Paris St. Germain - Ein Käfig voller Narren

Schillernd-intrigante Weltstars, unerklärliche Hoppalas, Sex &Crime, eine sprudelnde Geldpipeline aus Katar und noch kein Return on Investment: Die jüngere Geschichte des Fußball-Franchise Paris St. Geramin entwickelt sich zur bühnenreifen Tragikomödie

von Fußball - Paris St. Germain - Ein Käfig voller Narren © Bild: Anne-Christine POUJOULAT / AFP/apa

Paris SG in aller Kürze

  • Gegründet: 1970
  • Heimstadion: "Parc des Princes" für 48.000 Zuschauer
  • Größte Erfolge: Europacupsieger der Cupsieger 1996 (1 :0 im Finale gegen Rapid in Brüssel), Champions-League- Finale 2020
  • National: 9 x französischer Meister, 14 x Cupsieger
  • Trainer: Mauricio Pochettino (Argentinien)
  • Eigentümer: Qatar Sports Investments (QSI)
  • Bisheriges Investment: Geschätzte 1,5 Milliarden Euro in zehn Jahren

Als das Champions-League-Finale (29. Mai, Porto) feststand, muss es sich für Paris Saint-Germain so sympathisch angefühlt haben wie die Frage "Pest, Cholera oder doch lieber Corona?" Denn entweder würden die arabischen "Brüder" aus Abu Dhabi, die Manchester City Finanzpower verleihen, anstelle der Franzosen den lange ersehnten ersten Titel im Königsbewerb ausufernd feiern oder Chelsea mit Trainer Thomas Tuchel gewinnen, den man erst zu Weihnachten unschön rausgekickt hatte. Selbst blieb, nach mittlerweile zehn Jahren Petrodollar-Schmiere aus Katar, wieder nur das gewohnte Dacapo von "Bonjour tristesse". Weiterhin kein Zutritt zur Beletage, zur absoluten Hautevolee des europäischen Klubfußballs.

Nur im Nachtclub unschlagbar

"Scheitern, aber zumindest künstlerisch besonders wertvoll" scheint die immer wiederkehrende Kennmelodie des Rührstücks mit den Schönwetterprofis in den Hauptrollen zu sein. Die Investoren aus der Wüste müssen längst hochgradig genervt sein von dieser Never ending Story ihrer Hochglanz-Equipe, die sich in der Weltund Modemetropole Paris zu Glamour-Auftritten verpflichtet fühlt, um dann auf dem internationalen Catwalk in den entscheidenden Momenten immer banale Aussetzer und anschließend den Blues zu haben. "Die Gruppe ist nicht verschweißt", ahnt ein Sportpsychiater mittels Ferndiagnose. Ohne Hacklermentalität bleibt das glänzendste Blingbling brotlose Kunst. Nicht einmal zwei absolute Weltstars konnten es bisher richten: Neymar, der teuerste Spieler des Planeten, und Kylian Mbappé, der schnellste.

© Thomas SAMSON / AFP/apa Egal ob das Motto Rot oder Weiß verheißt, der teuerste Fußballer der Welt zelebriert seinen Geburtstag standesgemäß
© Zakaria ABDELKAFI / AFP/apa

Neymar, der mit dem Ball im Zirkus auftreten könnte, zaubert zwar in einem Match der "Ligue 1" schon mal vier Tore ins Netz, aber die wirklich wichtigen in der Champions League hat er sich noch aufgespart. Und Mbappé, der Schützenkönig aus der Vorstadt, den "Banlieues", war schon mit 19 zu Recht gehypter Weltmeister - was seinem Appetit auf weitere höchste Weihen möglicherweise ein wenig abträglich war.

Dafür wurde das Laisser-faire in den vergangenen Jahren immer schon verdammt ernst genommen. Wenn Neymar Geburtstag feiert, dann richtig. Im Februar 2019 zu seinem 27er ließ er im Pavillon Gabriel in Champs-Élysées-Nähe für 200 Gäste eine rauschende "Nuit Rouge"(Rote Nacht) zelebrieren. Sogar seine Krücken, die er wegen einer Verletzung am rechten Fuß benötigte, waren dem Motto angepasst und daher komplett rot. Ganz in Rot sonnten sich auch die Mutter von Neymar und sein Sohn Davi Lucca im Blitzlichtgewitter.

