Tabuthema unglückliche Mütter

Muttersein und Mutterglück sind zwei Paar Schuhe.

Mutterliebe gilt als das tiefste Gefühl der Natur. Doch der Job der Mutter ist gleichzeitig einer der schwersten der Welt. Ein Zurück gibt es nicht, auch wenn man manchmal - besonders in Momenten der Überforderung - mit Sehnsucht an das Leben davor zurückdenkt. Diese Gedanken gibt man manchmal nicht einmal vor sich selbst zu. Geschweige denn vor anderen. Denn als Mutter Reue zu empfinden, ist ein Tabu. Frauen, die ihren inneren Konflikt nun öffentlich aussprechen, sorgen für hitzige Diskussionen. Sie sagen: Ich bereue es, Mutter geworden zu sein. Und betonen gleichzeitig, ihre Kinder zu lieben. Jetzt fragen sich viele: Darf man so etwas überhaupt sagen? Eine Meinung.

von Unglückliche Mütter © Bild: Thinkstock/iStock

Es ist eines der letzten Tabus unserer heutigen Zeit. Wer sich mit der Materie befasst hat, kennt zwar Artikel über pränatale Angst oder postnatale Depression. Aber dass das Kinderkriegen nicht zwangsläufig untrennbar mit einem universellen Glücksempfinden verbunden ist, ist ein weitgehend unerforschtes Phänomen. Und vor allem etwas, worüber man nicht spricht.

Weitgehend unerforschtes Phänomen

Doch es gibt sie, die Mütter, die mit ihrer Mutterrolle nicht glücklich sind. Das beweist eine viel diskutierte Studie der israelischen Soziologin Orna Donath. Sie lässt darin 23 Frauen zwischen Mitte 20 und 70 Jahren zu Wort kommen, die über ihren Konflikt mit ihrer Mutterrolle sprechen. Sie lieben ihre Kinder, betonen sie, kommen aber mit dem Druck der ständigen Verantwortung, der Überforderung oder dem Aufgeben ihrer Freiheit nicht zurecht.

"Spinnen die?"

Dass dieses "Outing" tatsächlich ein Tabubruch ist und Mut benötigt, beweisen die teilweise harten Kommentare auf Twitter. Unter dem Thema bzw. Hashtag #regrettingmotherhood ist zu lesen: "#Fremdschämen", "Sag mal, spinnen die langsam?", "Stimmt es, dass es "Rabenmutter" in anderen Sprachen nicht gibt?" und "Ich kann keinen einzigen Satz zu #regrettingmotherhood mehr ertragen. Wenn ihr Mutter werden wollt: Los! Wenn nicht: Eben nicht. Ende." ist hier zu lesen.

Andere wiederum empfinden die Ehrlichkeit der unglücklichen Mütter als "weiteren Schritt zur Befreiung der Frau". Schreiben "Seine Chefs lieben, auch wenn der Job beschissen ist" und "Reue widerspricht nicht Liebe". Ein User tweetet: "Finde es sehr wichtig, dass zu Mutterschaft/Vaterschaft/Elternsein widersprüchliche Gefühle erlaubt sind."

Das Recht auf Reue

Warum erfolgt so ein großer Aufschrei, wenn man als Mutter sagt, dass man sich in der Mutterrolle nicht wohl fühlt?

Carola Padtberg-Kruse von spiegel.de formuliert es treffend: "Reue ist nur deshalb ein Tabu, weil sie dem so realitätsfernen wie mächtigen Bild der perfekten Mutter widerspricht." Mütter sollten dasselbe Recht wie alle anderen haben, Reue zu empfinden und darüber zu sprechen. Widersprüchliche Gefühle sind menschlich - keiner sollte sich für sie schämen müssen.

Es wäre durchaus sinnvoll, Frauen ein realistischeres Bild einer Mutter zu vermitteln. Das Versprechen der Mutterliebe reicht im Nachhinein als Rechtfertigung, diese schwierige, lebenslange Verantwortung zu übernehmen, oft nicht aus. Denn mit dieser "Jobdescription" werden kinderlose Frauen, die mit der Kinderfrage hadern, nur allzu oft abgespeist.

"Kinderkriegen ist die schönste Sache der Welt", heißt es dann. Es sind meist andere Mütter, die so etwas sagen, als würden sie ein Jahrtausend altes Mantra wiederholen. Die das meistbehütete Geheimnis der Natur ins Ohr flüstern. Dabei weiß jeder, dass alles Vor- und Nachteile hat.

