Volkstheater von

Gegen die Wand

Felix Hafner inszenierte Nestroys "Höllenangst" am Volkstheater

"Höllenangst" am Wiener Volkstheater © Bild: APA/Herbert Neubauer

Anno 1849 verfasste Nestroy sein Stück "Höllenangst": Es geht um Macht, Bereicherung und ein Volk, das aufbegehrt, aber von seinem Aberglauben gebremst wird. Im Zentrum steht der Schusterbub Wendelin (Thomas Frank), der sich als Gefängniswärter verdingt hat, bis er dem zu Unrecht eingesperrten Freiherrn von Reichthal (Gabor Biedermann) zur Flucht verholfen hat.

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"Höllenangst" am Wiener Volkstheater
© APA/Herbert Neubauer

Just als er sich dem Teufel verschreiben will, tritt der Oberrichter als Hilfesuchender in sein Leben und entlohnt ihn. Felix Hafner erzählt das Geschehen klar in kompakten 105 Minuten. Camilla Hägebarths karg eingerichtete Bühne ist von einer schwarzen, gebogenen Wand umzäunt. Dagegen laufen die Personen an oder, wer kann, erklettert sie. Bei dieser Turnerei geht jedoch viel verloren. Vor allem die Sprache: nahezu jeder spricht, wie er kann oder wie es ihm gefällt. Deutsches Idiom (Christoph Rothenbucher als Thurming) steht gegen eine Art von österreichischem Dialekt (Isabella Knöll als Rosalie), welcher bleibt undefinierbar. Das "Böse" in Gestalt des Freiherrn von Stromberg (Stefan Suske), der das Erbe seiner Nichte an sich reißen und Vermögen und Macht vergrößern will, bleibt eine Randerscheinung.

"Höllenangst" am Wiener Volkstheater
© APA/Herbert Neubauer

Von Furcht und Verzweiflung des Volks, wovon Nestroy in seinem Stück erzählt, spürt man einzig in Günter Franzmeiers Darstellung des Schusters Pfrim. Er ringt um Nestroys Sprache, so auch Claudia Sabitzer (Pfrims Frau). Und davon profitiert auch Thomas Franken als Pfrims Sohn Wendelin in gemeinsamen Szenen, während er bei der Darstellung des vermeintlich dem Teufel verschriebenen übertreibt.

Der Rest des Ensembles fügt sich gut in eine solide, aber wenig berührende Theaterarbeit.