Kamil Stoch - König der Schanzen

Nach seinem Doppelschlag bei Olympia ist Pole in einer Reihe mit den Größten

Der Pole Kamil Stoch ist der uneingeschränkte König der Skisprungschanzen von Krasnaja Poljana. Der 26-Jährige gewann nach dem Normalschanzenbewerb auch den Bewerb von der Großschanze. Ein Olympia-Doppelschlag war vorher erst dem Finnen Matti Nykänen (1988) und zweimal dem diesmal abgeschlagenen Schweizer Simon Ammann (2002 u. 2010) gelungen.

von Maciej Kot und Jan Ziobro heben Olympia-Sieger Kamil Stoch hoch © Bild: PETER PARKS/AFP/Getty Images

Der Siegeszug von Stoch kommt keineswegs unerwartet. Das 52-kg-Fliegengewicht aus der Skispringerhochburg Zakopane ist nicht nur amtierender Großschanzenweltmeister, sondern auch Gesamtführender im Weltcup. Zudem hat er bei der Olympia-Generalprobe in Willingen beide Bewerbe gewonnen.

Stoch sorgte mit seinem zweiten Gold für den ersten polnischen Olympiatitel auf der großen Schanze seit 1972. Dieser war auch dem großen Adam Malysz stets verwehrt geblieben. Außerdem ist er der erste Mann aus seinem Heimatland, der sich zweifacher Olympiasieger nennen darf. "Ich habe wirre Gedanken im Moment. Ich denke mir: 'Passiert das wirklich oder träume ich?'", rang Stoch nach Worten. Er sei den ganzen Tag furchtbar nervös und gar nicht so selbstsicher gewesen, gestand er.

Kamil Stoch wird nach seinem Olympiasieg von der Konkurrenz bejubelt
© GEPA pictures/ Andreas Pranter Die Konkurrenz kann dem überragenden Stoch nur applaudieren
»Es ist irgendwie ein Schock«

Sein zweiter Olympiasieg fiel knapper aus als die Premiere vor wenigen Tagen. Nach einem stilistischen Traumflug (139,0 m) musste er im Finale (132,5) noch zittern, blieb aber doch noch 1,3 Punkte vor dem japanischen Oldie Noriaki Kasai. Er habe Gold nicht mehr für möglich gehalten. "Es ist irgendwie ein Schock, wenn ich an die heutigen Sprünge denke. Der zweite war eine Tragödie. Ich habe Fehler gemacht, aber was soll's, ich habe gewonnen", betonte Stoch und widmete den Sieg seiner Frau.

Kasai ist mit 41 Jahren nun der mit Abstand älteste Olympia-Medaillengewinner im Skispringen. Er eröffnete aber auch einen anderen Superlativ, indem er 20 Jahre nach Platz zwei mit dem japanischen Team wieder Silber holte. Der immer lächelnde Japaner hat es in Sotschi bei seiner siebenten Olympiateilnahme Biathlet Ole Einar Björndalen (Gold im Biathlon) und dem Russen Albert Demtschenko (Silber im Rodeln) nachgemacht und mit über 40 Jahren noch einmal zugeschlagen.

Oldie Kasai muss vier Jahre weitermachen

Für ihn sei nach langer Zeit ein Traum in Erfüllung gegangen. "All die Jahre bin ich bei Olympia enttäuscht worden, aber heute habe ich es einfach schaffen müssen. Ich wollte Gold, aber jetzt ist es, wie es ist", sagte Kasai. Nun müsse er den Sieg eben in vier Jahren nachholen. "Sicher werde ich bis 2018 weitermachen. Ich will gewinnen, ich will Gold."

Neben Stoch holte auch der Normalschanzen-Zweite Peter Prevc mit Bronze sein zweites Edelmetall. Das hat vor ihm noch kein Slowene erreicht. Der 21-Jährige war auch bei der WM 2013 zweifacher Medaillengewinner. Mit Stoch, Prevc und Kasai standen übrigens jene drei Athleten auf dem Großschanzenpodest, die auch im Gesamtweltcup in den Top drei liegen.

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