Verlosungs-Welle erreicht die Betriebe:
Cafés und Zinshäuser als Lotteriegewinne

15 Objekte werden jetzt auf auxionit.at angeboten FORMAT: Hype um Hausverlosungen weitet sich aus

Verlosungs-Welle erreicht die Betriebe:
Cafés und Zinshäuser als Lotteriegewinne © Bild: FORMAT/Bokmeier

Der Medienrummel war enorm, als diese Woche im Klagenfurter Kaffeehaus "Lustgarten" eine ehemalige Miss Steiermark den neuen Besitzer einer geräumigen Privatvilla bei Klagenfurt unter den Käufern von 99-Euro- Losen ermittelte. Für Belustigung sorgte obendrein, dass der Gewinner zum Zeitpunkt der Ziehung just bei seinem Zahnarzt am Stuhl lag und sein Glück nur knapp, in breitem Kärntnerisch, kommentierte: "Ein Woohnsinn."

Der Hype um solche Häuserverlosungen wie in Kärnten ist derzeit enorm. Fast täglich werden neue Objekte im Internet feilgeboten, und einschlägige Verlosungs- Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden. Alleine auf der Web- Seite auxionit.at werden zurzeit mehr als 15 Objekte angeboten, bei lospoint.at sind es rund zehn Offerte.

Die Idee breitet sich aus wie eine Epidemie. Mittlerweile wird der Verlosungs- Boom auch schon genutzt, um neben Häusern allerlei andere schöne Dinge an den Mann zu bringen. Autos, Yachten und sogar ganze Unternehmen stehen zur Disposition. "Wir bekommen immer mehr Anfragen zu Gewerbeobjekten", bestätigt Hannes Steiner von traumverlosungen.net: "Oft finden Unternehmer keine Nachfolger, und eine Verlosung ist für sie eine schöne Möglichkeit, zu Geld zu kommen."

Lose für ein Alt-Wiener Café und für Zinshäuser
Hannes Klappacher ist einer von ihnen. Der Entrepreneur erfüllte sich vor Jahren einen Traum und kaufte das Alt-Wiener Kaffeehaus Artmayr in Wien- Währing. Das Lokal schien perfekt: Im Parterre des seit 150 Jahren als Gastronomiebetrieb geführten Objekts gibt es schmucke Rundbögen, der 200 Quadratmeter große Keller eignet sich als Veranstaltungsraum. Sogar eine "Kommissar Rex"-Folge wurde im Café gedreht. "Ich habe gut verdient. Jetzt will ich mich beruflich umorientieren. Wenn sich jemand etwas aufbauen will und fleißig ist, ist das Café Artmayr perfekt", meint Klappacher. Derzeit sucht er gerade einen Notar, der die Verlosung des Lokals samt Thonet-Stühlen und schönen alten Kühlschränken organisiert.

Auch Ewald Zadrazil und Erich Peteln wollen ihr Geschäft nicht mehr weitermachen. Die beiden kauften sich vor Jahren zwei Zinshäuser aus der Jahrhundertwende nahe Baden, sanierten sie und vermieteten sie an zwölf Wohnparteien. "Wir sind beide in anderen Berufen tätig. Immobilien nebenbei zu verwalten ist unmöglich", erklärt Peteln den Grund für die Verlosung. Immerhin würden pro Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Euro Mieteinnahmen herausschauen. Das Angebot ist bereits unter auxionit.at online: 11.000 Lose für 99 Euro pro Stück gibt es. Findige Unternehmer nutzen den Rummel auch, um nur Teile ihres Geschäfts abzugeben. So möchte eine Gärtnerei in der Nähe von Graz ihre Granitsparte verlosen. Mehrere Hundert Steinobjekte wie Brunnen, Becken und Tiere sollen über eine Ziehung einen neuen Besitzer finden. "Unsere Zielgruppe sind primär andere Gärtnereien. Für den Gewinner wäre das ein Schnäppchen", meint Initiator Johann Michelitsch, der 2.999 Lose zu 45 Euro auflegen will.

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen FORMAT 04/2009.