"Ein bisserl Glück und ein bisserl Können":
Hermann Maier nach Sieg zu Tränen gerührt

Ski-Konkurrenz streut dem Herminator wieder Rosen Superstar bereits im "Wohnzimmer" Beaver Creek

"Ein bisserl Glück und ein bisserl Können":
Hermann Maier nach Sieg zu Tränen gerührt © Bild: APA/EPA

Maier hat das Siegen nicht verlernt. Nach fast dreijähriger Pause feierte der ÖSV-Superstar im Super-G in Lake Louise seinen bereits 54. Weltcup-Erfolg, der auch ihn selbst überrascht hat. "Ich hätte keinen Cent auf einen Sieg von mir hier gesetzt", gestand Maier, der vor zwei Wochen wegen seiner Bandscheibenverletzung sogar noch einen Startverzicht in Übersee erwogen hatte.

"Unglaublich, wenn niemand mit ihm rechnet, schlägt er zu", brachte der drittplatzierte Schweizer Didier Cuche das "Phänomen Maier" auf den Punkt. "Maier ist Maier. Ich hoffe aber, er wird nicht der alte Maier, sonst sieht es schlecht für uns aus!"

Doch laut Maier besteht keine Gefahr, dass er wieder zum großen Weltcup-Dominator avanciert. "Nein, da brauchen sie keine Angst haben, das ist vergangene Zeit, der Körper gibt das nicht mehr her", betonte der "Herminator". "Aber nichtsdestotrotz ist es jetzt umso schöner und wichtiger, denn man hetzt nicht mehr von Rennen zu Rennen, um zu gewinnen. Deshalb kann ich solche Siege nun viel mehr genießen."

Ein bisserl Glück - ein bisserl Können
Der bald 36-jährige Salzburger hatte auch in den 34 Monaten der Sieglosigkeit immer an sich geglaubt. Dass es nun in Lake Louise wieder zum Sprung an die Spitze gereicht hatte, lag an mehreren Faktoren. "Ich habe endlich das umsetzen können, was nach wie vor in mir steckt, und auch sehr viel riskiert. Ein bisserl Glück gehört natürlich dazu, ein bisserl Können gehört aber auch dazu - und heute hat eben alles zusammengepasst", erklärte Maier.

Dazu hatte der Flachauer den Rat seines langjährigen Trainers und Freundes Andreas Evers befolgt und auf dem abfahrtsähnlichen, extrem schnellen Kurs auf die ganz langen Latten gesetzt. "Es war sicherlich die richtige Entscheidung, mit Abfahrtsski den Super-G hier zu bestreiten, aber es war auch ein großes Risiko. Man kann alles verlieren und alles gewinnen", wusste Maier, dass an diesem Tag auch das Motto "Wer wagt, gewinnt" auf ihn zutraf.

Maier mit neuer Startreihenfolge zufrieden
Außerdem begrüßte Maier einmal mehr, dass die Startreihenfolge in den Speed-Disziplinen endlich geändert worden ist, wodurch die besten Fahrer der Welt nicht mehr im Nachteil seien. "Ich bin früher immer mit Startnummer 30 gefahren, mit dieser Nummer haben außer mir nur wenige gewonnen. Aber jetzt mit Startnummer 10, das ist natürlich ein Unterschied", erläuterte Maier, der vor allem im unteren Teil, wo er das Rennen für sich entschied, voll attackierte. "Heute musst Du den Ski laufen lassen, mit Schön-Skifahren gewinnst Du nicht mehr."

Bei der Zieldurchfahrt wusste er zwar um seinen tollen Lauf, war sich aber lange Zeit nicht sicher gewesen, ob es tatsächlich zum Triumph reichen könnte. "Es wird ja immer am letzten Zacken gefahren, für einen Sieg muss daher sehr viel stimmen", lautete Maiers Begründung, warum er erst nach langem Zuwarten die ersten Gratulationen angenommen hatte.

"Unglaubliches Gefühle"
Als er sich seines vierten Super-G-Erfolges in Lake Louise sicher sein durfte, sei dies "ein unglaubliches Gefühl" gewesen. "Ich war zu Tränen gerührt. Es ist schwer sich da unter Kontrolle zu haben. Dieser Sieg ist ja total unerwartet gekommen, und das ist das Tolle am Sport, der solche Geschichten schreibt", versuchte Maier diesen Moment in Worte zu fassen, um ihn aber auch gleich wieder zu relativieren. "Denn es gibt wichtigere Dinge im Leben. Dieser Sieg ist einfach nur ein schöner Abschnitt in meinem Leben, den man genießen kann. Man denkt ja auch immer zurück an die Zeit, wo es schlecht war."

