Vatikan von

Franziskus, der Revolutionär

Schwester des Papstes: Er will "unter den Menschen leben und ihnen dienen"

Papst Franziskus in Brasilien
© Bild: REUTERS/Osservatore Romano/ Handout via Reuters

Papst Franziskus wird nach Einschätzung seiner jüngeren Schwester Maria Elena Bergoglio der Kirche ein neues Gesicht geben. "Er ist eine Revolution für Europa und die Welt", sagte die 64-Jährige in einem Interview mit dem Düsseldorfer Journalisten Michael Hesemann, das am Mittwoch in dessen neuem Buch über Papst Franziskus veröffentlicht wurde. "Wer Veränderungen will, der muss sich zunächst selbst verändern." Dieser Prozess könne "nur langsam geschehen", zitiert die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA aus dem Buch.

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Papst Franziskus wolle, so Maria Bergoglio laut Kathpress, "eine Kirche, die sich ihrer materiellen Reichtümer und Privilegien entledigt und deren Hirten 'wie ihre Schafe riechen', sich also nicht abkapseln, nicht hoch über den Gläubigen stehen und jeden Kontakt mit ihnen vermeiden, sondern unter den Menschen leben und ihnen dienen". Darum habe sich der neue Papst auch geweigert, "die roten Schuhe anzuziehen, die für ihn ein Symbol des Königtums sind".

Schwester: "Sprechen nur über Familienthemen"

Die Schwester des Papstes sagte, Franziskus habe sie in den letzten Wochen "so oft angerufen, wie es nur ging". Sie selbst tue das nicht. "Ich weiß gar nicht, wie ich ihn erreichen könnte, ich will es auch gar nicht wissen, denn ich will ihn nicht stören." Maria Bergoglio wohnt mit ihrer Familie in einem Vorort der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Die Arbeit des Papstes oder dessen Vorhaben seien kein Gegenstand der Telefonate. "Wir sprechen nur über Familienthemen."


Ihr Bruder habe bei seiner Reise zum Konklave "gar nicht über die Möglichkeit nachgedacht", dass er zum Papst gewählt werden könnte, erklärte seine Schwester. Er selbst hätte einen der vier franziskanischen Kardinäle bevorzugt.

Vorgänger analysiert

Maria Bergoglio räumte ein, dass sie sich mit dem Vorgänger ihres Bruders schwergetan habe. "Wir - ich will mich da gar nicht ausnehmen - waren unfair zu ihm." Auch sie selbst habe ein wenig Zeit gebraucht, "um Papst Benedikt für mich zu entdecken: seinen großen inneren Reichtum". Hoch rechne sie ihm an, dass er als Papst begonnen habe, "Probleme und Skandale der Kirche offenzulegen". Dasselbe gelte für "die Demut und die Ehrlichkeit", sein Amt aufzugeben. "Zum Glück" würden immer mehr Christen erkennen, "dass er ein großer Papst und ein außergewöhnlicher Mensch war, der in jeder Hinsicht großen Mut gezeigt hat".

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