Opernkritik von

Ein österreichischer Tristan in Rom

Oper in Rom eröffnet Saison mit Wagners „Tristan und Isolde“ mit Andreas Schager

Tristan und Isolde © Bild: Opera di Roma

Seit er bei Daniel Barenboim in Wagners „Götterdämmerung“ eingesprungen ist, zählt Andreas Schager zu den gefragtesten Heldentenören. Das ist drei Jahre her. Die Aufführungsserie von „Tristan und Isolde“ unter Daniele Gattis ekstatischem Dirigat zeigt, weshalb.

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Ekstase, Emotion und Effekt, wie sie der Italiener Daniele Gatti am Pult des Orchesters des Teatro dell’ Opera bei Richard Wagners „Tristan und Isolde“ entfesselte, überwältigen. Doch um dermaßen gewaltigen Klangwogen in einer Aufführungsserie standzuhalten, bedarf es eines echten Heldentenors wie Andreas Schager. Auch nach drei Vorstellungen gab er einen Tristan ohne, dass sein klarer Tenor etwas vom Reichtum an Farben eingebüßt hätte. Vor allem im Liebesduett im zweiten Aufzug erinnerte Schagers Ausdruckskraft und Färbung an den legendären Wolfgang Windgassen. Ginge es um einen Zweikampf, Dirigent gegen Tenor, hätte Schager den eindeutig für sich entschieden. Gatti forderte mit seinen oft ungewöhnlich, lang gezogenen Tempi von Orchester und Sängern nahezu Übermenschliches. Auf das Musizieren im Graben wirkte sich das keineswegs schlecht aus. Das Orchester des Teatro dell’ Opera überzeugte mit Kraft, Ausdruck und eindrucksvollen Soli, wie vom Englischhorn im dritten Aufzug.

Tristan und Isolde
© Opera di Roma

Auf der Bühne verfügten jedoch nicht alle über die Kraft Schagers, an dessen Seite sich Rachel Nichols als Isolde wacker durch die ersten beiden Aufzüge schlug, jedoch im dritten Aufzug ihre Grenzen erreicht hatte und sich beim „Mild und leise“ in schrille Tönen verirrte.
Neben Schager sorgte der Kanadier John Relyea mit seinem klar geführten Bass-Bariton als König Marke für ein weiteres Ereignis. Michelle Breedt gab eine vorzügliche Brangäne und Brett Polegato einen soliden und souveränen Kurwenal. Gregor Bonfatti (Hirt) und Gianfranco Montresor (Steuermann) ergänzen ideal. Wie eine Luxusbesetzung mutet Rainer Trosts Seemann an. In der Partie des Melot bewährte sich Andrew Rees stimmlich und darstellerisch als dämonische Kunstfigur.

Tristan und Isolde
© Opera di Roma

Und ja, die Regie: Aus dem Theatre des Champs-Élysées in Paris brachte man Pierre Audis nicht in jeder Hinsicht nachvollziehbare Inszenierung nach Rom. Ein schwarzes Quadrat – wie von Kasimir Malewitsch – steht zu Beginn auf Christof Hetzers praktikabler Bühne. Überdimensionale Knochen überragen im zweiten Aufzug den Treffpunkt von Tristan und Isolde, die Audi nicht zusammenkommen lässt. Weshalb erklärt er die Inszenierung ebenso wenig wie Tristans Auftritt im dritten Aufzug, der als Sterbender noch mit der Kraft des jungen Siegfried über die Bühne springen muss. Wenn Isolde jedoch nach dem sogenannten „Liebestod“ in einem kalt-gleißenden, weißen Gegenlicht entschwindet, lässt diese Inszenierung spüren, hier gibt es keine Fragen mehr.

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