Ein Jahr später stieg in einem Pariser Nachtclub eine Fête Blanche, wieder mit einer illustren Gästeschar, seinen Mitspielern und ihren Model-Frauen. Jeder hielt sich exakt an den Dresscode -ganz in Weiß. Auch styletechnisch will Neymar eben immer in der ersten Reihe tänzeln: "David Beckham hat mich mit seinem Tattoo hinter dem Ohr -einem Vögelchen -inspiriert. Das habe ich mir auch stechen lassen."

Sterneküche im Trainingszentrum

Die angesprochene Brit-Ikone hatte sich 2013 zum Abschluss ihrer glanzvollen Profikarriere zu einem Kurzgastspiel an die Seine bequemt. Zlatan Ibrahimović blieb länger als ein paar Monate, ganze vier Jahre, und hinterließ im schicken blauen Nike-Trikot quasi als Alleinvermarkter einer unspektakulären Liga sportlich tiefere Spuren: formidable 156 Tore in 180 Spielen zwischen 2012 und 2016. Der rote Teppich wurde daher auch diesem Superstar wie selbstverständlich ausgerollt -einem aggressiven Anführer wie ihm (Standardspruch nach jeder Station: "Ich kam, sah und siegte") schlägt man besser keinen Wunsch aus. In der Avenue Victor Hugo im 16. Arrondissement musste es für den selbsternannten Messias, seine Frau und die beiden Buben natürlich eine Wohnung über drei Etagen sein. Davor hatte die Viererbande ein wenig außerhalb, aber kaum weniger nobel, in Neuilly logiert -als Nachbarn von Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy, für fast 20 Jahre Bürgermeister dieser wohlhabenden Gemeinde.

© FRANCK FIFE / AFP/apa Selbst der göttliche Zlatan Ibrahimović konnte außerhalb der französischen Liga keine Berge versetzen. Dafür kam zumindest besseres Essen auf den Tisch

Auf dem Trainingsgelände beklagte sich Schwedens Größter eines Tages über das "Kantinenessen" - ein Tête-à-Tête mit Vereinsboss Nasser Al-Khelaifi später wurde auf "Gourmetmenüs" und "Michelin-Sterne" umgeschaltet. Ab sofort war mit Joel Robuchon ein "Koch des Jahrhunderts" für die Küchenperformance zuständig. Was letztlich auch dem Zusammenhalt unter den Spielern dienlich war -man genoss nun länger die Gegenwart der anderen Primadonnen.

Die Privilegien in Paris enden aber nicht bei Speis und Trank: Ehe Kapitän und Abwehrchef Thiago Silva nach acht Jahren und dem verlorenen Champions-League-Finale gegen die Bayern im August 2020 zu Chelsea überlief, hatten sich für den Brasilianer immer wieder überzeugende Argumente für das Wurzelschlagen gefunden: Acht Millionen netto jährlich, acht Business- Class-Flüge für ihn und seine Familie nach Rio und retour, fünf VIP-Tickets pro Heimspiel im Prinzenparkstadion und monatlich 12.000 Euro Wohngeld.

Die Katar-Connection

Ein Leben wie Gott in Frankreich, ermöglicht primär durch saftige Finanzspritzen aus Katar. Seit dem Einstieg des Staatsfonds-Ablegers Qatar Sports Investments (QSI) beim relativ jungen, nicht sonderlich ruhmreichen Hauptstadtverein 2011 ging es zumindest auf nationaler Ebene mit Titeln in Serie blitzartig bergauf. Andererseits verfolgte Paris SG nun das Odeur, "Schachfigur in einem geopolitischen Spiel" ("New York Times") zu sein, ein nützlicher Idiot, um dem kleinen Golf-Emirat die umstrittene Fußball- WM 2022 zuzuschanzen.

Bei einem mittlerweile berühmt-berüchtigten Geschäftsessen im Élysée-Palast von Staatspräsident Sarkozy mit dem damaligen UEFA-Boss Michel Platini und Emir Tamim bin Hamad Al Thani sollen 2010 Absprachen über die WM-Vergabe getroffen worden sein. Der mutmaßliche Deal: Katar kauft das verschuldete Paris SG, Platini lukriert europäische Stimmen für den Wüstenstaat. Zehn Tage später erhielt Katar tatsächlich den Zuschlag -und Platinis Sohn Laurent einen Spitzenjob: Europa-Chef einer katarischen Investorengruppe.

Sport, und zumindest das ist unbestritten, dient dem öl-und gasreichen Ministaat als Image-Pimper. Als Präsident von Paris SG ließ sich mit dem mächtigen Ämtekumulierer Nasser Al-Khelaifi immerhin ein Mann inthronisieren, der Sport nicht nur vom Hörensagen kennt, sondern einst in der Tennis-Weltrangliste bis auf Platz 995 vorgestoßen war. Österreich-Bezug inklusive: Niederlage beim ATP-Turnier von St. Pölten gegen Thomas Muster 1996.

