuletzt 77,1 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, bei den Frauen waren es 67,6 Prozent. Die 60 Prozent überschritten die Frauen erstmals 2002.

Einkommensdifferenz konstant

Die Nettojahreseinkommen unselbstständig Erwerbstätiger entwickelten sich in den vergangenen Jahren nach oben: 1997 betrug dieses im Schnitt 14.579 Euro, 2012 waren es 18.842 Euro. Dynamischer entwickelte sich das Nettojahreseinkommen bei den Männern. Während Frauen 1995 auf 11.281 Euro und Männer auf 16.899 Euro kamen, betrug es bei Frauen 2012 15.221 Euro, bei Männern hingegen 22.374 Euro. Die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern blieb beim Nettojahreseinkommen unselbstständig Erwerbstätiger nahezu konstant bei rund einem Drittel. Ausgehend von 33,2 Prozent 1997 über 34,6 Prozent 2003, belief sich der Unterschied zuletzt auf 32,0 Prozent.

Quoten lassen sich auch bei der Kinderbetreuung vergleichen. Österreichweit waren 1995 4,6 Prozent der Null- bis Zweijährigen in einer Betreuungseinrichtung, im Jahr 2012 belief sich dieser Wert auf 20,8 Prozent. Auch bei den Drei- bis Fünfjährigen ist die Kinderbetreuungsquote gestiegen von 70,6 Prozent im Jahr des EU-Beitritts auf 90,6 Prozent 2012. Im Schuljahr 1994/95 gab es österreichweit 4.270 Kindergärten, 2012/13 waren es 4.668. Die Zahl der betreuten Kinder stieg in diesem Zeitraum leicht von 204.814 auf 209.615.

Kommentare

Tom78

Der Ederer Tausender! des is so weit verfehlt das es schon wieder zum lachen ist :D :D :D oder vielleicht mach ich irgendwas komplett falsch

strizzi1949
strizzi1949 melden

In welcher Welt lebt dieser Ökonom? Sicherlich nicht in dieser! Vielleicht sollte man ihn einmal psychiatrieren lassen, denn soviel Unsinn auf einmal hab ich selten gelesen!
Seit dem EU-Beitritt sind die Lebenshaltungskosten und die Mietnebenkosten exorbitant gestiegen, die Gehälter aber kaum! Da klafft eine gehörige Schere auseinander!

christian95 melden

Das kommt darauf an. Wenn ein Bundespräsident nun im Monat € 400.- Gehaltserhöhung bekommt dann wird er nie vom "sinkenden Lebenshaltungskosten" reden. "Das ist gerechter sagen uns immer wieder SPÖ Funktionäre. Früher waren es Adelige, heute sind es ein Heer von Politiker und Parteigünstlingen in Verwaltung und staatsnahen Betrieben die es sich auf Kosten des Volkes gut gehen lassen.

mawi67 melden

Ich suche den Tausender schon seit 20 Jahren, kann ihn aber nicht finden: hat ihn Frau Ederer?

christian95 melden

Dieser 1.000 galt doch nicht für jeden!
Die Bonzen in Brüssel und unsere Politiker mit ihren Parteigünstlingen in Verwaltung und staatsnahen Betrieben werden immer reicher. Das Heer der Arbeitslosen immer größer, das Volk immer ärmer!

Vor dem EU Beitritt wurde unser Steuergeld im eigenen Land investiert und damit Wohlstand und Arbeitsplätze geschaffen. Heute wandert es nach Brüssel zu den Schuldenländern oder auf dem Balkan (Hypo)
Das Heer ist kaputt, Polizeistationen werden geschlossen, Schulen können oftmals nicht saniert werden, unser Pensionssystem liegt danieder, Rekordarbeitslosigkeit und Rekordstaatsschulden....

Tom78

Fakt ist das durch das Projekt EU noch mehr Korruption und noch viel schlechtere Umverteilung guten Nährboden gefunden haben und die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander geht...Paradebeispiel : USA

Tom78

nur ein Beispiel zu nennen. und das mit der Kinderbetreuung, da sollten eigentlich sowieso bei jedem mit gesundem Menschenverstand die Alarmglocken läuten!

Tom78

der Herr Breuss lebt glaube ich nicht ganz in der Realität! wäre das Jahreseinkommen im gleichen Verhältnis zu den Lebenserhaltungskosten gestiegen, so müssten die Zahlen noch ordentlich in die höhe klettern! natürlich kann sich heute jeder ein Fernsehgerät leisten weil der fast gleich viel kostet wie ein voller Einkaufswagen im Lebensmittelgeschäft...fragt sich nur wo wir hier gewonnen haben um

higgs70

Herrn Breuss ist also über die EU-Skepsis erstaunt und ich muss sagen sein Erstaunen erstaunt mich wieder.
EU und Euro sind unter dem Wahn vom Primat des Ökonomischen und der Schönheit von Vereinheitlichung entstanden und werden bis heute in diesen Limitationen diskutiert ( siehe oben) und zwar deshalb, weil die Gründung der EU (EWG) unter der Prämisse geschah, dass Wirtschaft das primäre System einer Gesellschaft sei.
Das ist falsch und eine der großen Lügen der Moderne. Wirtschaft war als zwar notwendiger Faktor die meiste Zeit der historischen Entwicklung der Menschheit den anderen Lebensbereichen nachgeordnet. Wer wirtschaftliche Entscheidungen gnadenlos prioritär setzt, demoliert alles andere, von der Umwelt bis zum Menschen. Denn drängende Probleme der Lebenswelt bestehen nunmal nicht nicht nur aus freiem Warenverkehr und lokale Traditionen haben auch eine Auswirkung auf den Wirtschaftsbereich. Und weil ein paar Konzerene ihre Fischstäbchen billiger transportieren wollten, haben beispielsweise die europäischen Studenten überall denselben Bolognaschmarrn und Monsanto hat den Fuß auch bei uns schon in der Tür.

Und so meinen manche Menschen halt, dass kleine Einheiten ihre kleinen Probleme vor Ort lösen können, was erst die Definition einer Demokratie erfüllt, weil die Betroffenen abstimmen und nicht weltweit Hinz und Kunz. Und weil Mitbestimmung nicht nur diktatorisch verloren gehen kann sondern auch in der Masse verschwinden. Und manche Menschen meinen auch, dass wenn Modulbauweise keine Vorteile hätte, wir riesige Einzeller wären, aber das hats nicht gespielt. Und manche Menschen geben sich auch nicht dem Irrsinn hin, dass größer gleich besser ist und dass Monokulturen besser funktionieren als Pluralität.
Tja, und die sind dann halt skeptisch.

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