Rossis "Teufelsritt" macht WM spannend: Überholmanöver in letzter Kurve bringt Sieg

Fängt Lorenzo ab und gewinnt Rennen von Barcelona Peinlicher Lapsus in der 125-ccm-Klasse kostet Erfolg

Rossis "Teufelsritt" macht WM spannend: Überholmanöver in letzter Kurve bringt Sieg

Mit einem sehenswerten Überholmanöver Sekunden vor dem Ende des MotoGP-Laufs von Montmelo hat sich Weltmeister Valentino Rossi den Sieg am "Circuit von Catalunya" von Montmelo geholt und die WM wieder spannend gemacht. In der letzten Kurve ließ der Italiener seinen spanischen Konkurrenten Jorge Lorenzo hinter sich und ist damit nur noch einen Erfolg von seinem 100. Grand-Prix-Sieg entfernt. Dem "Teufelsritt" Rossis zollten selbst die spanischen Fans Respekt. Rang drei ging an den Australier Casey Stoner, das Trio hält nun bei jeweils 106 Punkten.

Bei drückender Schwüle und vor 88.500 Motorrad verrückten Fans in Montmelo dominierten Rossi und sein Yamaha-Fiat-Teamgefährte Lorenzo bald das Rennen. Während Stoner, der schon am Vormittag "völlig zerstört" war, wie er betonte, die beiden nie gefährden konnte, lieferten sich der aus der Pole gestartete Lorenzo und "Il Dottore" einen offenen Schlagabtausch. Die letzten Runden ließen dann an Spannung keine Wünsche offen. Mehrmals wechselte angesichts millimetergenauer Überholmanöver die Führung, ehe Lorenzo schon in die Siegerrolle zu schlüpfen schien. In der Kurve vor der Zielgeraden spielte Rossi mit einem nicht mehr erwarteten Kniff sein letztes Trumpfass aus, 95 Tausendstelsekunden entschieden zugunsten des Italieners.

Der konnte es kaum fassen. "Es war unglaublich. Ich wusste nicht, ob es möglich ist, in der letzen Kurve zu überholen und wollte es herausfinden", meinte der 30-Jährige, der auch vom ausgeglichenen Stand in der WM fasziniert war: "So etwas hat es noch nie gegeben." Lorenzo beteuerte zwar "glücklich" zu sein, war von der unglaublichen Wende aber doch zumindest beeindruckt. "Er war schlauer oder mutiger als ich", gestand der 22-Jährige. "Dass er ausgerechnet in der letzten Kurve überholt, habe ich nicht erwartet. Ich muss noch dazulernen."

Simon der Depp des Tages
In der 125-ccm-Klasse lieferte der Spanier Julian Simon die Szene des Tages, war vor heimischem Publikum offensichtlich eine Spur zu übermütig. Der aus der Pole gestartete WM-Führende vergab mit einem grotesken Fehler den Sieg, ging bereits eine Runde vor dem Ende in Jubelpose. Während Simon seinen Zeigefinger triumphierend in die Höhe reckte, ließ Iannone seinen Kontrahenten, mit dem er sich den gesamten Lauf über ein enges Duell geliefert hatte, völlig unbeeindruckt hinter sich. Simons Reaktion kam zu spät, sogar seine Landsleute Nicolas Terol und Sergio Gadea stießen ihn noch vom Podest, auf das ihm schließlich nach Konsultation des Zielfotos nur eine Tausendstelsekunde fehlte.

Die 125-ccm-Klasse ging erneut ohne Michael Ranseder über die Bühne. Der Oberösterreicher vom chinesischen Haojue-Team steht derzeit ohne renntaugliches Gefährt auf dem "Abstellgleis" und muss sich bezüglich einer Entscheidung weiterhin in Geduld üben. Ohne Überraschung endete das Rennen in der 250-ccm-Klasse, das sich der WM-Leader Alvaro Bautista souverän sicherte.

(apa/red)