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Märchenhafte Schlösser und Burgen in Oberschwaben-Allgäu

Reisen - Märchenhafte Schlösser und Burgen in Oberschwaben-Allgäu © Bild: Hohenzollernschloss Sigmaringen/Meli Straub

Märchenhafte Schlösser und verwunschene Burgen - die süddeutsche Region Oberschwaben-Allgäu ist reich an sehenswerten historischen Gebäuden.

Eigentlich heißt sie Doris Schenk. Doch sonntags schlüpft die Schauspielerin der Theatergruppe in Aulendorf in das dunkelrote Barockkleid, schnappt ihren Fächer und führt die Besucher als Gräfin Paula gemeinsam mit Zofe Rosalie durch Schloss Aulendorf.

© Christine Lugmayr Amüsante Einblicke in die Vergangenheit bieten Führungen mit Gräfin Paula im Schloss Aulendorf

Gräfin Paula gab es wirklich. Am 2. April 1830 als Gräfin Pauline von Bellegarde geboren, heiratete sie in das schwäbische Adelsgeschlecht Königsegg-Aulendorf ein. Lange Zeit war sie Hofdame von Kaiserin Sisi in Wien und galt als deren Vertraute in jungen Jahren. "Alle Geschichten, die wir erzählen, sind wahr", sagt Schenk, "Etwas ausgeschmückt vielleicht, aber sie beruhen auf belegten Begebenheiten."

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Seit einem Jahr werden diese Kostümführungen angeboten. Seitdem gibt es auch die Möglichkeit, das Schloss als medialen Erlebnisparcours per App auf dem Handy oder Tablet zu entdecken. Dabei war lange Zeit gar nicht klar, was mit dem Wahrzeichen der Stadt Aulendorf passieren soll. Es verfiel nach und nach, sogar ein Teilabriss stand im Raum. Schließlich sanierte das Land Baden-Württemberg das historische Gebäude und übergab es anschließend der Stadt.

Ein Schloss für die Bürger

Rund 30 Kilometer entfernt liegt das Neue Schloss Kißlegg, das mittlerweile von der Stadt Kißlegg erhalten und als Bürgerschloss genutzt wird. Das Ziel ist, dass jeder der 9.000 Einwohner zumindest einmal pro Jahr zum Schloss kommt. Dementsprechend groß ist auch das Angebot: Das Standesamt, der Sitzungssaal des Gemeinderates, sowie das Tourismusbüro sind in dem zwischen 1721 und 1727 erbauten Schloss angesiedelt. Außerdem wird ein jährlicher Weihnachtsmarkt, im Sommer Freiluft-Kinoveranstaltungen und immer wieder Kunstwochen in und um das Gebäude veranstaltet. Im Keller des Schlosses ist eine kleine Ausstellung über Kaffee untergebracht. Denn Cafésito, Kißleggs Kaffeerösterei, ist ein Integrationsprojekt. 30 Menschen mit Behinderung, die von Therapeuten betreut werden, sind derzeit hier beschäftigt. Der geröstete Kaffee ist bio und fair gehandelt.

© Schloss Waldburg/Marco Mehl Die Waldburg thront auf 772 Metern, dem höchsten Punkt Oberschwabens

Ebenfalls für alle zugänglich ist der acht Hektar große Schlosspark. Die Wiesen der Anlage werden im Sommer gerne für Picknicke und zum Fußballspielen genutzt. Zehn historische Schlösser und die markante Waldburg liegen in der Region Oberschwaben-Allgäu zwischen Donau und dem Bodensee.

Burggespenst George

Pächter der Waldburg ist seit 17 Jahren Max Haller. Für ihn ist sie eine der geschichtsträchtigsten Burgen Deutschlands. Sie wurde 1108 das erste Mal urkundlich erwähnt. "Hier war etwa unter Kaiser Friedrich dem Zweiten der Kronschatz des Heiligen Römischen Reichs von 1220 bis 1243 untergebracht", so Haller.

© Christine Lugmayr Seit 17 Jahren ist Max Haller Pächter der Waldburg, in der u.a. Führungen, Ritteressen und Hochzeiten stattfanden

Die Burg erhält keine öffentlichen Fördergelder, daher entwickelt Haller kreative Nutzungsmöglichkeiten. So können Paare hier heiraten und in der Hochzeitssuite in der Burg übernachten. Sie ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit, sodass das Brautpaar ganz alleine ist. "Nur Burggespenst George ist mit dabei", sagt Haller lachend. "Die Burg ist ein Glücksfall. Sie wurde nie zerstört und ist auch nie abgebrannt. Alles ist original erhalten. Sogar der Dachstuhl ist aus dem Jahr 1399", schwärmt Haller. Das Gewölbe, in jenem Raum, in dem Haller regelmäßig Ritteressen anbietet, ist bereits fast 1.000 Jahre alt.

