Gut gelegen? von

Matratze richtig kaufen:
Das muss man beachten

Gut gelegen? - Matratze richtig kaufen:
Das muss man beachten © Bild: iStockPhoto.com/dima_sidelnikov

"Wie man sich bettet, so liegt man", sagt der Volksmund. Dennoch lassen sich Herr und Frau Österreicher mit dem Matratzenkauf Zeit: Statistisch gesehen wechseln sie nur alle 15 bis 17 Jahre ihre Matratze aus. Schlafexperte Walter Sonnleitner erklärt im Interview warum das keine gute Idee ist und was man für sein Schlafsystem berücksichtigen sollte.

Wie machen sich erste Anzeichen bemerkbar, dass man sich nach einer neuen Matratze umsehen sollte?
Das allererste Anzeichen ist, wenn man über längere Zeit hinweg mit mehr körperlichen Problemen aufsteht als man sich hingelegt hat. Sowas kann ab und zu natürlich schon vorkommen, wenn man im Garten zu viel gearbeitet oder sich beim Sport verausgabt hat. Schlechter Schlaf bei warmen Temperaturen ist auch prognostizierbar, da kann das Bett nicht viel ausgleichen. Wunder darf man sich keine erwarten.

Wie kann beim Probeliegen die richtige Matratze finden und wann ist der beste Zeitpunkt dafür?
Der beste Zeitpunkt zum Testen einer Matratze ist vormittags oder spätestens am frühen Nachmittag. Danach macht es kaum noch Sinn, weil man in der Regel vom Tag schon so erschöpft ist, dass der Körper das Liegen unabhängig von der Unterlage als angenehm empfindet. Am besten ist es in der Früh: Nach dem Aufstehen hat man seine alte Matratze noch im Gedächtnis und kann sie mit den Wunschmodellen sehr gut vergleichen.

Unbedingt macht es auch Sinn, eine Vertrauensperson beim Testen mitzunehmen. Die kann beobachten, was der Verkäufer sagt, ob man gerade auf der Matratze liegt und ob man mit Schulter und Hüfte schön darin einsinkt. Das alles sieht man selbst natürlich nicht. Die Vertrauensperson sollte aber in ihrer beobachtenden Rolle bleiben und nicht dreinreden.

Matratzenkauf scheint fast schon eine eigene Wissenschaft: Gibt es Leitlinien oder Normen, an denen man sich orientieren kann?
Normen in dem Sinn gibt es nicht wirklich. Eher Werte, mit denen man wirklich schon an einen Experten herantreten muss. Man kann Verkäufer zum Beispiel nach dem Raumgewicht der Matratze fragen, also wieviel Material verwendet wird um einen Kubikmeter Schaum aufzuschäumen. Auch die Stauhärte der Matratze ist ein Wert, an dem man sich orientieren kann.

Heutzutage werden Matratzen mit unterschiedlicher Zonenanzahl angeboten, das sagt allerdings absolut nichts über die Qualität aus. Die ganzen Zonen bringen nichts, wenn sie in einer schlechten Schaumqualität gefertigt sind. Grundsätzlich sollte man sich vorher schon ein bisschen überlegen, worauf man Wert legen möchte und den Kauf nicht komplett unbedacht angehen. „Bin ich Allergiker?“, „Wenn ja, worauf bin ich allergisch?“, „Schwitze ich stark im Schlaf?“, usw. – Solche Gedanken sollte man sich schon vorher machen.

Die Matratze muss sich den Körperkonturen anpassen können, das ist das Wichtigste. Das zweite wesentliche Entscheidungskriterium ist das eigene Gefühl: Der eine liegt ganz gern ein bisschen härter, der andere vielleicht ein bisschen weicher, das ist einfach persönliche Präferenz und nicht messbar.

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© Video: VGN / Wochit

Sind „Natur“ und „Bio“ Schlagwörter, die auch in der Matratzenwelt schon Einzug gehalten haben?
Da muss man sehr aufpassen. Sogenannte „Biomatratzen“ sind meistens Kautschukmatratzen bzw. Latexmatratzen und da geht die qualitative Bandbreite ganz weit auseinander. Latex ist ein Kautschuk, der meistens aus Südamerika kommt und angereichert werden muss, damit er nicht gerinnt. Und dann bleibt immer die Frage zu klären, wieviel Naturlatexanteil die Matratze überhaupt hat. Berücksichtigt man schließlich den CO2-Abdruck, den die Matratze hinterlässt , ist eine Herkunft aus Südamerika denkbar ungünstig.

Ich persönlich bin der Meinung, wenn ein Material auf den persönlichen Bedarf ausgelegt ist, dann ist es jedem anderen Material vorzuziehen. Im Fall von Matratzen gibt es dann keine allergischen Reaktionen, dann wird sich möglicherweise auch eine Staubmilbe nicht so leicht einnisten können. Letztlich sind das aber alles Philosophien, die betrieben werden, ich pflege eben eher den technischen Ansatz.

Ganz modern sind Kaltschaum-Schaumstoffe, das sind Erdölprodukte. Da geht es auch vermehrt in die Richtung CO2-Neutralität einzuhalten und es wird auch mit Naturöl-Anteilen gearbeitet. Bei den Obermaterialien bieten Zellulose-, also Holzfaser, eine gute Wärme- und Feuchtigkeitsableitung. Schwierig, das alles Naturprodukt zu bezeichnen, ist es aber im Endeffekt.

