Erziehung von

Warum ständiges Lob
Kleinkindern schadet

Erziehung - Warum ständiges Lob
Kleinkindern schadet © Bild: imago/Westend61

Mit Lob wollen Eltern das Selbstvertrauen und die Lernmotivation ihrer Kinder fördern und bewirken damit oft genau das Gegenteil. Falsches und übermäßiges Lob schadet Kindern und setzt sie unter Druck. Richtig verwendetes Lob kann hingegen eine mächtige Waffe zur Förderung des Selbstwertgefühls der Kleinsten darstellen sind sich Erziehungsexperten einig. Die „dänische Art“ zu loben zeigt wie es geht.

Richtig loben will gelernt sein. Im Buch „Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind“ beschreiben die Autoren Jessica Joelle Alexander und Iben Dissing Sandahl wie die „dänische Art“ zu loben funktioniert.

»Ich sage meinen Kindern oft, dass sie durch harte Arbeit alles erreichen können«

Bescheidenheit ist in Dänemark ein wichtiger Wert. Bei diesem Wert gehe es darum, sich selbst so gut zu kennen, dass man keine Anerkennung von anderen Menschen braucht um sich wohl zu fühlen. Deshalb überhäufen dänische Eltern ihre Kinder nicht mit Lob und Komplimenten.


Die dänische Psychotherapeutin und Familienberaterin Iben Dissing Sandahl sagt ihren Kindern oft, dass sie durch harte Arbeit alles erreichen können. Mit Lob hingegen spart sie. Hier ein Beispiel:

Ein Beispiel für richtiges Lob

Wenn ihre Tochter eine Zeichnung hinkritzelt, wird sie nicht sagen: „Wow! Toll gemacht! Du bist ja ein richtiger Künstler!“
Sondern sie stellt ihr Fragen zu der Zeichnung: „Was ist das? Woran hast du gedacht, als du das gezeichnet hast? Warum hast du diese Farben verwendet?“

Es entspricht der dänischen Art, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, statt das Kind mit Lob zu überhäufen. Denn die Art, wie Kinder gelobt werden hat weitreichende Auswirkungen auf ihre emotionale Entwicklung.

Falsches Lob ändern die Selbsteinschätzung der Kinder

Lob habe viel damit zu tun, wie Kinder ihre eigene Intelligenz beurteilen. Wenn sie ständig dafür gelobt werden, dass sie von Natur aus intelligent oder begabt sind, würden sie eine „fixierte Haltung“ entwickeln, so die Autoren. Soll heißen: Ihre Intelligenz wird für die Kinder eine feste Größe, die sie besitzen. Solche Kinder können mit Niederlagen nur schwer umgehen.

Motivation für lebenslanges Lernen

Im Gegensatz dazu würden Kinder, denen gesagt wird, dass ihre Intelligenz durch Arbeit und Bildung wachsen kann, eine „lernorientierte Haltung“ – sie können ihre Fähigkeiten erweitern, weil sie sich anstrengen. Wenn Kinder ermutigt werden, sich auf ihre Bemühungen und nicht auf ihre Intelligenz zu konzentrieren, sehen diese in ihren Anstregungen etwas positives. Solche Kinder (und später Schüler) verstärken nach Niederlagen ihre Anstrengungen, anstatt aufzugeben.

Weitere Beispiele für richtiges, prozessbezogenes Lob

1. „Ich finde es toll wie du immer wieder versucht hast, die Puzzleteile zusammenzufügen. Du hast nicht aufgegeben und am Ende eine Möglichkeit gefunden“

2. „Du hast diesen Tanz so oft geübt, und heute hat man das wirklich gesehen! Du hast richtig gut getanzt!“

3. "Ich bin wirklich stolz auf dich, weil du dein Frühstück mit deinem Bruder geteilt hast. Es freut mich zu sehen, wie du mit anderen teilst.“

4. „Das war eine lange, schwierige Aufgabe, aber du bist dabeigeblieben und hast sie erledigt. Ich bin stolz auf dich, weil du dich gut konzentriert hast und bei der Sache geblieben bist. Gut gemacht!“