Für Besucher, die sich gerne mittelalterlich kleiden, stehen über 70 Kostüme zur Verfügung und auch Waffen, wie der Morgenstern, mit denen für Fotos posiert werden kann.

Über der Donau

Imposant und märchenhaft liegt das Hohenzollern-Schloss Sigmaringen 45 Meter über der Donau. Das frühere fürstliche Residenzschloss und der Verwaltungssitz der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen wurde zwar im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört, danach aber immer sofort wieder aufgebaut.

© News/Karin Netta

450 Räume umfasst das prunkvolle Gebäude, ein Teil davon kann besucht werden. Darunter der Ahnensaal mit 26 Gemälden der Familie Hohenzollern oder der Hubertussaal mit den Jagdtrophäen. Auch der für lange Zeit letzte Wolf, der 1831 in der Gegend erschossen wurde, ist hier ausgestellt. Seit Kurzem halten sich aber wieder ein Wolf sowie zwei Luchse in den Wäldern rund um das Schloss auf. In der Stadt selbst haben die Hohenzollern ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. So sind an den Häusern der ehemaligen Hoflieferanten noch die Wappen zu sehen. Und die Spezialität der Hofkonditorei Seelos in der Fürst-Wilhelm-Straße am Fuße des Schlosses ist - wie könnte es anders sein -die Hohenzollern-Torte. Erfunden wurde sie in den 1960ern anlässlich des 70. Geburtstags von Friedrich Viktor Fürst von Hohenzollern. Das Rezept ist ein streng gehütetes Geheimnis. Die schwarzen-weißen Biskuitschichten stehen für die Farben des deutschen Adelsgeschlechts.

Kuchen im Marmorsaal

Kuchen und Kaffee gibt es auch am Ende der Führung mit Gräfin Paula. Der prunkvolle Marmorsaal ist fein gedeckt. Während die Besucher die Torten essen, erzählt Gräfin Paula noch von ihrer Zeit am Kaiserhof in Wien und als Doris Schenk von ihrem Beginn als Gräfin. "Die Stelle war ausgeschrieben, ich habe mich dann beworben", erinnert sich Schenk zurück.

© Catrin Goebels

Die Rolle mache ihr großen Spaß, Zeit für die örtliche Theatergruppe habe sie seither aber keine mehr. "Die Führungen sind erfreulicherweise stark nachgefragt", sagt Schenk. Und Zofe Rosalie schenkt unterdessen der Gräfin und den Besuchern noch einmal Kaffee nach.

Tipps: Hopfenernte und Bierbad

Übernachten

Parkhotel Jordanbad in Biberach an der Riß. Das Hotel mit seinen 122 Zimmern liegt inmitten eines historischen Parks. Angeschlossen ist ein 9.000 Quadratmeter großer Wellnessbereich mit insgesamt sieben Innen- und Außenbecken. In der Anlage befindet sich auch die "SinnWelt" - über 100 Mitmachstationen, die dazu beitragen sollen, alle Sinne zu schärfen.

© Parkhotel Jordanbad Parkhotel Jordanbad

Hotel Gasthof Ochsen in Kißlegg. Mitten im Ort. Neu ist der Spabereich, in dem auch Bierbäder angeboten werden. Dabei wird einerseits gebadet und gleichzeitig kommt aus einem Hahn auch das Bier aus der hauseigenen Brauerei im Schlosskeller.

Hotel Rad in Tettnang. Zentral im Ort gelegen.

Essen

Das Bootshaus Sigmaringen liegt direkt an der - hier noch sehr schmalen und ruhigen - Donau. Schöner Gastgarten, regionale Speisen.

Bäckerei und Café Strang-Einhauser in Kißlegg. Hier gibt es angeblich die besten Seelen, das regionale Gebäck mit Salz und Kümmel.

© Christine Lugmayr Hopfengut No20

Aktivitäten

Tettnang ist für seinen Hopfen bekannt. Im Hopfengut No20 wachsen rund 150.000 dieser Pflanzen, es gibt ein Museum, eine Brauerei und eine Gaststätte. Eindrucksvoll ist ein Besuch zur Erntezeit Anfang September.

Mehr Infos zur Region unter oberschwaben-tourismus.de