Maiers Hoffnung gilt daher in erster Linie, dass nun der ihn schon seit Mitte Oktober behindernde Bandscheiben-Querriss schnell verheilt, "damit ich die Schmerzmittel absetzen kann. Es ist zwar schön, wenn man gerade aus dem Zielraum gehen kann, wenn man aber Schmerzen spürt, macht auch der Sport keinen Spaß."

Blick nach vorne
Viel Zeit zum Feiern blieb dem ÖSV-Superstar vorerst nicht, flog er doch noch am Sonntagabend von Kanada nach Denver in Colorado, um sich rechtzeitig auf sein "Wohnzimmer" - Beaver Creek, der Schauplatz der nächsten Überseerennen, wo Maier bereits sechs Weltcup- sowie zwei WM-Rennen gewonnen hat - einzustellen. Allerdings kann er seine Lieblingsstrecke "Birds of Prey" nicht mehr direkt aus seinem Hotelzimmer betrachten, weil der ÖSV in einem neuen Hotel im Ort unterhalb von Beaver Creek logiert.

Die Anreise zur nächsten Weltcup-Station gestaltete sich für Maier als langwieriger Trip. Denn wegen des Wintereinbruchs in Colorado wurde die nächtliche Autofahrt über die fast 4.000 Meter hohen Pässe nach Beaver Creek zu einem Abenteuer. Erst nach Mitternacht kam Maier im neuen Quartier an.

Endstand:
1. Hermann Maier AUT 1:29,84 Min. Schnitt: 103,06 km/h
2. John Kucera CAN 1:30,43 +0,59 +16,78 m
3. Didier Cuche SUI 1:30,52 +0,68 +19,32 m
4. Michael Walchhofer AUT 1:30,63 +0,79 +22,42 m
5. Didier Defago SUI 1:30,71 +0,87 +24,67 m
. Marco Sullivan USA 1:30,71 +0,87 +24,67 m
7. Erik Guay CAN 1:30,83 +0,99 +28,03 m
8. Daniel Albrecht SUI 1:30,85 +1,01 +28,59 m
9. Aksel Lund Svindal NOR 1:30,88 +1,04 +29,43 m
10. Tobias Grünenfelder SUI 1:30,94 +1,10 +31,11 m
11. Werner Heel ITA 1:31,07 +1,23 +34,74 m
12. Christof Innerhofer ITA 1:31,12 +1,28 +36,13 m
13. Mario Scheiber AUT 1:31,29 +1,45 +40,85 m
14. Klaus Kröll AUT 1:31,34 +1,50 +42,24 m
15. Ivica Kostelic CRO 1:31,39 +1,55 +43,62 m
16. Marco Büchel LIE 1:31,52 +1,68 +47,21 m
17. Andrej Jerman SLO 1:31,66 +1,82 +51,07 m
18. Peter Fill ITA 1:31,79 +1,95 +54,64 m
19. Robbie Dixon CAN 1:31,88 +2,04 +57,11 m
20. Ambrosi Hoffmann SUI 1:31,89 +2,05 +57,38 m
21. Carlo Janka SUI 1:31,96 +2,12 +59,29 m
22. Olivier Brand SUI 1:31,97 +2,13 +59,57 m
23. Hannes Reichelt AUT 1:32,01 +2,17 +60,66 m
24. Benjamin Raich AUT 1:32,06 +2,22 +62,02 m
. Patrik Järbyn SWE 1:32,06 +2,22 +62,02 m
26. Christoph Gruber AUT 1:32,12 +2,28 +63,66 m
27. Manuel Osborne-Paradis CAN 1:32,19 +2,35 +65,56 m
28. Peter Strodl GER 1:32,22 +2,38 +66,38 m
29. Andrej Sporn SLO 1:32,23 +2,39 +66,65 m
30. Silvan Zurbriggen SUI 1:32,34 +2,50 +69,63 m
31. Stephan Görgl AUT 1:32,40 +2,56 +71,26 m

(apa/red)