100.000 Euro täglich für Neymar

Als bedeutender Funktionärsplayer muss sich Al-Khelaifi immer wieder vorwerfen lassen, das von der UEFA eingeforderte Financial Fairplay überaus locker auszulegen. Prominentestes Beispiel: Die Neymar-Verpflichtung 2017, die offiziell 222 Millionen Euro plus acht Millionen Ausbildungsentschädigung für seinen Ex-Klub Santos bewegte. Um nicht mehr auszugeben als fußballspezifisch einzunehmen, sollten die 222 Millionen über Neymars Vertragslaufzeit von fünf Jahren aufgeteilt werden, die üppigen Beraterhonorare detto. Durch Umsatzsteigerungen im Marketing und Sponsoring sowie durch Spielerverkäufe wollte der Klub ausgeglichen bilanzieren. Freilich wären da auch noch die fetten Überweisungen an Neymar zu stemmen: Handgeld für seine Zusatzaufgabe als WM-Botschafter Katars, 100.000 Euro täglich (!) an Grundgehalt, wie "Football Leaks" enthüllte, und ein standesgemäßes Anwesen mit 5.000 Quadratmetern Wohnfläche, fünf Etagen (und damit zwei mehr als einst Ibrahimović), Hallenbad und Billardsaal in Bougival. Weil der Brasilianer aber von Stalkern und finsteren Gestalten belagert wurde, soll er recht schnell anderswo um Luxus-Asyl angesucht haben. Freilich war es nicht das letzte Mal, dass er Opfer seiner Berühmtheit werden sollte: Im Mai 2019 endete eine "Amour fou" mit einer brasilianischen Insta- Bekanntschaft in einem Pariser Hotel mit Vergewaltigungsvorwürfen.

Auch Mbappé, der um 180 Millionen Ablöse AS Monaco abspenstig gemacht wurde, kommt PSG teuer zu stehen. Heuer wird der Stürmer mit dem Raketenantrieb mit angeblich 30 Millionen netto zugeschüttet. Für eine Verlängerung seines Vertrags über 2022 hinaus sollen dem 22-Jährigen potenziellen EURO-Star angeblich 50 Millionen geboten worden sein -so viel wie Messi und Ronaldo abgreifen und offenbar sogar mehr als Neymar, der kürzlich bis 2025 verlängerte.

Groteske Hoppalas

Mbappé und Neymar waren von Beginn an in der Offensive kongeniale Partner und Brüder im Geiste, sie necken sich abseits des Rasens wie kleine Schulbuben und wirken wie Best Buddies. Für den langmähnigen Klasse-Torjäger Edinson Cavani aus Uruguay, der schon extrem unter dem Alphamännchen Zlatan Ibrahimović gelitten hatte, war da bald kein Platz mehr. Auch wenn Neymar und Cavani schon mal gemeinsam Party machten: Unvergessen bleibt, wie sich die südamerikanischen Heißsporne um die Ausführung eines Elfmeters stritten. Nach insgesamt sieben Jahren Paris ballert sich der "Uru" nun seit einem Jahr bei Manchester United den Frust nachhaltig von der Seele.

Aber auch ohne Cavani hätte Paris heuer endlich die Endstation Sehnsucht erreichen können. Den FC Barcelona spektakulär aus dem Weg geräumt, danach an den Bayern Revanche genommen für die vorjährige Finalniederlage. Aber im Semifinale gegen den anderen großen Scheichklub Manchester City passierten zur Unzeit wieder groteske Hoppalas. Eine abgerissene Flanke, die sich ins Tor drehte, ein Freistoß, der durch ein Loch in der Mauer zischte. 1 :2 im Heimspiel nach hochverdienter 1 :0-Führung, dann 0 :2 in England, wo man sich auch noch als ganz schlechter Verlierer gerierte: Der argentinische Supertechniker Angel di Maria, im März Opfer eines Einbruchs, trat Fernandinho beim Ballholen übel nieder. Nicht das letzte Malheur im Mai: Zu Pfingsten verlor PSG auch noch den französischen Meistertitel an das Kollektiv von OSC Lille.

Spötter raten dringend zu einer Wallfahrt nach Lourdes.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der News Ausgabe Nr.21/21

Kommentare

Sabrin777

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