Rosa Sparschwein und die Heuschrecken: Die Chronologie von Meinl European Land

Alle wichtigen Daten aus ihrer bewegten Geschichte Der rasante Aufstieg und tiefe Niedergang von MEL

Rosa Sparschwein und die Heuschrecken: Die Chronologie von Meinl European Land © Bild: APA/Gindl

Zehn Jahre ist Meinl European Land erst alt - und kann doch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Viele erinnern sich noch an den Werbespot zum Börsegang 2002, in dem das Unternehmen als mündelsichere Anlage mit einem rosaroten Sparschwein für sich warb. Die Erwartungen schienen sich zu erfüllen, in fünf Jahren verdoppelte sich der MEL-Kurs nahezu von 11,10 Euro auf 21,33 Euro. Dann im Sommer 2007 die Krise und der Absturz. Mit 6,58 Euro hat das Papier erst einen historischen Tiefststand erreicht. Jetzt sollen neue internationale Investoren das Ruder herumreißen.

1997 Meinl European Land wird noch unter dem Namen "Central European Land Limited" gegründet übernimmt ein Portfolio aus 60 Immobilien in Tschechien und Ungarn.

21.11.2002 MEL kommt mit einer Kapitalerhöhung an die Börse, Erstausgabepreis der Zertifikate 11,10 Euro. Das Immobilienvermögen umfasst zwei Jahre später 530 Mio. Euro.

2005 MEL beziffert das Immo-Vermögen nach rascher internationaler Expansion mit erstmals über 2 Mrd. Euro.

31. Juli 2007: Kursrutsch der MEL-Zertifikate von 19 auf 16,3 Euro einen Tag vor der Erstnotiz von Meinl European Power.

20. August: MEL-Erstnotiz im Prime Market der Wiener Börse.

23. August: Massive Aktien-Rückkäufe der MEL werden nachträglich bekannt, Analysten kürzen die Kursziele.

24. August: MEL-Sprechers Francis Lustig tritt zurück, neuer Sprecher wird der Investor Rupert-Heinrich Staller.

27. August: Die Finanzmarktaufsicht leitet eine Prüfung wegen möglicher Marktmanipulation und Insiderhandel ein.

29. August MEL gibt bekannt, dass die Rückkäufe noch höher als vermutet ausgefallen sind und verspricht mehr Transparenz.

30. August: Aufregung um teileinbezahlte Aktien ("Partly paid shares" - PPS) abseits der Börse. Investoren unbekannt.

2. September: Ex-Sprecher Lustig distanziert sich von Rückkäufen im Gesamtvolumen von 1,8 Mrd. Euro.

5./6. September: Die Ratingagenturen S&P und Fitch geben äußerst kritische Stellungnahmen zu den MEL-Zertifikaten ab. Einer der Hauptkritikpunkte: die im Eigentum der Meinl-Bank MEL-Management-Tochter Meinl European Real Estate (MERE).

12. September: Die FMA-Prüfung wird auf die Meinl-Bank ausgedehnt.

11. November: MEL Sprecher Staller geht, sein Nachfolger wird der bisherige "Format"-Herausgeber Herbert Langsner.

21. November: Der MEL-Vorstand erhält von der Finanzmarktaufsicht eine Strafbescheid wegen "Irreführung", das Unternehmen kündigt Berufung an.

23. November: Die Wiener Börse kündigt den Prime Market-Vertrag per 21. Dezember 2007 auf. MEL muss zurück in den Standard Market Continuous.

21. Dezember: MEL wird vom Prime Market delistet.

30. Jänner 2008: Erste Gerücht um einen bevorstehenden MEL-Verkauf. Fonds soll interessiert sein. Der erste Anlauf scheitert jedoch an Details.

9. März: Medien sehen den Verkauf schon "in weiter Ferne".

20. März: Der Einstieg neuer Investoren, des US-Citibank-Immobilienfonds Citi Property Investors (CPI) und der in Tel Aviv börsenotierte Immobilieninvestor Gazit-Globe Limited, ist unter Dach und Fach. Über eine 500 Mio. Euro schwere Wandelschuldverschreibung und die Emission von MEL-Zertifikaten für weitere 300 Mio. Euro sollen in Summe 800 Mio. Euro ins Unternehmen fließen. Ziel ist ein Abschluss bis Ende Mai/Anfang Juni. Unter neuer Führung und mit neuem Namen soll dann die Expansion im Osten forciert werden. Die PPS und Aktien hinter den rückgekauften Zertifikaten werden aufgelöst, das Management "internalisiert".

(apa/red)