Wohnbau von

Günstig Wohnen immer schwieriger

Wohnbau - Günstig Wohnen immer schwieriger © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Noch sind 90 Prozent der Österreicher mit ihrer derzeitigen Wohnsituation zufrieden, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Dennoch wachse die Sorge, ob leistbares Wohnen auch für die nächste Generation möglich sein werde.

Zum Wohnungswesen in Österreich insgesamt äußern sich immerhin fast 40 Prozent kritisch und urteilen mit mäßig bis nicht zufriedenstellend. "Bei den Herausforderungen für die Zukunft geht es um die Sicherstellung von kostengünstigem Wohnraum und von leistbaren Wohnungen", fasste Studienleiterin Gabriele Reithner vom Gallup-Institut am Mittwoch in einer Pressekonferenz die Umfrageergebnisse zusammen. "Als deutliches Manko wird die Finanzierbarkeit von Wohnraum angesehen." Für die Erhebung wurden im Dezember 1.000 Österreicher repräsentativ befragt.

Ein entsprechend gutes Zeugnis stellten die Befragten dem gemeinnützigen Wohnbau aus - "70 Prozent sind der Ansicht, dass die Bedeutung in Zukunft noch zunehmen wird", so Reithner. Bei einer zuletzt 2015 durchgeführten ähnlichen Studie sei dieses Ausmaß "noch deutlich darunter gelegen".

»Gar nicht leicht, eine günstige Wohnung zu finden«

"Es ist gar nicht leicht, eine günstige Wohnung zu finden", betonte der Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), Karl Wurm. "Für alle jene, die suchen, ist der Druck enorm hoch", stellte auch der stellvertretende GBV-Obmann Alfred Graf fest. Seit der Finanzkrise seien die Regularien der Kreditinstitute so hoch geworden, "dass es den Jungen auch oft gar nicht mehr möglich ist, Eigentum zu schaffen".

Warnung vor dynamischer Preisentwicklung

Der dynamischen Preisentwicklung nach oben auf dem freien Markt muss laut Gemeinnützigen Einhalt geboten werden. Sonst drohten Entwicklungen wie in Deutschland. "Wenn sie nach Deutschland schauen, da tickt die Diskussion über leistbares Wohnen ganz anders, da wird zum Beispiel politisch diskutiert, Bestände von Vonovia (Deutschlands größtem Wohnungskonzern, Anm.) zu enteignen", berichtete der GBV-Obmann. Da sei es besser, "rechtzeitig die Hausaufgaben zu machen und auf die Kosten zu schauen". "Es ist schon die Miete, die manchen zu hoch erscheint und tatsächlich zu hoch ist", so Wurm.

Die gemeinnützigen Bauträger bräuchten dringend günstigere Grundstücke, um auch weiterhin leistbaren Wohnraum schaffen zu können. "Die Wiener Bauordnung ist so ein Beispiel - in Tirol und Salzburg werden ähnliche Dinge diskutiert", so Wurm. "Es ist notwendig das zu machen, um eine sanfte Strukturierung des Wohnungsmarktes zu erreichen", sagte er zur APA. Einfach nur mehr zu bauen, sei zu wenig. Als ordnungspolitischer Eingriff wichtig sei auch die Lenkung der Wohnbauförderung, "dass mit der Gießkanne aufgehört wird - das passiert jetzt eh". Weiters sollten Wohnungen nicht für Online-Kurzzeitvermietungen wie etwa über Airbnb verwendet werden dürfen. Das treibt die Mietpreise ebenfalls nach oben.

615.000 gemeinnützige Wohnungen

Vorsicht sei allerdings beim von der SPÖ lancierten Ruf nach einer Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Wohnen geboten: "In diesem Fall muss man sehr aufpassen und das Ganze muss von Brüssel abgesegnet werden - eventuell 'kauf' ich mir den Wegfall des Vorsteuerabzugs", warnte Wurm. Die gemeinnützigen Bauträger hätten derzeit einen Vorsteuerabzug, die Mehrwertsteuer bezieht sich auf die monatliche Miete. Werde diese gestrichen, "dann sind wir plötzlich um 20 Prozent teurer bei den Baukosten und das ist nicht, was wir im Wohnbau brauchen", bekräftigte Graf.

Österreichweit stehen derzeit den Angaben zufolge rund 615.000 gemeinnützige Mietwohnungen zur Verfügung, etwa 205.000 davon entfallen auf Wien. Hinzu kommen bundesweit rund 300.000 Gemeindewohnungen (etwa 220.000 davon in Wien). Die Bestandsmieten bei den Gemeinnützigen liegen aktuell bei 6 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat (inklusive Betriebskosten). Im Gemeindebau waren 2017 im bundesweiten Schnitt 6,40 Euro zu bezahlen, am freien Markt 8,30 Euro.

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