Ein Traum-Debüt für Fed-Cup-Kapitän Alfred Tesar

"Eigentlich könnte ich jetzt schon wieder zurücktreten"

Ein Traum-Debüt für Fed-Cup-Kapitän Alfred Tesar

Ganz im Schatten des Erfolgs seiner Mannschaft im Allgemeinen und Barbara Schwartz im Speziellen stand der neue Fed-Cup-Kapitän Alfred Tesar. Der 53-jährige Wiener, der seit 1977 als Trainer tätig ist, kam in diesem Jahr nach dem Ableben von Filip Krajcik und dem Rückzug von Judith Floimair plötzlich ganz an die Spitze. Und die Entscheidung, das Amt anzunehmen, ist ihm nicht leicht gefallen. "Meine Frau hat mich bedrängt, das zu tun", gestand der Coach am Dienstag.

Und nun feierte er ein glanzvolles Debüt, dass sicherlich durch die Umstände nach der Team-Ausbootung von Jennifer Capriati erleichtert wurde. "Es hat sich ein Steinchen an das andere gefügt", meinte Tesar. "Man hat im Training gemerkt, dass da irgendetwas lebt in der Mannschaft." So wurde von Beginn der Woche an über eine "Vision" gesprochen, die das Team zu einer Einheit verschwor. "Eigentlich", so Tesar, "könnte ich jetzt schon wieder zurücktreten."

Tesar lässt sich nicht über den Tisch ziehen
Dass sich Tesar trotz seiner zurückhaltenden Art nicht über den Tisch ziehen lässt, bewies er am vergangenen Samstag: Als Billie Jean King auf ihn zukam, und gebeten hatte, statt des stornierten Einzels das Doppel vom Sonntag vorzuziehen, lehnte er ab. "Sie wollten dem Publikum ein zweites Spiel bieten, also haben wir die Exhibition mit Daniela Kix vereinbart", meint Tesar. Die listige King wollte durch ein mögliches 1:1 nach dem ersten Tag freilich Druck von ihrem Team nehmen.

Trainer seit 25 Jahren
Doch für solche Tricks ist Tesar schon zu lange im Geschäft. Er ist seit 25 Jahren als Trainer tätig, arbeitete u.a. mit Reinhard Wawra, dann mit einer Burschengruppe. "Dann habe ich mit Barbara Schett und Sabine Haas trainiert. Da war ich am Anfang gar nicht so begeistert, das hat sich dann letztlich aber als Glücksgriff erwiesen", erinnert sich Tesar.

Mit Schett und Schwartz gearbeitet
Insgesamt drei Jahre arbeitete er mit Schett, später ebenfalls drei Jahre mit Barbara Schwartz. In beiden Fällen in einer sehr wichtigen Phase, nämlich als die Spielerinnen zwischen 15 und 18 Jahre alt waren. Schwartz' früherer Trainer Bernd Wetter habe ihm letztlich auch gut zugesprochen, die Aufgabe als Fed-Cup-Kapitän zu übernehmen.

"Ein Blick genügt"
Und gerade diese Vergangenheit erwies sich letztlich als einer der Mosaiksteine für den Sensationserfolg über die USA. Das fast blinde Zusammenspiel von Tesar mit Schwartz spielte sicher eine Rolle. "Babsi und ich kennen einander so gut, dass ein Blick genügt, um auszudrücken, was notwendig ist", meint der nun beim Wiener Tennisverband angestellte Tesar.

Arrogantes US-Team
Ähnliches ist wohl auch für Barbara Schett zu erwarten, wenn diese - wie erhofft - im Heimspiel gegen Kroatien Teil des Teams ist. Die Abwesenheit von Schett in den USA sah ÖTV-Generalsekretär Martin Reiter übrigens beinahe als Vorteil. "Ich bin nicht sicher, ob wir mit Schett gewonnen hätten. Denn nur so kam die Arroganz des US-Teams uns gegenüber zu Stande."