Heineken und Carlsberg im FORMAT-Test:
Welche Marke Aktionären besser einschenkt

Heineken ist in Österreich derzeit klarer Marktführer Carlsberg will mit der EURO zur Nummer 1 aufsteigen

Heineken und Carlsberg im FORMAT-Test:
Welche Marke Aktionären besser einschenkt © Bild: FORMAT/Heineken

Die Biermultis Heineken und Carlsberg im Aktienduell. FORMAT analysiert, welcher der beiden Braumeister seinen Aktionären besser einschenkt. Rund 32 Milliarden Krügel Bier fanden 2006 weltweit ihren Weg in trockene Kehlen. In Österreich ist Heineken durch den Kauf der Brau-Union klarer Marktführer. EURO-2008-Hauptsponsor Carlsberg war bisher in Österreich nicht vertreten, will aber dank König Fußball zur Auslands-Biermarke Nummer eins aufsteigen.

Wichtiger sind für Heineken, die weltweite Brauerei Nummer drei, und Carlsberg, die Nummer fünf, aber die Zuwächse in den Schwellenländern. Im Marketing geht das Spiel 1:1 unentschieden aus: Heineken steht bis Mai als Sponsor der European Champions League in der internationalen Auslage, im Juni geht das Werbe-Zepter an Carlsberg als Ausstatter der Fußball-EM. Ebenso remis steht es derzeit für die Aktien der beiden Bierbrauer, gemessen an den Analystenschätzungen. Jeweils 47 Prozent der Aktienexperten stufen die Papiere mit "Kaufen" ein.

Gemeinsame Übernahme von S&N
Dabei ist die Übernahme des britischen Marktführers Scottish & Newcastle (S&N), den Heineken und Carlsberg vorbehaltlich der EU-Zustimmung vom 18. März gemeinsam zum Preis von 10,5 Milliarden Euro schlucken wollen, schon berücksichtigt. Der Deal bringt Heineken laut Mark Giggs, Aktienanalyst bei JPMorgan, mittelfristig Vorteile, da die Präsenz von Portugal bis in die USA und Indien steigt. Zusätzlich winken Synergieeffekte in den nächsten vier Jahren, die 120 Millionen Pfund erreichen können. Die Investmentbank Merrill Lynch schätzt, dass sich der S&N-Deal für die Holländer ab Mitte 2008 positiv niederschlägt.

Für Heineken kann es an der Börse eng werden
Nach Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2007 in dieser Woche kann es aber besonders für Heineken, das unter anderem die Marken Amstel, Gösser, Zipfer, Tiger oder Birra Moretti unter seinem Dach vereint, an der Börse eng werden. Das Geschäft lief nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie es Börsianer gerne haben. In Zahlen: Der Umsatz des Konzerns, dessen Aktien an der Börse rund 18,5 Milliarden Euro wert sind, stieg 2007 um 6,2 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro, Analysten hatten jedoch mit sieben Prozent Zuwachs gerechnet. Und auch der operative Gewinn (EBIT) fiel mit 1,53 Milliarden Euro (minus 16,6 Prozent gegenüber 2006) schal aus. Heineken-Boss Jean-François Boxmeer findet zwei Gründe für den Ergebnisrückgang: die Geldstrafe, die wegen verbotener Preisabsprachen an die EU zu berappen ist, und das Rauchverbot in Gaststätten einiger Stammmärkte.

Carlsberg liefer erfreuliche Ergebnisse
Horst Simbürger, Fondsmanager des Volksbank Europa Invest, kennt jedoch kein Mitleid: "Heineken ist selbst schuld. Denn bei der Gewinnmarge gibt es kein Wachstum. Bei Carlsberg dagegen schon." Für Aktionäre erfreulichere Resultate lieferte am vergangenen Dienstag Carlsberg-Chef Jorgen Buhl Rasmussen, dessen Bierportfolio auch Tuborg, Holsten, Feldschlösschen und das chinesische Bier namens Wind, Flower, Snow & Moon umfasst. Der operative Gewinn stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 710 Millionen Euro. Die nun vorliegenden Ergebnisse bestätigen die Annahmen von Goldman-Sachs-Analyst Javier Gonzalez Lastra, der bereits am 5. Februar der Aktie von Carlsberg mit einem Kurspotenzial von plus 20 Prozent auf Jahressicht den Vorzug gab gegenüber dem Heineken-Papier, dem er nur plus sechs Prozent Kurschance gab.

Hoffnungsmärkte Osteuropa und Asien
Derzeit haben es alle Brauereien schwer, am hart umkämpften westeuropäischen Markt noch Extrameter zu machen und Marktanteile zu gewinnen. Deswegen mutieren Osteuropa und Asien, wo bereits rund 30 Prozent des weltweiten Bierausstoßes getrunken werden, zu den Hoffnungsträgern der Bierindustrie. In Osteuropa haben beide Streiter des FORMAT-Aktienduells ihren Fuß fest in der Tür. Dabei sorgt bei Carlsberg besonders die Beteiligung an Platzhirsch Baltic Beverages (BBH) dafür, dass die Kehlen in Russland und im Baltikum niemals trocken werden. BBH ist ein Joint Venture zwischen Carlsberg und Scottish & Newcastle. Wenn die S&N-Übernahme gelingt, wird Carlsberg Osteuropa und deren Geschäfte in Frankreich und Dänemark voll übernehmen.

Preiserhöhungen an Konsumenten abgewälzt
Teures Aluminium und Gerstenmalz heben die Kosten. Die Bierbranche kommt wegen der Kostenspirale bei Aluminium und Gerstenmalz schwer unter Druck. In Summe ist 2008 ein Anstieg der Rohstoffkosten in Höhe von 15 Prozent an Biertrinker mittels Preiserhöhungen abzuwälzen. Das macht Analysten wie Michael Bleakley von Credit Suisse Sorgen. Carlsberg-Chef Rasmussen kontert: "Wir haben bereits 2007 die Preise in Deutschland und Finnland um fünf Prozent erhöht, weitere Länder folgen mit Erhöhungen um vier Prozent." In Summe fällt der Ausblick der Dänen, die ihren Nettoertrag für 2008 um 20 Prozent steigern wollen, positiv aus. Bei Heineken gibt man sich dagegen bedeckt, von zukünftigen Zahlen will man nicht sprechen. Volksbank-Fondsmanager Simbürger: "Das Management hat für 2008 keinen Ausblick geliefert. Anscheinend weiß man nicht, wo es hingeht."

Fazit
Im FORMAT-Aktienduell Carlsberg gegen Heineken geht der Punktesieg an die Dänen. Den Ausschlag geben das Jahresergebnis 2007, höhere Gewinnmargen und der Ausblick für 2008. Wer bei Carlsberg Aktionär wird, hat bessere Chancen auf einige Extrakrügerln - je nach Vorliebe von Heineken oder Carlsberg.

Die ganze Story lesen Sie in FORMAT Nr. 8/08!