Vollständige Heilung nach Horror-Sturz:
Albrecht kommt ohne Dauerschäden davon

Ärzte: Auch eine Rückkehr in den Skizirkus möglich Schweizer kann sich an den Unfall nicht erinnern

Vollständige Heilung nach Horror-Sturz:
Albrecht kommt ohne Dauerschäden davon © Bild: Reuters/Rellandini

"Heute ist ein Freudentag! Heute ist ein großer Tag für uns alle! Daniel Albrecht ist wieder unter uns!" Mit diesen Worten hat Urs Lehmann, Präsident des Schweizer Skiverbandes, die Pressekonferenz zum Gesundheitszustand des Schweizer Ski-Allrounders auf der Universitätsklinik Innsbruck eröffnet. Die behandelten Ärzte gaben Auskunft über den Heilungsverlauf des Schweizers, der vor drei Wochen im Abschlusstraining zur Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel schwer gestürzt war und fast drei Wochen in künstlichem Tiefschlaf verbrachte.

"Wir haben in den letzten drei Wochen erfolgreich um Albrecht gekämpft", berichtete Stefan Schmid, Oberarzt auf der Universitätsklinik für allgemeine und chirurgische Intensivmedizin. Albrechts Hirnschwellung nach dem schweren Schädel-Hirn-Trauma ging schnell zurück, die Hirnblutung sei nicht groß gewesen. Am meisten Sorge bereitete den Ärzten die Lungenentzündung nach der Lungenquetschung.

"Dadurch mussten wir ihn länger künstlich beatmen", sagte Schmid. Doch am vergangenem Mittwoch wurde Albrecht von der Beatmungsmaschine genommen und kann seither wieder selbstständig atmen. Von der Lungenschrumpfung seien derzeit aber noch Reste vorhanden. Inzwischen kann Albrecht bereits wieder sitzen. "In den nächsten Tagen werden wir erste Stehversuche unternehmen", kündigte der Intensivmediziner an.

"In zwei Monaten neurologisch gesund"
Die Aufwachphase nach dem künstlichen Tiefschlaf sei gut verlaufen. "Ich kann Erfreuliches berichten", sagte Bettina Pfausler, Oberärztin der Neurologie. "Auf einfache Aufforderungen und Fragen antwortet der 25-Jährige schon mit Ja und Nein. Er zeigt keine neurologischen Schwächen. In zwei Monaten wird er neurologisch gesund sein. Eine geistige Behinderung kann ich ausschließen."

Fragen nach Schmerzen hatte Albrecht mit Nein beantwortet. Wobei Albrecht derzeit aber noch die Nebenwirkungen der Medikamente für den künstlichen Tiefschlaf spürt. Auch zu telefonieren oder länger zu sprechen bereite ihm wegen der mehrwöchigen künstlichen Beatmung Probleme. Außerdem werde Albrecht derzeit zum Teil noch künstlich ernährt, die Magensonde sei jedoch entfernt worden.

An den Unfallhergang und die vergangen drei Wochen könne sich Albrecht nicht erinnern. "Das versuchen wir durch Medikamente zu vermeiden, zum Eigenschutz des Patienten", erläuterte Pfausler.

Rückkehr in Skizirkus möglich
Der Schweizer könne aus medizinischer Sicht wieder in den Skizirkus zurückkehren. "Im Moment spricht nichts dagegen, wieder den Profisport auszuüben", sagte Michael Blauth, Vorstand der Unfallchirurgie. Auch wenn Albecht eine längere Phase des Trainings zum Muskelaufbau benötigen werde. Der Schweizer hat in den vergangen drei Wochen rund 15 Kilogramm Muskelmasse verloren.

Wann Albrecht in die Schweiz überstellt wird, konnten die Ärzte noch nicht beantworten. "Das wird geschehen, wenn der Transport sicher ist. Aber er ist immer noch auf der Intensivstation", sagte Schmid. Der 25-Jährige arbeitet täglich mit einem Physiotherapeuten. Die Atem- und Lungentherapie steht derzeit aber im Vordergrund. Wenn Albrecht in die Schweiz überstellt wird, soll er ins Lindenspital in Bern kommen.

Dank vom Vater
Sichtlich erfreut zeigte sich Martin Albrecht, Vater des verunglückten Skifahrers. "Die Erleichterung, als er aufgewacht ist, war riesengroß", sagte er. Drei Wochen lang besuchten die Eltern ihren Sohn täglich. "Wir waren nur kurz in der Schweiz, um Kleider zu holen", erzählte Martin Albrecht, der sich auch beim ÖSV für die Betreuung und Organisation bedankte: "Ich habe jetzt erst gemerkt, dass der Skizirkus eine große Familie ist, bei der jeder jedem hilft." Albrecht sen. rechnet damit, dass sein Sohn wieder in den Skizirkus zurückkehren wird, "denn ich kenne seinen Ehrgeiz".

Dankesworte sprach auch Lehmann aus: "Danke im Namen von Swiss-Ski für die große Anteilnahme bei uns in der Schweiz und im Ausland. Danke für die sagenhafte Betreuung durch die Ärzte. Und Danke an den ÖSV. Auf der Piste kämpfen wir zwar gegeneinander. Aber abseits ist die Zusammenarbeit sensationell."

(apa/red)