"Die Buschtrommel" von

Online Dating oder: Sind Handtaschen die besseren Männer?

"Die Buschtrommel" - Online Dating oder: Sind Handtaschen die besseren Männer? © Bild: Shutterstock/Air Images

Was taten Männer früher, wenn sie eine Frau verehrt oder geliebt haben? Viele herrliche, verrückte Dinge.

Sie warfen zum Beispiel Rosen aus Hubschraubern auf die Geliebte oder verzichteten auf ein Königreich. Oder sie schenkten fußballgroße Diamanten und ließen im Restaurant vorgewärmte Kissen auf den Stuhl der Angebeteten legen.

Was tun Männer heute? Sie schreiben Kurz-Nachrichten oder chatten sich permanent durch Online-Dating-Portale, führen Beziehungen über WhatsApp und Tinder. Die dort geschlossenen Verbindungen sind bequem, unkompliziert und – ups, soll vorkommen - easy zu multiplizieren. Und sie verhindern vor allem echte Nähe. Und hier liegt der Hund begraben: Wo bitte ist die Ritterlichkeit geblieben? Wohin ist die höflich-charmante Männlichkeit entschwunden? Um Beziehungen auf Augenhöhe zu führen, ist es an der Zeit, uns auf ein paar alte Tugenden besinnen!

Das Problem liegt nämlich im Grunde nicht in den sozialen Medien und Dating-Portalen. Männer der Kriegsenkel-Generation – so bezeichnet man die Kinder von Kriegskindern des Zweiten Weltkriegs, also alle zwischen zirka 1960 und 1980 geborenen Männer – haben grundsätzlich häufig Schwierigkeiten mit emotionaler Nähe. Ja, sie wissen manchmal überhaupt nicht, wie eine echte Beziehung eigentlich funktioniert.

Ihre Eltern waren ihnen in dieser Hinsicht oft keine guten Vorbilder. Zu Hause herrschte ein „funktionales Miteinander“ zwischen Vater und Mutter und keine Liebesbeziehung. Nach dem Krieg hieß es „schaffe, schaffe Häusle baue“, da gab es häufig für ein liebevolles und emotional warmes Elternhaus keinen Raum. Es war wichtig, nach außen den schönen Schein zu wahren, was sollten denn schließlich die Nachbarn beziehungsweise die anderen denken? Die Kinder hatten zu funktionieren nach dem Motto: „So lange du die Füße unter unseren Tisch stellst, wird gemacht, was wir sagen“. Unterstützung, wohlwollende Worte oder bloß die Frage danach, wie es denn eigentlich so läuft im Leben, erfahren viele bis heute nur selten.

Die sogenannten Wohlstandskinder sind Erben nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in seelischer. In den letzten Jahren haben sich immer mehr die Hinweise verdichtet, dass Traumata sich epigenetisch bei Kindern vererben, die nach dem Krieg geboren wurden. Viele Väter sind traumatisiert oder depressiv erkrankt zurückgekommen, viele sind gar nicht zurückgekommen. Die Überlebenden mussten aber aufgrund des damals vorherrschenden Rollenmodells funktionieren und arbeiten.

Für Jungen der Kriegsenkel-Generation hat das bis heute besondere Folgen, denn die Verbindung von Müttern zu ihren Söhnen nahm in der Regel stark festhaltende Züge an. Der Ehemann war tot, vermisst oder nicht für eine liebevolle Beziehung geeignet, da sollte wenigstens der Sohn bleiben. Also gaben Mütter ihre Söhne mental nicht frei, und diese konnten – zumindest innerlich – nicht an die Seite ihrer Freundinnen und Frauen treten. Viele Frauen der Generation Ü40 haben deshalb Muttersöhne geheiratet und keine freien Männer. Ich selbst hatte Dates mit 45 Jahre alten Männern, die ausnahmslos jeden Sonntag zu Mutti fahren, weil es da den leckeren Käsekuchen gibt. Mit einer Tasse Kaba. Kein Witz! Ein Mann erzählte mir ganz entrüstet, eine Ex-Freundin habe sich mal erdreistet, ihm ein neues Duschgel ins Bad zu stellen. Eine unverschämte Einmischung in sein Leben! Sein Duschgel habe vor vielen Jahren seine Mutter ausgesucht, und dazu gäbe es keine Alternative. Mir fiel vor Schreck das Champagner-Glas aus der Hand.

Ob ich noch weitere Erfahrungen mit online Dating gemacht habe? Aber natürlich! Darüber plaudere ich in der nächsten Woche.

Sie haben Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie mir! info@corinnabusch.com

© Corinna Busch Corinna Busch. Journalistin, Autorin, Coach und News.at-Kolumnistin

Die Buschtrommel

die neue Kolumne auf News.at

In Afrika, Neuguinea und den amerikanischen Tropen verwendeten die Einheimischen jahrhundertelang eine Art Trommeltelegraphie, um sich miteinander über ferne Distanzen zu verständigen. Eine Buschtrommel. Genauso wie unsere Kolumnistin, die Deutsch-Österreicherin Corinna Busch. Mit ihren Kolumnen möchte sie sich mit ihren Leserinnen und Lesern über weite Distanzen verbinden, austauschen und zu Diskussionen anregen. Die Buschtrommel wird sich hauptsächlich mit den Themen Partnerschaft, Beziehungen und unserem gesellschaftlichen Wandel beschäftigen.

Kommentare