Interview von

Jo Nesbo: "Ich
lese selten Krimis"

Interview - Jo Nesbo: "Ich
lese selten Krimis" © Bild: Daniel ROLAND / AFP

Einer der bekanntesten Krimiautoren ist der Norweger Jo Nesbo. Selbst greift Nesbo selten zu Krimis.

Krimis aus Skandinavien sind meist Erfolgsgaranten. Einer der bekanntesten Autoren ist der Norweger Jo Nesbo, der aktuell auch auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast ist. Erst kürzlich ist sein neuester Roman "Messer" erschienen, der erneut nichts für schwache Nerven ist. Mit der dpa sprach Nesbo über die Zukunft seines Ermittlers Harry Hole, Erfolgsrezepte und seinen Kampf gegen Analphabetismus.

Harry Hole löst in "Messer" bereits seinen zwölften Fall. Am Ende sitzt er am Flughafen und würfelt, wie sein Leben weitergeht. Haben Sie schon über seine Zukunft entschieden?
Jo Nesbo: Ja, vor vielen Jahren. Nach dem dritten Buch habe ich eine Storyline für sein berufliches und privates Leben gemacht, wie die Geschichte im Groben weitergeht. Neun Bücher später halte ich mich noch immer an diesen Plan. Ich weiß also, wie es weitergeht, aber nicht im Detail.

Sie arbeiten ohnehin sehr strukturiert. Sie schreiben für jedes Buch einen Plot und arbeiten dann nach bestimmten Regeln weiter. Wie funktioniert das?
Es gibt bestimmte Regeln für unterschiedliche Arten von Texten. Für die Harry-Hole-Serie lautet die Regel: Ich springe nicht hin und her, um im Kopf jeder Figur zu sein. Ich setze den Leser ins Zimmer, wie eine Fliege an der Wand. Aber eben an der Wand und nicht im Gehirn von jemandem. Als Musiker schreibe ich auch Popsongs. Da lautet die Regel: Drei Verse und dann kommt der Refrain.

» Ich lese selten Krimis«

Was macht Skandinavien-Krimis Ihrer Meinung nach so erfolgreich?
Ich habe keine Ahnung. Ich lese selten Krimis.

Was lesen Sie denn gerne? Lesen Sie überhaupt?
Als Kind und Jugendlicher habe ich sehr viel gelesen. Meine Mutter war Bibliothekarin und hat immer viele Bücher mit nach Hause gebracht. Als ich selbst anfing zu schreiben, habe ich aufgehört zu lesen. Erst vor ein paar Jahren habe ich wieder damit angefangen - und mich gefragt, warum ich damit aufgehört hatte. Jetzt lese ich wieder sehr, sehr viel.

Viele Ihrer Bücher wurden verfilmt oder sollen verfilmt werden. Die Hollywood-Produktion von "Blood on Snow" sollte 2020 herauskommen. Wissen Sie mehr darüber?
Ich verfolge das eigentlich nicht. Die Regel bei Filmen lautet: Es wird nichts draus. Das ist jedenfalls das, was meistens passiert. Ich konzentriere mich auf das Schreiben. Wenn junge Autoren die Rechte an ihren Büchern verkaufen, gebe ich ihnen meist einen Rat: Glaub nicht dran, es klappt nicht. Und falls doch: Sieh es als Bonus.

Harry Hole ist nicht nur ein Ermittler mit problematischem Charakter, er ist auch ein Wohltäter: Sie haben eine Einrichtung namens "Harry Hole Foundation" gegründet. Was ist deren Aufgabe?
Die Stiftung bekämpft Analphabetismus in Entwicklungsländern. Sie hilft vor allem Mädchen, Bildung zu erwerben. Nicht nur, um Lesen zu lernen, sondern um etwa zehn Jahre zur Schule zu gehen. Ich habe der Stiftung die Rechte an meinen Büchern übertragen. Bisher stehen fünf Millionen Euro zur Verfügung. Ich habe mein Testament gemacht: Mein gesamtes Vermögen wird an die Stiftung gehen, wenn ich sterbe. Nach meinem Tod wird das hoffentlich eine mächtige Institution werden.

ZUR PERSON

Jo Nesbo wurde 1960 in Molde an der Westküste Norwegens geboren. Wenn er nicht auf Reisen ist, lebt er in Oslo. Er ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren der Welt und Musiker in einer Band. Als Jugendlicher wollte er Profi-Fußballer werden, nach einem Ökonomie-Studium arbeitete er zunächst als Börsenmakler. Mit seinem ersten Roman "Der Fledermausmann" erfand er den Ermittler Harry Hole, der in seinem aktuellen Roman "Messer" seinen zwölften Fall löst.

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