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Hannes Reichelt lässt
seinen "Traktor" laufen

Ski alpin - Hannes Reichelt lässt
seinen "Traktor" laufen © Bild: APA/KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Hannes Reichelt ist topfit, wie er am Samstag mit Rang vier auf der längsten Weltcup-Abfahrt in Wengen bewies. Dennoch vergleicht er sich mit einem Traktor.

Im Super-G läuft die Saison mit zwei dritten Plätzen sehr gut für Hannes Reichelt, in der Abfahrt näherte er sich vor Kitzbühel auch dem Podest an. Dass es jetzt Schlag auf Schlag geht, ist für den Salzburger kein Nachteil. "Damit ich im Fluss bleibe. Einen alten Traktor stellst du auch nicht mehr ab, weil es dann schwerer ist, ihn wieder zu starten", meinte er über seinen 37 Jahre alten Körper.

So schlimm ist es freilich nicht. Reichelt ist topfit, wie er am Samstag mit Rang vier auf der längsten Weltcup-Abfahrt in Wengen bewies. Mit der Streif wartet nun ein Kaliber anderer Charakteristik. "In Kitzbühel sind sehr enge Kurven und viel zum Überwinden. Der Grad zwischen Abflug und Runterkommen ist relativ schmal. In Wengen ist ein großer Faktor die Länge, in Kitzbühel ist es von der Anstrengung her einfach nicht so groß." Gewonnen hat er beide Klassiker bereits, 2014 in Kitzbühel und 2015 in Wengen.

Wengen hat auch gezeigt, dass Reichelt seinen in der Woche zuvor absolvierten schmerzhaften Ausflug zum Riesentorlauftraining gut weggesteckt hat. "Nach einem Trainingstag in den Toren habe ich Rückenprobleme bekommen und pausieren und Therapien machen müssen. Vom Körperlichen her bin ich wieder so gut wie fit, aber die Trainingstage fehlen mir ein bisschen", haderte er bereits vor der Lauberhornabfahrt. Riesentorlauf gehe zwar gut, aber wenn das danach eine Pause erzwinge, dann stehe es nicht dafür, schloss er dieses Kapitel vorerst einmal.

»Ich hoffe, ich sammel ein paar so Titel, die Chance habe ich dazu«

Mit seinem Erfolg 2015 wurde Reichelt in Wengen mit 34 der älteste Sieger dieser Abfahrt. In Kitzbühel hält den Rekord der Schweizer Didier Cuche, der 2012 bereits 37-jährig gewann. Cuche ist im August geboren, Reichelt im Juli, der Super-G-Weltmeister von 2015 könnte den Altersrekord auf dem Hahnenkamm also heuer toppen.

"Ich hoffe, ich sammel ein paar so Titel, die Chance habe ich dazu. Ich bin im fortgeschrittenen Alter, ich möchte einfach schauen, dass ich mit den Jungen mithalten kann. Wie gut das dann ist, wird sich weisen", sagte Reichelt, der als Bormio-Fünfter nach Wengen gefahren und von dort mit Platz vier wieder abgereist war. Für Kitzbühel will er um schönes Wetter beten. "Ich hoffe, wir haben im Rennen eine feinere Sicht als im Training".

Bilanz Saisonverlauf

Auch wenn sich die Ergebnisse auf dem Papier vom Beginn der Saison mit 19 in Lake Louise, 22 in Beaver Creek und 24 in Gröden nicht so lesen, war Reichelt nicht unzufrieden und fand vor allem Erklärungen. "Die Form hat ganz gut gepasst, aber die Startnummernregelung spielt mir im Moment gar nicht in die Karten", haderte er mit dem Umstand, dass er bis Wengen auf Platz zehn der für die Startnummernvergabe maßgeblichen WCSL lag und als Letzter der Top Ten nur noch nehmen konnte, was an ungerader Zahl zwischen 1 und 19 übrig war. Für Kitzbühel hat er sich auf neun verbessert.

Gegrübelt habe er im Saisonverlauf jedenfalls nicht. "Lake Louise liegt mir nicht, aber die anderen Abfahrten waren zu erklären. In Beaver Creek habe ich mich mit dem Material ein bisschen vertan. In Gröden warst du mit einer vorderer Nummer chancenlos. Ich habe sicher einen Fehler gemacht, aber so schlecht bin ich nicht gefahren wie die Platzierung war", rekapitulierte er.

In Bormio sei keiner mit einer Nummer in seiner Gegend schneller gewesen und die vier Zehntel auf den Sieg seien nicht die Welt, meinte Reichelt. "Da hätte ich auch auf dem Stockerl stehen können." Habe er im Super-G einen Vorteil bei der Startnummernvergabe, so sei es in der Abfahrt ein Nachteil - hausgemacht wohlgemerkt, aufgrund der vergangenen Saison. "Aber es wird sicher wieder Abfahrten geben, wo du das Glück auf deiner Seite hast. Ich hoffe alleweil wieder auf ein Glück."

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