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Arbeit für
die Allgemeinheit

Leitartikel - Arbeit für
die Allgemeinheit © Bild: Matt Observe

Allgemeine Wehrpflicht oder soziales Dienstjahr? Deutschland diskutiert über den Sinn davon - zu Recht

In der Diskussion um Sinn und Unsinn einer allgemeinen Wehrpflicht oder eines verpflichtenden sozialen Jahres für junge Menschen sollte nicht nur der reine Verteidigungsmodus eines Landes berücksichtigt werden. Man kann davon ausgehen, dass ein Berufsheer für die reale Verteidigung eines Landes professioneller und gescheiter ist. Erwiesen ist das freilich nicht. Man kann es aber auch so machen wie Österreich, das eine Light-Variante des Wehrdienstes mit sechs Monaten Wehrpflicht für Männer fährt. Ob das ausreicht, um das Land im Ernstfall zu schützen, darf bezweifelt werden. Aber immerhin treten in Österreich junge Männer Jahr für Jahr ihren Pflichtdienst an.

Das ist in Deutschland seit sieben Jahren nicht mehr der Fall, in Italien seit zwölf Jahren nicht mehr. Nun hat CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer den Vorschlag gemacht, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen, abgeändert in eine allgemeine Dienstpflicht. Und das für alle, Männer und Frauen. Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, unter dem die Wehrpflicht 2011 abgeschafft wurde, hält davon wenig, weil dies zu rechtlichen Problemen führen könne. Schließlich könne niemand zu Zwangsarbeit verpflichtet werden. Da mag er Recht haben. Wenn es um Zwangsarbeit ginge.

Ein soziales Jahr für junge Menschen wäre ein echter Kitt für die Gesellschaft, die immer mehr auseinanderbricht. Statt Smartphone und Videogames könnten es vielleicht mal Krankenbett und Dienst an alten Menschen sein, ein Schritt ins reale Leben. Darf man jungen Menschen so etwas nicht zumuten? Ein bisschen Verantwortung zu übernehmen in der Gesellschaft? Ein bisschen wegkommen von dem reinen Ego-Dienst? Ich, ich, ich: Das sind die heute wohl am häufigsten ausgesprochenen Worte. Ich muss mich verwirklichen. Ich bin sowieso in allem die/der Beste. Es ist unglaublich, wie sehr sich junge Menschen heutzutage um sich selber drehen - und sie sind meist nicht einmal schuld daran. Wir lassen sie zu oft allein im Regen stehen. Die Eltern kommen häufig durch die Rasanz der Veränderung, insbesondere der digitalen, selbst nicht mehr so richtig zurecht und müssen schauen, wo sie selbst bleiben.

Da wäre doch ein Jahr sozialer Dienst für alle ein schöner Ausgangspunkt, um junge Menschen, die hier geboren wurden, auch einmal an ihre gesellschaftlichen Pflichten zu erinnern und andere, die zugezogen sind, durch ein Sozialjahr besser in die neue Gesellschaft einzubinden.

Nein, das Jahr wird niemandem schaden. Es ist an der Zeit, dass alle Verantwortung übernehmen und Eltern, die Kindern keine Grenzen aufzeigen und sie zu perfekten Möchtegern-Stars aufziehen, vom Staat auch Grenzen auferlegt bekommen. Es mag spät sein, mit 18 Jahren im Wehrdienst oder Sozialdienst Disziplin und Ordnung zu lernen. Aber es ist nie zu spät, Hauptsache, man macht es.

Deshalb ist der Vorschlag von Verteidigungsminister Mario Kunasek, den Wehrdienst in Österreich wieder von sechs auf acht Monate zu verlängern, kein schlechter. Ein allgemeiner sozialer Dienst für die Gesellschaft sollte für alle gelten: Männer und Frauen. Weil der soziale Zusammenhalt, der dadurch gefördert wird, weder männlich noch weiblich ist.

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Kommentare

ste1
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Das mit dem sozialen Kitt in der Gesellschaft ist ein wichtiger Gedanke. Ich bin aber dagegen, dass man die Schüler ein Jahr hart aus ihrem bisherigen Leben herausreißt. Zuerst möchte man sie in Gymnasien zu Höchstleistungen heranzüchten und dann lässt man sie beim Militär intellektuell im Stich. Man sollte es eher so Regeln, dass man während des Studiums eine verpflichtende geringfügige soziale N

ste1
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Nebenbeschäftigung machen muss. Die Studenten hätten so etwas mehr Geld, kämen mit der Praxis in Unternehmen in Kontakt, würden Kontakte schließen.

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