Kämpfer mit Herz und Manieren: Matthias Lanzinger hatte im Skisport noch Großes vor

Hätte Lücke hinter älteren Abfahrern schließen sollen Durch fatalen Sturz ging Weltcup-Karriere zu Ende

Matthias Lanzinger ist einer aus jener ÖSV-Garde, die auf dem Speed-Sektor die Lücke hinter den älteren Spezialisten hätte schließen sollen. An dem Tag, an dem sein Salzburger Freund, Zimmer- und Markenkollege Georg Streitberger in Norwegen sein erstes alpines Ski-Weltcuprennen gewann, ging durch einen fatalen Sturz für den 27-jährigen Lanzinger die Weltcup-Karriere zu Ende.

Kämpfer mit Herz und Manieren: Matthias Lanzinger hatte im Skisport noch Großes vor © Bild: APA/Techt

Wenn den am 9. Dezember 1980 geborenen und wie David Zwilling und Alexandra Meissnitzer aus Abtenau stammenden Matthias Lanzinger etwas auszeichnet, dann ist es Kampfgeist. Seit 1997 ÖSV-Mitglied, hatte "Lanzi" mit 27 Jahren gerade mal einen Podestplatz (3. Super-G Beaver Creek 2005) zu Buche stehen. Aufgeben war aber beim Motorrad-Liebhaber und Zeitsoldaten (Korporal), der mit Langzeit-Freundin Eva in Salzburg-Stadt wohnt und zwei ältere Schwestern hat, nie ein Thema gewesen. Auch nicht nach dem 2004 erlittenen Schicksalsschlag durch den Tod seines Vaters.

"Was ihn ausmacht ist seine Persönlichkeit"
Lanzingers Gruppentrainer Jürgen Kriechbaum ist ein jahrelanger Begleiter Lanzingers, hat den Skisportler vom Nachwuchs weg als Lehrer und Trainer durch die Schule im Skigymnasium Stams, wo Lanzinger auch maturiert hat, über den Europacup bis in den Weltcup begleitet, wo er als Chef der sogenannten "WC3" auch wieder Coach Lanzingers war. "Was ihn ausmacht, ist seine Persönlichkeit. Ein netter und zuvorkommender Mensch und eine riesige Kämpfernatur. Er hat sich seinen ganzen Karriereweg wirklich hart erarbeitet und nie aufgegeben", betonte Kriechbaum. "Der Skisport war seine ganze Welt und ich bin sicher, auch er hätte das geschafft, was Streitberger gelungen ist."

Junioren-Weltmeister, Fixplatz im Weltcup
2000 wurde Lanzinger in Quebec Junioren-Weltmeister in der Kombination und schaffte den Aufstieg in den Europacup. 2004 sicherte er sich mit Platz zwei in der Europacup-Super-G-Wertung seinen Fixplatz im Weltcup und prompt den Sprung ins Übersee-Team, wo er am 28. November in Lake Louise sein erstes Weltcuprennen bestritt und auf Anhieb im Super-G Platz zwölf belegte. Ein Jahr später erfolgte wieder in Nordamerika Lanzingers erster und einziger Podestplatz.

Ein Erfolg, den er danach nicht wiederholen konnte, obwohl er 2006 auf Fischer-Ski wechselte. Eine Marke, mit der seine Gruppenkollegen Christoph Gruber, Hannes Reichelt und Streitberger die aktuellsten drei ÖSV-Siege geholt haben. "Matthias hat immer kleine Schritte gemacht. Dafür hat er sich zuletzt auch auf hohem Niveau im Riesentorlauf etabliert, wie der zehnte Platz in Sölden bewies", erklärte Kriechbaum.

Handbruch in Vorbereitungsphase
Die Saison 2007/2008 hatte für Lanzinger schon unglücklich begonnen. Im Training in Sun Peaks zog sich der Salzburger Mitte November einen Mittelhandknochen-Bruch beim rechten Daumen zu. Typisch Lanzinger trat der Abtenauer kurz darauf in Beaver Creek mit einer Manschette schon wieder zu Weltcuprennen an. In seinem 38. Weltcup-Rennen am vergangenen Sonntag stürzte Lanzinger so schwer, dass er einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie Gefäßverletzungen erlitt. Zwei Tage später musste man ihm den linken Unterschenkel amputieren, um sein junges Leben zu retten.

(apa/red)