"Die Buschtrommel" von

Schon mal von multiplem
online Dating gehört?

"Die Buschtrommel" - Schon mal von multiplem
online Dating gehört? © Bild: Shutterstock/pathdoc

Man(n) testet sich schließlich auch durch mehrere Rasierwasser, bis das richtige gefunden ist

Zuerst möchte ich mich für die Zuschriften herzlich bedanken, die mich nach der ersten Folge der Buschtrommel erreicht haben. Es gab zustimmende und auch kritische Nachrichten. Einige Männer schrieben mir und fragten, ob ich mit der Männerwelt abrechnen wolle? Nichts liegt mir ferner. Ich habe Männer gedated und keine Frauen – daher habe ich ein Buch über meine Erfahrungen mit Männern geschrieben. Ich höre umgekehrt von vielen Männern und ihren abenteuerlichen Erfahrungen mit Frauen beim Online Dating. Das macht die Dinge nicht besser oder schlechter. Was also ist da los?

Lesen Sie auch: Online Dating oder: Sind Handtaschen die besseren Männer?

Im Rahmen meiner Online-Dating-Phase begegnete ich bis auf wenige Ausnahmen in der Mehrzahl offensichtlich sehr unsicheren, narzisstisch geprägten Menschen und es wurde gelogen und betrogen. Fotos waren häufig schöner, glatter und dadurch jünger retuschiert, Altersangaben stimmten nicht, Familien und Ehefrauen beziehungsweise Lebensgefährtinnen wurden verschwiegen oder Trennungen vorgetäuscht und Berufstätigkeiten gefälscht. Mehr als zwei Drittel der Männer war nicht an einer neuen Beziehung interessiert, sondern es ging ausschließlich um den Test des eigenen Marktwerts, Selbstbestätigung und ein bisschen Spaß. Häufig saß ich nicht nur sehr unsicheren, sondern offensichtlich auch beziehungsunfähigen Männern gegenüber.

»Weiß Deine Frau denn überhaupt, dass Du ausziehen möchtest?«

Ein Dating Kandidat zum Beispiel hatte als Treffpunkt eine Hotelbar vorgeschlagen, weil meine Schuhe vom Profilbild da so gut hinpassen. Der Kausalzusammenhang zwischen meinen High Heels und dieser Hotelbar erschloss sich mir nicht unmittelbar, aber ich wollte keine Spielverderberin sein, stimmte zu und kam pünktlich zur vereinbarten Zeit an. Auf meine Nachfrage, wie lange er denn schon von seiner ehemaligen Partnerin getrennt sei, druckste er herum.

„Ja, also, ähm, ich bin noch nicht ausgezogen. Aber das werde ich jetzt bald tun“.

„Ach, das ist ja interessant. Weiß Deine Frau denn überhaupt, dass Du ausziehen möchtest?“

Ich lehnte mich in meinem Bar-Sesselchen zurück und war gespannt wie ein Flitzebogen, was der Kandidat mir als Antwort servieren würde. Dann gestand er mir, dass er multiples online Dating betrieb. Er fände darin endlich einmal Selbstbestätigung. Er zeigte mir tatsächlich einen Zettel, der einen Überblick über seinen derzeitigen ‚Dating-Status’ gab. Darauf standen die Namen von 12 Frauen mit dem jeweiligem Alter, Beruf, Familienstand und Entfernung zu seinem Wohnort. Mit allen schrieb er parallel und mit vielen von ihnen hatte er sich bereits getroffen – zum Teil inklusive Sexualität.

Solche Erlebnisse hatte ich häufiger. In mir wuchs der Verdacht, dass beide, Männer und Frauen, offensichtlich immer mehr Schwierigkeiten haben, authentisch erfüllte und gleichberechtigte Beziehungen zu führen, in denen keine körperliche, seelische oder verbale Gewalt an der Tagesordnung steht. Darum sprach ich mit dem international bekannten Psychotraumatologen Professor Franz Ruppert aus München über das Phänomen Online Dating.

Doch dazu mehr in der nächsten Woche.

Sie haben Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie mir! info@corinnabusch.com

© Corinna Busch Corinna Busch. Journalistin, Autorin, Coach und News.at-Kolumnistin

Die Buschtrommel

die neue Kolumne auf News.at

In Afrika, Neuguinea und den amerikanischen Tropen verwendeten die Einheimischen jahrhundertelang eine Art Trommeltelegraphie, um sich miteinander über ferne Distanzen zu verständigen. Eine Buschtrommel. Genauso wie unsere Kolumnistin, die Deutsch-Österreicherin Corinna Busch. Mit ihren Kolumnen möchte sie sich mit ihren Leserinnen und Lesern über weite Distanzen verbinden, austauschen und zu Diskussionen anregen. Die Buschtrommel wird sich hauptsächlich mit den Themen Partnerschaft, Beziehungen und unserem gesellschaftlichen Wandel beschäftigen.

Kommentare