Rauchen von

Warum eine Schachtel Zigaretten
eigentlich 7,80 Euro kosten müsste

Um die medizinischen Kosten abzudecken, müsste Rauchen noch sehr viel teurer sein

Rauchen - Warum eine Schachtel Zigaretten
eigentlich 7,80 Euro kosten müsste © Bild: Getty Images

Rauchen kommt nicht nur für den Raucher teuer: Der Tabakkonsum bürdet der Gesellschaft vor allem aufgrund seiner gesundheitlichen Folgen enorme Mehrkosten auf. Eine deutsche Studie hat errechnet, dass eine Packung Zigaretten eigentlich 7,80 Euro kosten müsste, um allein die medizinischen Kosten abzudecken. Dieser Betrag gilt auch für Österreich.

Zigaretten sind teuer, aber noch nicht teuer genug. So könnte man eines der Ergebnisse einer Studie der deutschen Wirtschaftswissenschafter Michael Adams und Tobias Effertz von der Universität Hamburg zusammenfassen. Denn der blaue Dunst belastet nicht nur die Geldbörsen der Raucher, sondern auch die Allgemeinheit, und das nicht gerade mit Bagatellbeträgen. 36 Milliarden Euro an gesamtgesellschaftlichen Kosten blieben in Deutschland angeblich im Jahr 2012 übrig, auch nach Abzug von 14 Milliarden Tabaksteuer-Einnahmen. Damit entfallen auf jeden einzelnen Raucher Kosten von 2180 Euro pro Jahr, deutlich mehr als ein durchschnittliches Monatsgehalt.

Raucher sind öfter krank und gehen früher in Pension

"Würden Raucher diese Kosten selbst zahlen, müsste eine Packung Zigaretten 11,30 Euro kosten", sagte Michael Adams in einem Interview und löste damit eine heftige öffentliche Debatte aus. Bis in diese Höhe müsste laut ihm nämlich die Tabaksteuer angehoben werden, um alle volkswirtschaftlichen Kosten abzudecken. Das umfasst Kosten der öffentlichen Hand für Krankengeld, Pflege und Invaliditätspension sowie Produktivitätsverlust für die Wirtschaft wegen vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit, höherer Sterblichkeit und mehr Krankenständen. Wäre es wirklich angebracht, all das über die Tabaksteuer quer zu finanzieren? Oder sollen Raucher gar mehr für ihre Krankenversicherung zahlen? Nicht alle sind mit solchen Ideen einverstanden.

Wie sieht die Situation in Österreich aus? Das Land hat traditionell einen sehr hohen Raucheranteil, und pro Kopf auch im Allgemeinen bereits teures Gesundheitssystem. Die Datenlage zu den finanziellen Effekten von Rauchen ist aber eher spärlich. Die aktuellste Studie dazu stammt aus dem Jahr 2008 und bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2003. Damals errechnete das Institut für Höhere Studien (IHS), dass die Kosten des Rauchens den finanziellen Nutzen pro Jahr um 511 Millionen Euro übersteigen. Im Vergleich zum nun in Deutschland genannten Betrag von 36 Milliarden wirkt das zunächst, auch bei Berücksichtigung der Bevölkerungsgröße, erstaunlich wenig.

Wahrer Preis von 7,80 Euro auch für Österreich "plausibel"

Studienleiter Markus Pock führt diese Differenz jedoch zum größten Teil auf methodische Unterschiede zurück, an wirklich sehr viel niedrigere Kosten in Österreich als in Deutschland glaubt er nicht. So wurden für die deutsche Untersuchung Mikrodaten herangezogen, beim IHS aber Makrodaten. Es sei ein sehr schwieriger Schritt, bei der Berechnung der medizinischen Kosten etwaige nicht-tabakbezogene Begleiterkrankungen herauszufiltern. Dass das Rauchen aber für über sieben Prozent der Gesundheitskosten in Deutschland verantwortlich sein soll, hält er zum Beispiel nicht für plausibel. Die österreichische Studie kam für 2003 auf 3,3 Prozent, und auch andere deutsche Studien würden ein anderes Bild zeichnen.

Bei den (nicht-medizinischen) Opportunitätskosten ist laut dem Ökonomen ein Vergleich zwischen der österreichischen und deutschen Untersuchung aufgrund der erwähnten unterschiedlichen Methodik nur schwer möglich. Die Ausführungen zu den rein medizinischen Kosten ließen sich jedoch auf Österreich umlegen, so Pock. Dazu heißt es von den deutschen Wissenschaftern, allein diese Kosten würden einem Packungspreis von 7,80 Euro entsprechen. Laut Markus Pock ist der österreichische Wert davon nicht weit entfernt: "Das ist aus meiner Sicht plausibel, auch wenn man natürlich über die verwendete Methode streiten kann." Er kommt (für Österreich) dann auf eine Erhöhung des Packungspreises um 48 Prozent.

Nicht alle Raucher bekennen sich in Umfragen

Insgesamt dürften die Kosten seit der Erhebung für 2003 deutlich gestiegen sein, obwohl manche Umfragen ein Sinken des Raucheranteils in den letzten Jahren hindeuten. "Seit damals wurde bei vielen weiteren Krankheiten ein Zusammenhang mit dem Rauchen nachgewiesen. Wir sind damals sehr vorsichtig vorgegangen und haben nur jene Erkrankungen miteinberechnet, bei denen der Zusammenhang absolut sicher war", erklärt Pock. Umfragen zum Rauchverhalten hält er nicht unbedingt für zuverlässig. Stärkeres staatliches Engagement gegen das Rauchen könne dazu führen, dass weniger Raucher das bei Befragungen auch angeben. Und bei jugendlichen Rauchern liegt Österreich ohnehin nach wie vor europaweit an der Spitze.

Kommentare

Rudolf Ratmal

Bin schon gespannt, wann endlich die Pensionen an die Zigarettenpreise angepasst werden.

Die Sozialschmarotzer verbrauchen dann dafür das ganze Geld ohne für den Staat etwas zu leisten! Wer konsumiert bezaht das Dreifache!! Das müßten aber auch alle LKWs bezahlen, denn auch wir Nichtraucher atmen den ganzen Tag Gift ein!!!!

Dieter Prohaska

Auch Schweinsbraten und Torten sowie High Heels und zahlreiche Sportgeräte müsste man höher besteuern!

Lautgedacht melden

Einfach ein Bonus Malus System, wer ungesund lebt zahlt mehr Beiträge. Eigenverantwortung sollte im Vordergrund stehen. Es ist niemand gezwungen zu rauchen und auf andere Weise seine Gesundheit zu schädigen. Wer es denoch macht soll dann nicht auch noch die Allgemeinheit belasten. Es kann jeder krank werden, dafür ist das System da. Aber nicht für jene denen alles egal ist.

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Bei der SVA ist das schon längst der Fall. Selbstbehalt sind 20%, wer seine Gesundenuntersuchung und seine Gesundheitsziele erreicht muss nur mehr 10% bezahlen.

...Und müssten Alkoholiker die Folgen Ihrer Sucht tragen, die ja nicht nur Sie selbst, sondern Unfallopfer und Folgeschäden von Familienangehörigen (Frau, Kinder und alle anderen Beteiligten) betreffen, müsste die Flasche (0,7l) Wein wohl 100 bis 150 Eure kosten und das Bier und der Schnaps ...uneinschätzbar hochpreisig sein, gell Herr Pock?

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