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Der Papst als Popstar

Neuer Stil: Franziskus ist derzeit auch als Graffito die Attraktion in Rom

Der Papst als Pop-Star. © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Seit Jahrzehnten zierten ihre Häupter Häferln, Kalender, T-Shirts, Kartenspiele und Toiletteartikel. Doch noch nie hat ein Papst eine derartige, beinahe hysterische Aufbruchsstimmung ausgelöst wie Franziskus. Vom leidensbejahenden, streng gläubigen Katholiken bis zum grundskeptischen Hardcore-Atheisten, Francesco Superstar regiert nicht nur Rom, sondern beweist auch gewaltiges Pop-Potenzial.

Derzeit scharen sich nicht nur Pilger am Petersplatz, wenn etwa die Generalaudienz von Franziskus am Mittwoch ansteht. In der nahe gelegenen Seitenstraße des Borgo Pio, gesäumt von Souvenirläden und Touristen-Cafés zieht seit wenigen Tagen eine Ikone ganz im Sinne der Pop-Kultur internationale Kamerateams und Hobby-Fotografen an: Ein Graffito des Straßenkünstlers Maupal zeigt den Papst in Superhelden-Pose. In der Hand hält er einen Koffer mit "Valores", also Werten.

Nicht nur die von Silvio Berlusconi gegründete Mediaset-Gruppe berichtete über den Superpapst auf der Hausmauer. Das Kleinkunstwerk schaffte es bis ins argentinische Fernsehen und natürlich auf etliche Facebook-Accounts der Welt. Doch die endgültige popkulturelle Adelung erhielt Franziskus ebenfalls in dieser Woche: Er schaffte es auf das Cover des "Rolling Stone". Der Name der umfangreichen Titelstory: "The Times They Are A-Changin'" ("Die Zeiten ändern sich") - eine Anspielung auf einen bekannten Bob-Dylan-Song.

Neue Gesichter

Dass sich auch die Sprache, der Umgang mit dem großteils weltlich geprägten Kirchenvolk ändert, zeigen auch neue Gesichter in der Kirche. Wenn etwa der neue Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Rande eines Empfangs mit Journalisten spricht, unterliegt der geistlich besonnene, theologisch-intellektuelle Ton jener Jovialität, die zuweilen auch als erfrischend angesehen wird. Der "Jugendbischof", dessen Sorge es unter anderem war, eine geeignete Laufstrecke in der Erzdiözese zu finden, scheint sich ganz dem neuen Stil verschrieben zu haben. Und dennoch: An Inhalten rüttelt er (noch) nicht wirklich.

In den großen Souvenirläden, die den Petersplatz säumen, ist aber auch ein anderer noch nicht ganz abgeschrieben. Das Konterfei von Papst Benedikt XVI., des für viele erzkonservativen Vorgängers von Franziskus, ziert ebenso aktuelle Wandkalender. Dass ihn manche Gläubige nur als vernachlässigbare Episode in der Kirchengeschichte sehen wollen, zeigt wiederum ein anderes Motiv: Wenn Johannes Paul II. und Franziskus als scheinbarer Nachfolger in Einigkeit auf dem Deckblatt einander zublicken.

Alles anders und doch gleich

Das Graffito in der Seitengasse vermittelt, was auch die österreichischen Bischöfe im Rahmen ihres Ad-limina-Besuches bemüht versuchen, an die Gläubigen daheim weiterzugeben: Mit Franziskus wird alles anders. Die "Valores" sollten dabei allerdings die gleichen bleiben. Diesen Kunstgriff hat der neue Papst mit dem für einen Superhelden eher untypischen Äußeren bereits fast geschafft. Was von der Aufbruchsstimmung am Ende übrig bleiben wird, weiß nur der Liebe Gott.

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