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Dominik Paris gewinnt Abfahrt

Der 23-Jähriger Italiener triumphiert vor dem Kanadier Erik Guay und Hannes Reichelt

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    Kaiserwetter und zehntausende Fans verwandelten die Abfahrt in ein Volksfest.

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    Der verdiente Jubel des ersten italienischen Kitz-Siegers seit Kristian Ghedina.

Dominik Paris hat in Kitzbühel für eine kleine Überraschung gesorgt: An Stelle eines der hochgehandelten Favorit raste der Italiener auf der legendären Streif zum großen Triumph. Der Südtiroler setzte sich nach einem Krimi erster Klasse vor gut und gerne 40.000 Zuschauern 0,13 Sekunden vor dem Kanadier Erik Guay sowie 0,36 vor dem Österreicher Hannes Reichelt durch. Für Paris war es der zweite Weltcup-Sieg, als Fünfter löste der Kärntner Max Franz wohl sein Abfahrts-WM-Ticket.

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Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Paris ex aequo mit Reichelt in Bormio das engste Weltcup-Rennen der Geschichte für sich entschieden. In Kitzbühel bewies der fast 100 Kilo schwere Lackel aus Ulten, dass er auf den schwersten Pisten der Welt besonders stark ist. In der entscheidenden Querfahrt vor dem Ziel holte der 23-Jährige beim spektakulärsten Skirennen der Welt die letztlich entscheidenden Hundertstel auf Guay und Reichelt heraus.

Mit Startnummer 20 raste Paris auf der 3.312 Meter langen "Eisplatte"und vor viel Top-Prominenz wie Arnold Schwarzenegger just zu jener Zeit in Richtung Kitzbühel, als eigentlich sein nach dem Trainings-Skandal "zurückversetzter" Landsmann Christof Innerhofer mit Nummer 19 hätte fahren sollen.

"Ich habe noch keine Worte. Es ist unglaublich", rang Dominik Paris nach seinem Triumph um Fassung. "Es ist der Traum eines jeden Abfahrers, hier einmal zu gewinnen", erklärte der Italiener. Die WM in Schladming kann jetzt natürlich gerne kommen. "Vielleicht funktioniert's ja und ich fahre auch dort vorne mit", hofft Paris. Er könne jedenfalls "ganz relaxed" in die Steiermark fahren.

Innerhofer mit kapitalem Fehler
Super-G-Weltmeister Innerhofer fuhr erst nach Nummer 45 und wurde nach oberer Bestzeit aber dann mit einem "Riesenbock" nur 20. Wie wichtig ein zeitgerechter Start gewesen wäre bewies, das die Nummer 20 vor 21 und 22 gewann. Der Slowene Andrej Sporn kam mit Nummer 23 als Vierter ins Ziel, wurde aber wegen irregulärer Skischuhe disqualifiziert.

"Ich kann es fast nicht glauben. Am Hausberg bin ich richtig ins Fahren gekommen. Das ist schöner als Bormio, denn es ist der Traum eines jeden Abfahrers, hier ein Mal zu gewinnen", frohlockte Paris. Dabei hatte es ihn im Training noch sehr "gefuchst". "Ich habe etwas ausprobiert, das ist aufgegangen", betonte der Triumphator.

Nach dem Innerhofer-Eklat setzte sich am Ende damit erst recht ein Südtiroler im Kampf um die 70.000 Euro Preisgeld durch. Es war der erst zweite italienische Streif-Abfahrtssieg überhaupt. Super-G-Sieger Aksel Lund Svindal verpasste hingegen als Neunter das erhoffte "Double" klar und die Österreicher warten nun seit bereits sieben Jahren auf einen Heimtriumph in der Abfahrt.