»Geburtsschmerzen? Die hast du gleich wieder vergessen.«

Ein in Wahrheit nicht schön zu redender Nachteil sind zum Beispiel die unsagbaren Schmerzen bei der Geburt. Davor fürchten sich alle Frauen. Deshalb bekommen auch die meisten auf die Frage, wie schlimm diese wirklich sind, die gleiche "Antwort": "Das hast du in dem Moment vergessen, wenn du deinem Kind zum ersten Mal in die Augen schaust." Das Gefühl, dass das nicht die ganze Wahrheit ist, bewahrheitet sich jedoch erst im Nachhinein.

Mit dem Muttersein verhält es sich ähnlich. Man weiß tatsächlich erst, worauf man sich da wirklich eingelassen hat, wenn es kein Zurück mehr gibt. Da beißt sich der Hund in den eigenen Schwanz: Den unglücklichen Müttern hätte es demnach womöglich gar nichts genutzt, hätten Sie vorher Bescheid gewusst.

Vielleicht hat das die Evolution so vorgesehen. Dass diese Frauen den Schritt rückgängig machen würden, kann man ihnen nicht vorwerfen. Genau so wenig wie die die Tatsache, öffentlich darüber zu sprechen.

Was bedeutet das für die Kinder?

Das Dilemma ist nur: Mütter sind nicht nur für ihr eigenes Glück verantwortlich, sondern auch für das ihrer Kinder. Einem Kind kann man nicht erklären, dass man es liebt, aber die Geburt rückgängig machen würde, wenn man könnte. Abgesehen davon, dass sie nicht in der Lage sind, diesen Zwiespalt zu begreifen, läuft dabei ihr Urvertrauen Gefahr, ins Wanken zu geraten. Kinder müssen wissen, dass sie ihre Mutter liebt, davon hängt ihr Lebensglück maßgeblich ab. Für Kinder muss es demnach ein Tabuthema bleiben.

»Für Kinder muss es ein Tabuthema bleiben.«

Doch wie kann man den Müttern ihr Recht zugestehen, über ihre widersprüchlichen Gefühle zu reden und gleichzeitig die Kinder schützen? Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wäre vielleicht: Mehr Solidarität unter Müttern. Seid ehrlich. Verurteilt andere Mütter nicht, wenn sie aufrecht über ihre Gefühle reden. Erzählt ihnen und allen, die es werden könnten neben all den schönen Dingen auch mal, wie hart es manchmal ist, Mutter zu sein.

Kommentare

Hannah Siebertusa

Es geht leider wirklich nicht allen Frauen nach der Geburt gut, was wirklich sehr traurig ist. Mir ging es selbst sehr lange schlecht. Aber eine Therapie hat für mich einiges besser gemacht
hier auch nochmal ein Artikel dazu: https://impulsdialog.de/ueber_uns/blog/postnatale-postpartale-depression-was-tun-vorbeugung-babyblues-rabenmutter-wochenbettdepression-auswirkung-kind-geburt-behandlung-man

nora bach

mutter ohne vater - das ist wohl nicht, was der schöpfer für uns vorsah, doch es gibt unglaublich viele "alleinerziehende" mütter... das sit wohl schon schwierig. doch vorschnell mit jemandem ins bett gehen,das ist nicht ok. eine frau verliert dabei unglaublich viel... es werden /wurden bisher mehr kinder im mutterleib ermordet als im ersten und zweiten weltkrieg zusammen starben - DENK MAL!

nora bach

wer nur schnell mal "billigen" sex haben will... so eine person ist wohl nicht geeignet für das "mutter sein". sie kann ja auch nicht an ihren "nachwuchs" weitergeben, was echte werte sind, und dass man besonders als frau acht auf sich selbst haben soll. kinder sind ein geschenk gottes... nicht jeder hat es aber verdient, bzw. sich kinder gewünscht. wir leben leider in einer "kultur des todes".

nora bach

mutter "werden" bedarf einer guten überlegung. das wichtigste dabei ist, dass man den richtigen partner hat und den schutz der ehe. meine kinder waren wunschkinder und ich bereue es nicht ebenso mein mann. aber wer so "mir nichts - dir nichts" mit jedem "herumtut" und sich billig ausbeuten lässt, so eine frau wird wohl nicht so glücklich sein mit dem nachwuchs.

Darum geht's hier doch gar nicht. Anscheinend haben Sie sich nicht sehr ausführlich mit dem Thema befasst. Die Mütter sagen mehrheitlich, dass sie ihre Kinder lieben und nie wieder hergeben würden. Sie bereuen nicht die Kinder selbst. Trotzdem kann man sagen, dass man rückblickend, mit dem selben Wissen eben keine Kinder bekommen würde. Daran ist doch nichts verwerflich.

lasst das bloß eure kinder niemals wissen oder erfahren

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