Paul Gludovatz von

Im Unruhestand

"In Österreich muss man die Papp'n halten", erklärt der Fußball-Opa

Paul Gludovatz kratzt sich an seinem rechten Ohr. © Bild: GEPA pictures/Guenter Floeck

Mit 27 Arbeitsjahren im ÖFB ist er der "Opa" der neuen österreichischen Fußballergeneration. Nicht weniger als 13 der aktuell 18 Deutschland-Legionäre sind durch seine Fußballschule gegangen. Unzählige weitere Bundesliga-Kicker betreute der pensionierte Lehrer als ÖFB-Nachwuchsteamchef. Doch der 66-Jährige könnte ebenso als Leiter einer Genussreise durch das Südburgenland sein Geld verdienen. Dem NEWS-Team bringt der Burgenlandkroate nach einem Besuch bei einem idyllischen Buschenschank mit Blick ins benachbarte Ungarn und seinem eigenen Weinkeller die lokalen Köstlichkeiten vom Uhudlereis bis zur Uhudlerschokolade näher. Nach seiner Trennung von Sturm Graz im Juni ist Gludovatz bereit für neue Herausforderungen.

NEWS: Sie sind nach 47 Arbeitsjahren am 1. Juli offiziell in Pension gegangen. Wie geht es Ihnen damit?

Gludovatz: Ich bin sehr aktiv. Von meinen Töchtern habe ich Berge an Büchern bekommen, vor kurzem wieder einen Henning- Mankell-Krimi gelesen, auch Paulo Coelho und Eugen Freund gehören jetzt zu meiner Welt. Ich könnte mich schon an die Pension gewöhnen. Aber ich werde dem Fußball erhalten bleiben. Nur das Wie ist die Frage. Meine Kontakte habe ich in der letzten Zeit wieder verstärkt, mir viele Spiele angesehen. Ich habe nie aufgehört mit dem Fußball. Denn ich habe nach wie vor eine sehr große Zuneigung zu meinem Hobby, das ich zu meinem Beruf machen durfte.

NEWS: Sie hatten als ÖFB-Nachwuchschef beinahe den gesamten Kader der aktuellen Nationalmannschaft unter Ihren Fittichen. Hat das Team Chancen auf die Qualifikation für die WM in Brasilien?

Gludovatz: Wir können das schaffen und brauchen nicht einmal Glück dazu. In den letzten Jahren haben wir unsere Infrastruktur klar verbessert. Es geht in der Qualifikation vor allem um die Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen. Zudem haben wir nun mit unseren Legionären in Deutschland viele Spieler in einer starken Liga. Länder wie Schweden und Irland, die an einer EM oder WM teilgenommen haben, starten oft mit Problemen in die darauffolgende Qualifikation für das nächste Großturnier. Das könnte eine zusätzliche Chance sein.

NEWS: Wie beurteilen Sie die Arbeit von Marcel Koller?

Gludovatz: Er setzt auf eine ausgewogene Balance zwischen Defensive und Offensive. Und auf Organisation, Disziplin und Laufstärke. Das gefällt mir. Aber im Endeffekt wird der Teamtrainer immer nach Resultaten beurteilt.

NEWS: Wie könnte man unsere Bundesliga stärken?

Gludovatz: Wir arbeiten in Österreich gegen die Biologie der Spieler. Es bleibt zu wenig Zeit zur Regeneration und für die physiologische Entwicklung der Spieler. Ich bin dafür, den Meisterschaftsbetrieb von 36 auf 32 Spiele zu reduzieren, unter Beibehaltung der Zehnerligen. Es interessiert wenige, wenn Mattersburg viermal im Jahr gegen Wiener Neustadt spielt. Dazu wären auch die dritten Ligen einzubeziehen. Es darf nicht sein, dass ein ungeschlagener Regionalligameister wie Wattens nicht direkt aufsteigen kann. Auch Timeouts wären sinnvoll. Einmal pro Team und Halbzeit. Rücktäusche haben sich in der Nachwuchsliga bewährt. Ein verletzter Spieler könnte kurz behandelt werden, um später wieder eingewechselt zu werden. Wir glauben im Fußball, dass wir die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben. Aber das soll ja nicht nur im Fußball so sein.

NEWS: Wie sehen Sie die Entwicklung bei Sturm Graz?

Gludovatz: Ich stehe nach wie vor in regem Austausch mit Peter Hyballa. Ich sehe, dass bei Sturm sportliche Führung notwendig ist, weil man bei der konzeptionellen Idee aus der Spur gekommen ist. Aber in Österreich muss man die "Papp'n" halten, darf keine konstruktive Kritik äußern. Oft reden wir, als wären wir schon Weltmeister, dadurch ist keine Luft mehr nach oben

NEWS: Spielt Geld Fußball?

Gludovatz: Mein sehr geschätzter Co-Trainer in Ried und in einigen Nationalteams, Gerhard Schweitzer, und ich sind zu einem Stürmer aus der vierten deutschen Liga gefahren, um ihn ins Innviertel zu holen. Der hat nur gefragt: "Wo ist das, und wie viel kann man da verdienen?" Und Ried konnte mit seiner Gage, die er in der vierten deutschen Liga bekommt, nicht mithalten. Das werde ich nie vergessen.

NEWS: Stronach sucht noch Mitstreiter für seine Partei.

Gludovatz: Ich bin ein politisch denkender Mensch. Mit Frank Stronach verbindet mich Kanada. Als wir 2007 bei der U20-WM waren, hat er mich eingeladen. Er sprühte nur so vor Ideen. Aber als Aushängeschild für irgendeine Partei sehe ich mich nicht. Ich unterstütze jedoch beispielsweise die Bildungsinitiative.

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Kommentare

Bitte Herr Gludovatz verschonen sie mich mit ihren Kommentaren,
seit sie Herrn Franco Foda bei Sturm Graz rausgeschmissen
haben, kann ich von ihnen keine Kommentare mehr lesen. Was
sie da als ehemaliger Trainerkollege getan haben, war einfach
Verrat.

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