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Wie geht es mit Nordkorea nach
den Olympischen Spielen weiter?

Bald Gesprächen auch zwischen den USA und Nordkorea?

Olympia - Wie geht es mit Nordkorea nach
den Olympischen Spielen weiter? © Bild: Patrick Semansky / POOL / AFP

2017 war ein turbulentes Jahr für den Nordkorea-Konflikt. Nordkorea teste mehrere Raketen, darunter eine Interkontinentalrakete, die offenbar das Festland des Erzfeindes USA erreichen kann. Nordkorea nahm auch einen weiteren Atomtest vor. Der UNO-Sicherheitsrat reagierte mit der Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea.

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US-Präsident Donald Trump nannte den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un einen "Raketenmann auf einer Selbstmordmission für sich und sein Regime" und drohte Nordkorea mit "Feuer und Wut" und der "totalen Vernichtung". Kim nannte Trump einen "geistig umnachteten Greis".

Zu Jahresbeginn dann eine Wende: Bei den ersten direkten Gesprächen zwischen Nord- und Südkorea seit zwei Jahren einigten sich die beiden Staaten auf eine Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang, die gerade laufen. Eine Militärparade zum "Geburtstag" der nordkoreanischen Armee kurz vor Eröffnung der Spiele ließ Kim nicht gar so groß ausfallen wie sonst. Kim schickte das nominelle Staatsoberhaupt und seine Schwester nach Pyeongchang, die Stimmung zwischen ihnen und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in war prächtig. Moon wurde nach Pjöngjang eingeladen.

Aber wie geht es nach den Olympischen Spielen und den darauffolgenden Paralympics im März tatsächlich weiter? Danach stehen die jährlichen Frühjahrs-Militärmanöver der USA und Südkoreas ins Haus. Wegen der Entspannung wurden sie auf April verschoben. Nordkorea nimmt sie als schwere Provokation wahr. Aus Sicht des Politologen Shin Beom-chul von Koreas Nationaler Diplomatischer Akademie (KNDA) kommt vieles auf die "wahren Absichten" Kim Jong-uns an und auf den wirtschaftlichen Druck durch die UNO-Sanktionen; die Manöver könnten jedenfalls nicht so einfach abgeblasen werden. Im Folgenden seine Analyse:

- "Es wird nicht leicht sein, Nordkorea zu einem dauerhaften Dialog zu bringen, denn über den wahren Absichten Kim Jong-uns hängt ein Fragezeichen. (...) Wir haben Militärgespräche vorgeschlagen, dass wir uns gegenseitig von militärischen Aktivitäten nahe der Entmilitarisierten Zone im Voraus informieren, einen heißen Draht. (...) Wenn es im Februar und März keine weiteren Fortschritte gibt und wir führen (im April) die Militärmanöver durch, dann könnte sich Nordkorea zurückziehen und wieder eine Interkontinentalrakete testen. Dann waren die Olympischen Spiele nicht von Nutzen. Daher muss die (südkoreanische) Regierung die Gespräche auf eine höhere Ebene bringen und einen Dialog zwischen Nordkorea und den USA herstellen. Das wäre der Startpunkt für eine atomare Abrüstung. Ob Nordkorea unserem Vorschlag folgen wird, oder sich wieder zurückzieht, weiß ich nicht."

- "Wir versuchen, Vertrauen aufzubauen (...) und Nordkorea von der Denuklearisierung zu überzeugen. Friedliche Koexistenz ist der Weg, den Südkorea gehen sollte, und die Regierung hat diese Herangehensweise ausgiebig ausprobiert. Das Problem sind die Absichten Nordkoreas - ob sie wirklich kooperieren wollen oder ob sie unsere Angebote nur ausnutzen, um den Erfolg des Kim-Regimes zu beweisen als Atommacht, durch bessere Beziehungen mit Südkorea und eine bessere Wirtschaft. (...) Aber es gibt immer Risiken und Chancen und die derzeitige Regierung hat in Olympia eine Chance gesehen."

- "Leute, die an einem Militärmanöver teilgenommen haben, wissen um ihre Wichtigkeit für die Einsatzbereitschaft (der Truppen). Die Manöver haben auch eine politische Botschaft an Nordkorea: Eure Aggressionsabsicht wird durch unsere hohe Einsatzbereitschaft abgeschreckt. Nordkorea übertreibt, wenn es sagt, die Manöver sind ein feindlicher Akt und Versuch, in Nordkorea einzumarschieren. Aber: Wenn wir wirklich die Absicht hätten, in Nordkorea einzumarschieren, hätten wir das längst getan - als Nordkorea noch keine Atomwaffen hatte."

- "In einer Entspannungsphase haben die USA und Südkorea ihre Manöver 1993 einmal gestoppt, Nordkorea hat trotzdem begonnen, Atomwaffen zu entwickeln. Unsere Position ist klar: Wenn Nordkorea aufrichtig ist und an den Verhandlungstisch zurückkehrt und die Angelegenheit (Denuklearisierung, Anm.) ernsthaft diskutiert, dann können wir die Manöver verschieben, oder die internationale Gemeinschaft könnte einen Teil der UNO-Sanktionen aufheben. Aber Nordkorea will die Verschiebung der Manöver als Bedingung für Gespräche, das bringt uns nicht vorwärts."

- "Nordkorea steht vor großen wirtschaftlichen Problemen wegen der UNO-Resolutionen. Es gibt sehr starken wirtschaftlichen Druck - später im Jahr heuer und noch mehr nächstes Jahr. Sie müssen aber zurück an den Verhandlungstisch, bevor sie tatsächliche Probleme haben und offensichtlich geschwächt sind. Der Anreiz für Nordkorea, damit es an den Verhandlungstisch zurückkehrt, ist ihre Wirtschaft. Das wissen wir."

- "Nordkorea wird vielleicht nicht sofort sein Atomprogramm aufgeben. Wenn man Nordkorea im Vorhinein sagt, dass sie ihre Atomwaffen aufgeben müssen, werden sie nicht zum Verhandlungstisch zurückkehren. Einzig plausibel ist, wenn man Schritt für Schritt Richtung Denuklearisierung vorgeht, ein Aussetzen des Atomprogramms vorschlägt, Rüstungskontrolle, einen Verzicht auf Langstreckenraketen im Gegenzug für die Aussetzung von Manövern oder die Aufhebung eines Teils der UNO-Sanktionen - auch wenn das lange dauert. (...) In der Zwischenzeit werden wir nur unsere Allianz mit den USA - etwa mit der Stationierung der Raketenabwehr THAAD - und unsere Kooperation mit China und Russland stärken."

- "Wir könnten uns in einer Phase der De-Eskalation befinden, aber das ist schwer zu sagen. Nordkorea hat sich noch nicht substanziell bewegt und arbeitet in diesem Moment an einer Technologie, damit ihre Sprengköpfe den Wiedereintritt (der Rakete) in die Erdatmosphäre übersteht."

Über Trump sagt Shin:

- "Trump kann sich nicht als Verlierer sehen. Es ist ein Auf und Ab mit ihm, das schadet der Glaubwürdigkeit der USA. Wir können die exakte Position von Trumps Administration nicht einschätzen. Trotz seiner divergierenden Wortmeldungen gibt es aber eine konsistente Politik."

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