Reichelt vergibt Siegchance
Dabei hätten es mehrere drauf gehabt, nach fünf Schweizer Siegen in Folge die Serie zu brechen. Am ehesten Reichelt, der trotz verpatzter Steilhang-Ausfahrt schneller als Paris auf die Traverse zusteuerte. "Dann bin ich einen Meter zu weit runter gesprungen und habe keine Richtung mehr 'dermacht'", erklärte der Salzburger, warum ihm dann der entscheidende Speed im Zielschuss gefehlt hatte. Paris hatte dort 142 km/h drauf, Reichelt "nur" 135.

"Ich bin volles Risiko gegangen, ich habe gleich gewusst, dass das nix Gutes bedeutet", bedauerte Reichelt. Nach dem Sieg in Bormio und nun dritten Plätzen in Wengen und "Kitz" ist der Radstädter dennoch Österreichs derzeit stärkster Abfahrer. "Ich bin gut in Form. Es war auch keine schlechte Fahrt. Nur die Traverse muss ich nächstes Jahr besser machen", sagte der 32-Jährige.

Reichelt kein Abfahrer
"Ich sehe mich nicht als richtiger Abfahrer. So ein wilder Hund bin ich nicht", wiegelte der Salzburger vor dem Rennen auf der Streif ab. "Okay, bis zur Traverse bin ich ein Abfahrer gewesen", meinte er danach. "Oben und unten war meine Fahrt sehr beherzt, aber in der Traverse hat das Herzerl bluten müssen. Ganz ehrlich, als ich abgeschwungen habe, habe ich mich auf mehr Rückstand und eine schlimmere Platzierung vorbereitet. Weil ich gewusst habe, dass ich in der Steilhang-Ausfahrt tiefer war als im Training. Und auch in der Traverse bin ich gescheit tief gewesen", erzählte der Radstädter. Er habe in der Traverse riskiert: "Wenn ich höher bin, kann ich das Rennen gewinnen", wusste er.

Die auch die offiziell 42.000 Zuschauer bei Traumwetter zu schätzen wussten. "Es war unglaublich, ich habe die Fans bis zum ersten Tor schreien gehört. Das war Gänsehaut pur. Da habe ich mir gesagt: 'So jetzt konzentrier dich gefälligst, Bursche. Die Mausefalle ist schneller da, als du meinst'." Er freue sich, dass er den Fans etwas zurückgeben konnte. "Sie haben sich zumindest ein Stockerl erwartet. Sie hätten gerne den Sieg gesehen, aber Südtirol gehört ja auch fast zu Österreich."

Starkes Franz-Comeback
Max Franz lieferte beim erst zweiten Weltcup-Auftritt nach dem USA-Sturz und Comeback eine brillante Leistung ab. "Wahnsinn. Es ist alles ineinandergelaufen. Gestern war kein guter Tag für mich, heute umso mehr", lautete der erfreute Kommentar des 23-jährigen Kärntners.

Hinter Reichelt (3.) und Franz (5.) kamen mit Klaus Kröll (6.) und Georg Streitberger (8.) zwei weitere ÖSV-Asse in die Top-Ten. "Ich habe in der Traverse zu viel auf Höhe gehalten", trauerte Kröll einem besseren Platz nach. "Ich habe schnell gespürt, dass das heute nicht optimal war."

Abfahrtsteam für WM offen
Ob dieses Quartett das österreichische WM-Abfahrtsteam darstellt, ist aber nach wie vor offen. Nur Reichelt und Kröll sind weiter fix. Romed Baumann (14.) fuhr lange auf einen Spitzenplatz zu, verpatzte aber ebenfalls die Einfahrt zur Traverse. Seine Karten verschlechtert hat Florian Scheiber nach einem Sturz.

Wie gefährlich die eisige und rippige Streif trotz des Prachtwetters auch diesmal war, bewiesen mehrere Unterbrechungen. Etwa nach dem "Salto" des Südtirolers Peter Fill in der Steilhang-Ausfahrt, wo ihn nur das hohe Netz vor Böserem bewahrte. Ähnlich bei Johan Clarey, der in der Schrägfahrt mit aussichtsreicher Zwischenzeit ins B-Netz schlitterte.

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