Theaterkritik von

"Hiob" am Burgtheater:
Graue Bärte und ein Cowboy-Hut

Theaterkritik - "Hiob" am Burgtheater:
Graue Bärte und ein Cowboy-Hut © Bild: APA/HANS PUNZ

Christian Stückl zeigt „Hiob“ nach dem Roman von Joseph Roth am Burgtheater

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Stefan Zweig, brachte es auf den Punkt, als er „Hiob“, den Roman seines Kollegen Joseph Roth „eine reine, vollkommene Dichtung“ nannte, deren „Musikalität der Sprache“ kaum zu übertreffen sei. Davon aber erfährt man in Christian Stückls Inszenierung nichts. Er skelettierte Roths Roman, der auf der nämlichen, biblischen Geschichte basiert, auf eine verkürzte Fassung der blanken Handlung in der Fassung von Koen Tachelet. Dabei setzt er auf Bodenständigkeit. Stefan Hageneiner hat ihm dafür eine Einheitsbühne gebaut. Ein gewellter Holzboden steht für die Weite Russlands ebenso wie die Prärie in „America“, wenn die Lettern im Hintergrund anzeigen, dass die Handlung nun im neuen „gelobten“ Land fortgesetzt wird. Im Zentrum steht der Tora-Lehrer Mendel Singer. Bei Roth tritt er als eiliger Mann auf, der rührig Geld für seine vier Kinder und seine Frau verdient. Bei Stückl blickt er zu Beginn zurück auf sein Leben, in dem ihm nichts mehr bleibt. Seine Frau ist tot, seine Heimat, Russland, hat er aufgegeben, seine Tochter Miriam an den Wahn verloren, seine beiden gesunden Söhne an den Krieg. Einer, Shermajah (Christoph Radakovits) ist für Amerika gefallen, der andere, der russische Soldat, ist verschollen. Seinen jüngsten, Menuchim, den Epileptiker, hat er in Russland zurückgelassen.

© APA/HANS PUNZ Peter Simonischek als Mendel Singer

Stückl lässt kein Klischee aus. Peter Simonischek ist Mendel. Er und Peter Matic, der Rabbi, tragen lange, graue Bärte und muten wie zwei Gestalten an, die sich, aus welchen Gründen auch immer, als Juden verkleidet haben. Oleg Tikhomirov ist als Amerikaner Mac mit einem Cowboy-Hut und Westernstiefel ausgestattet. Simonischek zeigt als Singer das Psychogramm eines Mannes, der im Leben viel gewonnen, aber alles verloren hat und darüber mit Gott hadert. Er verzichtet auf jedwede Idiome, spricht klar, bewegend seinen Text. Regina Fritsch ist ihm eine vortreffliche Partnerin als Deborah, Stefanie Dvorak (ausgezeichnet) zieht als nymphomane Miriam alle Register vom trotzigen Teenager bis erwachsenen Frau, die ihre Sinne verliert. Tino Hillebrand leistet Präzisionsarbeit, wenn er sich vom sprechunfähigen Epileptiker zum gefeierten Dirigenten wandelt. Stefan Wieland, Hans Dieter Knebel und Peter Matic stellen die jüdische Gemeinde in Amerika, aber auch die kommt über Klischees nicht hinaus. Tom Wörndls Musik unterstreicht das Folkloristische dieser Inszenierung. „Menuchims Lied“ am Ende klingt es nach Filmmusik für ein Kaufhaus. Dennoch gibt es Momente, die den Besuch lohnen.

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