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Einmal tief
Luft holen

Leitartikel - Einmal tief
Luft holen
© Bild: Matt Observe

Die Klimakonferenz in Kattowitz sollte uns daran erinnern, dass wir alle unseren Umgang mit der Umwelt ändern müssen

Vor vier Wochen haben wir ein Bild eines Desasters auf das Titelblatt gehoben, das Bild einer Skipiste mit schmalem weißem Schneestreifen umgeben von grünen Wiesen -im Skimekka Kitzbühel. Ein Zeichen dafür, wie sehr wir alle vom Klimawandel betroffen sind. Da trifft es sich gut, dass Arnold Schwarzenegger in Kattowitz beim Klimagipfel davon spricht, dass Donald Trump "meschugge" ist. Der US-Präsident hat erklärt, dass es den Klimawandel nicht gibt. Es ist ein schwerer Schlag im Bemühen um besseres Klima, dass die USA nicht mehr beim Weltklimagipfel vertreten sind.

Mit Kattowitz wurde ein aussagekräftiger Ort als Austragungsort für den Klimagipfel gewählt. Kattowitz ist Kohle-,Stahl-und Bergbaustadt -mitten im Herzen der polnischen Industrieproduktion. Kattowitz ist aber auch Smog-Stadt par excellence. Mitten im Zentrum der Kohlelobby soll also eine entschiedenere Vorgangsweise gegen den zu hohen Ausstoß von umwelt-und gesundheitsschädlichen Treibhausgasen gefunden werden.

Zwischen den Szenarien top oder flop kann die Konferenz auch einen sinnvollen Weg dazwischen finden. Derzeit schleudern wir weltweit jährlich rund 24 Billionen Tonnen Treibhausgase in die Luft. Und sollten uns auf eine Erwärmung von bis zu zwei Grad festlegen. Auch das wird nicht reichen. Besser wäre es freilich, die schädlichen Ausstöße zu senken. Dem widerspricht gleichwohl die mangelnde Einsicht großer Emittenten wie den USA, China oder Russland, sich überhaupt mit dem Kapitel Klimawandel auseinanderzusetzen. Was tun? Plastiksackerln abzuschaffen, wie jüngst von Umweltministerin Elisabeth Köstinger vorgeschlagen, ist gut und recht, kann aber nur ein Detail am Weg zur ernsthaften Verminderung der weltweit grassierenden Umweltverschmutzung sein. Das heißt: Wir alle müssen ran. Staaten müssen Rahmenbedingungen schaffen, um den Bürgern umweltfreundliches Verhalten zu erleichtern. Bürger müssen sich an der Nase nehmen und etwa ihr Auto öfter stehenlassen.

Das ist das eigentliche Stichwort: Den Klimawandel zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen ist angesichts der Unwetter, Katastrophen und Erderwärmung eine Notwendigkeit, die jedem klar sein sollte. Ein wichtiger Anteil an der klimatischen Verbesserung ist freilich das Verhalten der Menschen. Sich zurückbesinnen auf alte Werte, ist in diesem Zusammenhang nicht altmodisch, sondern geradezu innovativ. Das hieße, Gemüse und Früchte essen, die in der Region gerade wachsen und reifen und beispielsweise auf Erdbeeren mitten im Winter zu verzichten. Das mag putzig klingen, birgt aber Potenzial.

Wirtschaftskreisläufe haben große Auswirkungen auf das Klima. Nicht nur Schornsteine alter Kohlekraftwerke verursachen Dreck und schlechte Luft, auch die zum Teil absurd gewordenen Produktionsabläufe in einer globalisierten Welt belasten das Klima schwer. Warum muss ein T-Shirt immer weniger kosten und immer mehr Kinder in armen Ländern zu Arbeit treiben? Vor einigen Jahren kam ein Trend in Mode, der immer noch anhält -"Geiz ist geil" ist kein Motto, das wir verfolgen sollten.

Weil dieser Geiz am Ende viel Geld, Lebensqualität und auch Menschenleben kosten wird.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: mitterstieler.esther@news.at

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