Ende einer Ära im Olympischen Komitee:
Generalsekretär Heinz Jungwirth tritt ab

Ende des Dienstverhältnisses auf öffentlichen Druck Darabos und Schröcksnadel begrüßen Entscheidung

Ende einer Ära im Olympischen Komitee:
Generalsekretär Heinz Jungwirth tritt ab

Was auf den ersten Blick wie eine bloße Personalie in der Chefetage des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als markantes Ereignis für Österreichs Wintersport: Mit dem Rücktritt Heinz Jungwirths geht die weltweit längste Amtszeit eines nationalen Generalsekretärs zu Ende. Die Bilanz dieser 27-jährigen Ära wurde speziell in den letzten Jahren stark getrübt. Sportminister Norbert Darabos und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel reagierten dementsprechend positiv und hoffnungsvoll auf Jungwirths Rücktritt.

Formell wurde die Amtsaufgabe mit einer Auflösung des Dienstvertrages durch das ÖOC abgewickelt. Präsident Leo Wallner betonte, dies sei auf eigenen Wunsch Jungwirths geschehen. "Ich habe lange mit ihm geredet und hatte das Gefühl, dass er nicht mehr möchte", erläuterte Wallner den Schritt, den der 57-jährige Jungwirth vorerst nicht kommentieren wollte.

An Missklängen rund um die Person des Wieners mangelte es in den letzten Jahren nicht. Die Blutbeutelaffäre 2002, der Dopingskandal von Turin 2006 und besonders Vorwürfe von Ungereimtheiten bei Geldflüssen zwischen dem Olympia-Förderverein und der Salzburger Olympia-Bewerbungs-GmbH verstärkten den Druck auf den Generalsekretär. Für Sportminister Norbert Darabos waren diese Vorwürfe Grund genug, um Jungwirth die Rute ins Fenster zu stellen. "Ich habe zum Generalsekretär kein Vertrauen", sagte der Minister vor wenigen Tagen.

Mit dem Rücktritt des Generalsekretärs zeigte sich Darabos folglich "sehr zufrieden". "Die Entscheidung ist richtig, denn es hat in den vergangenen Monaten zu viele Vorkommnisse gegeben, die auf die olympische Bewegung in Österreich Schatten geworfen haben", sagte Darabos.

Schröcksnadel erfreut
Erfreut zeigte sich auch ÖSV-Präsident Schröcksnadel, dessen Beziehungen zu Jungwirth seit dem Turiner Doping-Skandal um Österreichs Langläufer und Biathleten nicht die besten waren. Das ÖOC hatte nach dem Vorfällen bei den Olympischen Winterspielen 2006 das gesamte damalige Betreuerteam der Skijäger - Direktor Markus Gandler, Sportkoordinator Walter Gapp, die Trainer Walter Hörl und Alfred Eder sowie Masseur Stefan Rohrmoser - für "nicht mehr akkreditierungswürdig" erklärt. Seither bemühte sich Schröcksnadel um eine Aufhebung dieser Anordnung - blieb während der Ära Jungwirth aber ohne Erfolg.

Das Ende dieser Ära lässt nun beim ÖSV Hoffnung auf eine Revidierung des Urteils aufkeimen. "Ich hoffe, dass mit dem neuen Generalsekretär ein Umdenken einsetzt. Wenn dann jemand dort sitzt, der das korrekt sieht", betonte Schröcksnadel.

Bogner will Ruhe ins ÖOC bringen
Diese Aufgabe kommt erst einmal auf Jungwirths interimistischen Nachfolger Matthias Bogner zu. Der 42-jährige Sportdirektor des ÖOC wird dieses Amt bis auf weiteres zusätzlich zu seiner Funktion übernehmen. "Wir müssen so schnell wie möglich wieder Ruhe in das ÖOC bringen, im Sinne des gesamten heimischen Sports, denn das ÖOC ist ein Spiegelbild des Sports in Österreich", erläuterte Bogner seine erste Zielsetzung. Immerhin kündigte er an, dass er sich den "wesentlichen Problemen" widmen werde. "Dazu gehört auch das Thema Biathlon", stellt der neue ÖOC-Generalsekretär in Richtung ÖSV klar.
(red)