Stichwort „ganz modern“: Was ist der aktuelle Trend?
Zurzeit noch gefragt, aber schon ein wenig am Abklingen, sind Boxspringbetten. Es wird leider sehr viel Schindluder damit getrieben. Es werden Modelle angeboten um 300 bis 400 Euro, die in Wirklichkeit keine Boxspringbetten sind. Die Realität ist, dass echte Boxspringbetten - wie man sie eben oft aus Luxushotels kennt - einfach hochpreisige Produkte sind, weil im Korpus und in der Matratze Federkerne sind, hochwertige Materialien eine lange Haltbarkeit garantieren und das Bett eben nicht aus billigen Pressspanplatten zusammengeschraubt und mit billigen Stoffen überzogen ist. Generell liegt der Trend bei hohen Betten, weil sie zum Aufstehen und Hinsetzen sehr bequem sind.

Und was kommt ihrer Ansicht nach als nächster Trend?
Es geht immer stärker in die Richtung sensibler, punktueller Betten. Die Lattenroste können eigentlich nicht mehr als solche bezeichnet werden, sondern sind punktgefederte Elemente, die Druckentlastung wesentlich stärker berücksichtigen können. Betten werden sensibler, was daran liegt, dass die Menschen auch sensibler werden. Das Zielpublikum ist in meinen mittlerweile 25 Jahren Berufserfahrung auch immer jünger geworden.

Im Zeitalter der Personalisierung: Was spricht bei einer Matratze dafür und was sind die Rahmenbedingungen dafür?
Ich persönlich halte gar nichts davon. Man kauft sich eine Matratze idealerweise für einen Nutzungszeitraum von 8 bis 12 Jahren. Der Österreicher wechselt statistisch gesehen sogar nur alle 15 bis 17 Jahre seine Matratze. In so einem Zeitraum ändert sich körperlich in der Regel aber sehr viel, daher kann auch die Matratze irgendwann einmal nicht mehr stimmen, die man sich zugelegt hat. Man muss aber fairerweise ergänzen, dass sich personalisierte Matratzen teilweise in Nachhinein abändern lassen, indem man bestimmte Komponenten austauscht.

Ab welcher Preisklasse kann man eigentlich von einem vernünftigen Schlafsystem reden?
Nach oben hin sind die Grenzen natürlich äußerst spät gesetzt, da kann man es als Kunde auch massiv übertreiben. Pro Betthälfte bekommt man heutzutage einen guten Lattenrost und eine vernünftige Matratze als Set für rund 500 Euro. Bei einem wirklich guten System muss man mit 1.000 bis 1.500 Euro rechnen.

Viele Leute bleiben gerne bei ihren Liegegewohnheiten: Wie kann man feststellen, ob das Sinn macht?
Gerade Herren der älteren Generation neigen dazu hart zu liegen, weil man in der Jugend auch „auf der Prit’schn“ oder „am Heurigenbank’l“ geschlafen hat. Es ist auch schwierig, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn sie erst einmal auf einer weicheren Alternative liegen, bemerken sie aber rasch, wie groß der Unterschied sein kann. Genau aus diesem Fehlwissen heraus, dass eine Matratze sehr bockig und hart sein muss, damit es dem Rücken gut geht, leiden Menschen unnötig. Das ist in der Regel eine Generationenfrage.

Alle 7 Jahre eine neue Matratze – hält dieser Spruch noch?
Verkaufstechnisch ist er richtig (lacht). Im Ernst: Ich bin der Meinung, dass man alle 10 bis 12 Jahre wechseln sollte. Man gibt im Laufe von 10 Jahren ungefähr 2.000 Liter Körperflüssigkeit in die Matratze ab: Was sich da drinnen sammelt, ist alleine schon ein Grund für einen Wechsel.

Das Auto wechseln viele Leute auch alle 5 Jahre, ohne dass es überhaupt kaputt wäre. Kein Mensch behält Unterwäsche 10 Jahre lang, obwohl man die hoffentlich regelmäßig wäscht. Aber bei einer Matratze kommt kaum jemand auf den Gedanken sie zu waschen. Oder eben in kürzeren Intervallen zu wechseln.

Der Wohlfühlfaktor des Besitzers ist normalerweise jedenfalls der beste Indikator für einen Wechsel. Handlungsbedarf ist spätestens dann gegeben, wenn man bemerkt, dass die Matratze in ihrer Form abbaut, also man nicht gut darauf liegt. Sind sogar Mulden erkennbar, ist es schon zu spät.

Und den Lattenrost dann auch gleich austauschen?
Das ist eine Qualitätsfrage: es gibt durchaus Lattenroste, die überstehen die Lebensdauer von zwei Matratzen. Im besten Fall macht man zuhause ein, zwei Fotos vom Lattenrost und lässt vom Experten eine Einschätzung beim Matratzenkauf abgeben, ob auch hier ein Austauschbedarf besteht.

Was tun, wenn ich feststelle, dass die neu gekaufte Matratze doch nicht passt?
Das sollte man unbedingt im Vorfeld abgeklärt haben, weil es an sich kein gesetzliches Umtauschrecht gibt. Wir bieten unseren Kunden ein 6-8 wöchiges Umtauschrecht an, ein blau-gelbes Möbelhaus gibt Matratzen 90 Tage lang anstandslos zurück. Diverse Großflächenanbieter wiederum sagen, dass man eine Woche lang testen dürfe, die Matratze aber in der Originalverpackung bleiben muss.

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Matratze jedenfalls um einen Hygieneartikel und wenn die Verpackung einmal geöffnet ist, hat der Kunde gesetzlich keinen Anspruch mehr auf Umtausch.

© Walter Sonnleitner

Zur Person: Walter Sonnleitner ist seit 25 Jahren Liege- und Schlafberater. Mit seinem Unternehmenskonzept hat der Wiener bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten und betreibt derzeit ein Schlafstudio in Wien-Oberlaa.