Fakten von

Transsexuell, Transgender & Co.:
Was diese Begriffe bedeuten

Seit Andrej Pejić und Caitlyn Jenner sind die Begriffe in aller Munde

Caitlyn Jenner am "Vanity Fair"-Cover © Bild: imago/Levine-Roberts

Das Weiße Haus hat mit Raffi Freedman-Gurspan erstmals eine offen transsexuelle Beamtin eingestellt. Und folgt damit dem Trend, aufgeschlossen mit diesem Thema umzugehen: Vor kurzem hat sich Kim Kardashians Vater, Bruce Jenner, umoperieren lassen und nennt sich nun "Caitlyn", in der Netflix-Erfolgsserie "Orange Is The New Black" spielt Transgender-Ikone Laverne Cox die Rolle der Friseurin Sophia - und wurde dafür als erste Transgender-Frau für den Emmy nominiert und Andrej Pejić ist das erfolgsreichste Transgender-Model. Doch was bedeuten die Begriffe Transgender, Transsexualität und Co. eigentlich?

Transsexualität

"Transsexualität" beziehungsweise "Transsexualismus" eines Menschen bedeutet nach Definition der WHO "den Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden". Jene, die sich medizinisch oder juristisch einer Geschlechtsanpassung unterzogen haben, bezeichnen sich dann oft nicht mehr als "transsexuell" sondern entweder als "Mann mit transsexueller Vergangenheit" oder als "Frau mit transsexueller Vergangenheit" - oder aber ganz einfach als "Mann" beziehungsweise "Frau".

Von der Vereinigung TransSexuelle-Menschen e.V. heißt es dazu: "Bei betroffene Menschen steht das instinktives Wissen ihres Geschlechts konträr zu ihren übrigen geschlechtsbestimmenden Körpermerkmalen. Zu früheren Zeiten ging man davon aus dass es sich dabei um eine Geschlechtsidentitätsstörung handelte. Bereits vor Jahren ist von international namhaften Wissenschaftlern aus dem Bereich Psychologie, Genetik und Biologie ein Paradigmenwechsel angestoßen worden. Viele Untersuchungen deuten darauf hin dass es im neuronalem Netz eine fest verschaltete Erwartungshaltung an den Geschlechtskörper gibt. Wenn dieser dann nicht so angetroffen wird spricht man von Transsexualität. Für die Betroffenen besteht der dringende Wunsch diese Diskrepanz medizinisch soweit möglich beheben zu lassen und ein normales Leben als Mann oder Frau zu führen."

Laverne Cox
© imago/Future Image Schauspielerin Laverne Cox

Transgender

Als "Transgender" bezeichnet man Menschen, die sich ihrer Geschlechterrolle, die ihnen bei der Geburt wegen der äußeren Geschlechtsmerkmale zugewiesen wurde, nicht identifizieren können. Leute der Richtung Mann-zu-Frau werden als Transfrau, Menschen der Richtung Frau-zu-Mann als Transmann bezeichnet. Es gibt auch Transgender, die jede Form der Geschlechterzuweisung ablehnen, andere wiederum bezeichnen sich als Person des identifizierten Geschlechts, also als "Mann" oder "Frau".

© REUTERS/Benoit Tessier Andrej Pejić: Ihr erster Auftritt als Frau

Von der Vereinigung TransSexuelle-Menschen e.V. heißt es dazu: "Hier geht es um die soziale Geschlechtszugehörigkeit. Hierunter ist die Verhaltensweise, die Kleidungsvorliebe, etc. zu verstehen. In der Geschichte und in den verschiedenen Kulturen haben Frauen und Männer gänzlich andere Rollenverteilungen. Für Frauen ist es heute in unserem Kulturkreis relativ einfach ihre "Männlichkeit" auszuleben. Zu früheren Zeiten und in anderen Kulturen sah und sieht dies jedoch gänzlich anders aus. Für Männer stellt sich die Situation auch in der westlichen Welt selbst heute noch gänzlich anders aus. Es gehört für einen Mann nicht zu seinem Selbstverständnis sich weiblich zu geben oder weibliche Bekleidung zu nutzen. Um dennoch die Weiblichkeit ausleben zu können gibt es die verschiedensten Varianten. Vom verstecktem Tragen weiblicher Wäsche ( Damenwäscheträger - DWT ) über gelegentliches Wechseln der Geschlechter-Rollen ( Transvestitismus - TV ) bis hin zum dauerhaftem Wechsel der Geschlechterrolle ( Transgender - TG ) ist da vieles möglich."

Intersexualität

Immer öfter taucht auch der Begriff Intersexualität auf. Für Hannah Winkler, Autorin des Buches "Fe-Male", steht schon früh fest: "Ich bin im falschen Körper geboren worden". Als Mädchen, gefangen im Körper eines Buben, kämpft sie um ihr Recht, als Frau leben zu dürfen. Sie erklärt in einem Interview mit News.at aus dem Jahr 2014, was Intersexualität bedeutet: "Die meisten denken einfach, ein Junge will eben wie ein Mädchen sein oder umgekehrt. Doch das stimmt alles nicht. Es ist schwierig, weil man von der Gesellschaft stigmatisiert wird. Wir werden gerne in den Topf mit "Transgender" und "Transsexuellen" geworfen, das hat mit mir gar nichts zu tun. Das richtige Wort dafür ist "Intersexualität", also zwei Geschlechter in einem Körper. In den 1950er und 1960er Jahren wurde bewiesen, dass sich die Gehirncodierung anders verhält, als der restliche Körper. Bei Intersexualität geht es wirklich um körperliche Fehlbildungen, die vorgeburtlich geprägt werden. Ich musste aber im Buch den Begriff "Transsexualität" verwenden, weil es nur so von der Gesellschaft verstanden wird.

Transvestit

Dieser Begriff ist unabhängig von der sexuellen Orientierung und kommt somit sowohl unter Heterosexuellen als auch unter Homosexuellen vor. Als "Transvestitismus" bezeichnet man das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts als Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität. Also Männer, die Frauenkleider tragen und Frauen, die Männerkleidung tragen.

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